Waldhof Mannheim – MSV Duisburg 4:3, So. 25.08.19

Da Hoffenheim auswärts wirklich keins meiner Lieblingsspiele ist, wurde bereits bei Terminierung geguckt, mit was sich ein Ausflug nach Sinsheim verbinden lassen würde. Schnell kristallisierte sich Mannheim als Ziel heraus. Das Carl-Benz-Stadion fehlte mir eh noch nach dem Aufstieg von Waldhof in Liga 3 und ebenso lag die Stadt quasi auf dem Rückweg von Sinsheim. Gegner des SV Waldhof sollte einen Tag nach unserer unglücklichen Niederlage gegen die TSG heute der MSV Duisburg sein, quasi Aufsteiger gegen Absteiger in die dritte Liga. Beide Vereine vorab eher schwer einzuschätzen, obwohl ich Mannheim sogar schon diese Saison in Magdeburg gesehen hatte. Damals zeigte ein kompakt stehender Mannheim-Block für ein Mittwoch-Abend-Spiel eine gar nicht so schlechte Leistung, auch wenn man gegen Magdeburg kaum zu hören war. Waren mir die Mannheimer*innen aus Magdeburg also durchaus positiv in Erinnerung, wirkte das beim Heimspiel schon anders. Wenn bereits in der Straßenbahn zum Stadion der ganze Waggon ein „Lautern, ihr Zigeuner“ anstimmt, man sich gegenseitig als „Fotze“ tituliert und es auch nicht lange bis zu den ersten homophoben Äußerungen dauert, fragt man sich schon, was so eine Fanszene in Liga 3 zu suchen hat. Klar, Lautern ist wohl schon aufgrund der geographischen Nähe der Hauptfeind und klar auch, steht bereits nächsten Sonntag für Mannheim das Derby gegen Lautern an. Rassistische, sexistische und homophobe Scheiße sollte aber nie Teil der Fankultur sein! 

Spätestens jetzt waren meine Sympathien jedenfalls klar auf Seiten des MSV. Die Karte in einer der ersten Reihen der Gegentribüne konnten bereits vorab online erworben werden. Trotz frühzeitiger Buchung blieb allerdings nur die Option Print@home. Das 1994 eröffnete Carl-Benz-Stadion fasst maximal knapp 24.000 Personen. Mit einer Zahl von 12169 war es heute allerdings gerade mal zur Hälfte gefüllt. Die gegenüberliegende Haupttribüne blieb fast komplett leer. Gut gefüllt wirkte nur der komplett volle Gästeblock auf der vom Rest des Stadions getrennten Hintertortribüne und die Otto Siffling Tribüne, wo sich hinter einer großen „Ultras Mannheim“-Zaunfahne die Heimszene positionierte. Diese steht seit einiger Zeit wieder im Zentrum der Tribüne, nachdem sie in Folge der Vorfälle rund um das Aufstiegsspiel gegen Uerdingen im Jahr zuvor die Selbstverwaltung aufgeben musste und in die Randblöcke der Tribüne verdrängt wurde. Bei den Gästen waren am komplett beflaggten Zaun u.a. auch die Freund*innen des Q-Blocks Mainz (Freundschaft Kohorte mit der USM) mit einem kleinen Lappen erkennbar. Ins Spiel startete der Gästeblock mit viel und sehr dichtem blauen Rauch. Das machte schon ordentlich was her. Auch während des Spiels wirkte das von MSV-Seite sehr laut und geschlossen. Supporttechnisch war es heute kein leichtes Spiel, lagen die Gäste doch bereits nach 26 Minuten schon mit 0:2 gegen den in der Tabelle hinter ihnen stehenden SVW (ja, das musste jetzt mal sein, irritierte mich auch das ganze Spiel) zurück. Der Anschlusstreffer der Duisburger dann sehr kurios. Einer der Waldhof-Spieler passt zurück zu seinem Torwart, der will dem Ball entgegenkommen, knickt dabei um und bleibt verletzt liegen. Der Duisburger Spieler nutzt die Chance, schnappt sich den Ball und versenkt im Tor. Kam so direkt vor der Heimkurve eher weniger gut an und schnell war die ein oder andere sportliche Person wild pöbelnd auf dem Zaun. Nur kurz nach Einwechslung des Ersatztorwarts fiel auch der Ausgleich zum 2:2. Als Duisburg in der 59. Minute dann sogar das Spiel zum 2:3 drehte, pure Euphorie im Gästeblock. Das Ausbreiten eines „Spitzenreiter“-Banners auf dem Zaun dauerte dann aber bestimmt 4 Minuten bis man feststellte, dass es alleine nicht klappt, 2 Personen aber auch nicht reichen und schlussendlich 3 Personen auf dem Zaun waren. Passend zur etwas unglücklichen Situation auf dem Zaun in der Folge auch der Spielverlauf. Innerhalb von 5 Minuten drehte Waldhof ab der 70. Minute das Spiel wieder und gewann schlussendlich mit 4:3, was zur Folge hatte, dass Duisburg auf Platz 3 abrutschte und nun genau vor’m SV Waldhof steht. Die Heimszene fiel auch während des Spiels eher mit Anti-Gesängen gegen Lautern als mit spielbezogenem Support auf. Nach dem 2:0 und dem 4:3 wurde es natürlich auch dort richtig laut und sah aus der Entfernung schon gut wild aus, so richtig überzeugt bin ich aber nicht vom Support. Ist vom Stil her doch komplett anders als bei uns. Freund*innen aus Frankfurt waren aufgrund des eigenen Spiels bei RB nicht anwesend. Da ich vor dem Spiel gewarnt wurde, dass man auch in Mannheim nicht sonderlich auf Hopper*innen steht hierzu noch drei Sätze. Die Reihen neben und direkt vor mir bestanden quasi nur aus Hopper*innen. Lustigerweise outeten sich die beiden direkt neben mir aufgrund der Tätowierungen schnell als Werderaner.  Gruß an dieser Stelle!

