SV Meppen – 1. FC Magdeburg 1:3, Sa. 03.08.19

Am Tag der Fans in Meppen? Ja, ihr lest richtig. Aber es sollte ja bekannt sein, wie wenig ich von dem Event Tag der Fans und des dadurch angezogenen Publikums halte. Da klang die Option Meppen deutlich reizvoller. Immerhin sprang hier neben der Chance, einen Berliner Kumpel mal wieder zu sehen, auch noch die Möglichkeit heraus, die Zahl fehlender Stadien in Liga 3 um eins zu reduzieren. Mein bisher einziges Meppenspiel war ein Derby in Oldenburg und die Meppener Fanszene ist mir eigentlich nur durch peinlichen Pöbel in Erinnerung geblieben. Mit dem IC ging es über Münster nach Meppen. Kurz vor Meppen verzögerte sich die Weiterfahrt ein wenig, wollte doch ein Großteil der Magdeburger Szene in Rheine zusteigen. Ich erwähnte ja bereits beim Magdeburg Heimspiel, wie unangenehm ich deren Szene teilweise finde. Am Ende benahmen sich die mit uns reisenden aber. Was man von den schon am Bahnhof wartenden weiteren Magdeburger*innen nicht sagen kann. Die Meppener Polizei sperrt den Bereich um den Bahnhof für Heimfans und lässt die Magdeburger*innen auf ihren Shuttlebus warten und denen fällt nichts besseres ein, als unter ihnen herlaufende Meppener*innen zu bespucken. Wirklich starke Typen seid ihr! Ebenso unsympathisch die Anwohner*innen in Meppen. Quasi auf dem gesamten Weg vom Bahnhof zum Stadion Tags wie „Nazikiez“, Aufkleber mit „Nationaler Aufbau“, „FCK ANTIFA