1. FC Magdeburg – SV Waldhof Mannheim 1:1, Mi. 31.07.19

Wer das Datum im Nachgang im Kalender nachschlägt, wird schnell feststellen, dass es sich um eines der ungeliebten Spiele unter der Woche handelt. Wenn man selbst aber mehr als genug Überstunden auf dem Zeitkonto hat und sich sogar noch eine Rückfahrtoption aus Magdeburg am Mittwochabend ergibt, nimmt man solche Spiele doch gerne mit. Vor allem, weil mit Magdeburg eine sehr interessante Fanszene schon länger auf meiner Liste stand. Letzte Saison mit St. Pauli musste ich leider krankheitsbedingt am Spieltag noch absagen. Heute also gegen Mannheim als neutraler Zuschauer. Online konnte sich vorab ein Ticket für den Nichtraucherblock direkt neben dem gesperrten Heimbereich gesichert werden. Gesperrter Heimbereich? Wer jetzt an Verbandsstrafen denkt, liegt ausnahmsweise Mal nicht richtig. Die fleißige Hüpferei ist das Problem. Oder Bauingenieure, die, wie ich selbst auch, eher schlecht in Statik waren. Beim Neubau der MDCC-Arena wurde jedenfalls nicht in Betracht gezogen, dass man in Magdeburg gerne auch mal geschlossen hüpft. Welche Auswirkungen das auf eine Tribüne haben kann, mussten die Verantwortlichen schnell feststellen. Die Sommerpause bis in den Herbst hinein wird die gesamte Heimkurve nun also renoviert und ist aktuell gesperrt. Hat zur Folge, dass Block U sich aktuell im Sitzbereich neben dem Gästeblock breit macht und für eine interessante Konstellation mit direkter Nähe zu den Gästen sorgt. Bedeutet aber auch wieder für mich beste Sicht auf die Heimkurve und zumindest ein eingeschränkter Blick auf den Gästeblock. Zunächst muss man aber natürlich erst einmal nach Magdeburg kommen. Hin gibt es glücklicherweise auch unter der Woche eine Direktverbindung in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt. Da ja allseits bekannt sein sollte, dass man in Magdeburg von Hopper*innen nicht sonderlich viel hält, hieß es heute auch unauffällig verhalten. Was da teilweise an Gestalten rum lief, war wirklich nicht feierlich. Das Klischee von sehr sportlichen jungen Kerlen mit Hooligantätowierungen wurde jedenfalls schon am Bahnhof bestätigt. Aufgrund der Sperrung der Straßenbahnhaltestellen direkt am Hauptbahnhof musste erstmal der neue Abfahrtsort gefunden werden, um anschließend mit vielen Blau-Weißen in Richtung Stadion zu fahren. Schon hier fiel auf, dass in Magdeburg so ziemlich jede*r entweder mit Trikot oder Schal ins Stadion geht. Dieses ohne Fankleidung, wie es bei uns häufig zu sehen ist, gibt es dort nach meinem Eindruck quasi nicht. Entsprechend fiel ich auch im Stadion ohne Fanartikel doch deutlich auf. Ebenso ungewohnt, aus diversen Berichten und von Fotos aber schon bekannt, dass einfach das gesamte Stadion bei Liedern dauerhaft mitsingt und auch auf den Sitzplätzen 90 Minuten gestanden wird. Kein Vergleich zum Eventpublikum in der Bundesliga. Entsprechend schepperten die bekannten Magdeburger Gesänge auch im Sitzbereich der Gegentribüne. Optisch fiel die aktive Magdeburger Szene in erster Linie durch die große Block U Zaunfahne und sehr häufigen Schaleinsatz auf. Was bei uns schon bei einfachen Schalschwenkereien bei Wechselgesängen scheitert, klappt hier in Perfektion. Schwenker wurden nur sehr wenige genutzt. Was mir ja persönlich gar nicht zusagt und ich ehrlich gesagt zu mackerhaft und peinlich finde, sind diese Momente, wenn sich plötzlich der gesamte Block der aktiven Szene ab Minute 70 seines Shirts entledigt und Oberkörper frei rum hüpft. Ansonsten gefiel mir der Support wirklich super und die Gäste aus Mannheim, die mit vielleicht 400 Leuten den weiten Weg auf sich nahmen, konnten sich nur nach der Führung und in der Halbzeitpause kurz Gehör verschaffen. Jegliche weiteren Versuche, Gesänge anzustimmen, wurden sofort mit viel Pöbel seitens Magdeburg niedergesungen. Magdeburg zeigte zu Beginn noch längere Zeit ein Spruchband mit der Forderung nach Absetzung des Stadionsprechers. Hintergründe kenne ich nicht. Viel nerviger als den Stadionsprecher fand ich aber die ständigen Werbefilmchen bei Ecken, Spielständen etc.. Sportlich hatte das Spiel dafür nicht sonderlich viel zu bieten. Mannheim machte eigentlich das Spiel. Das erste Tor erzielte dennoch die Heimmannschaft etwas überraschend. Quasi mit dem Halbzeitpfiff glichen die Gäste zum 1:1 aus. Die zweite Hälfte hatte dagegen nicht mehr so viel zu bieten. Am Ende ein verdientes 1:1, ich glücklich, zumindest zwei Tore gesehen zu haben und die Rückfahrt klappte auch besser als gedacht, so dass ich früh morgens am Donnerstag auch wieder in Bremen war.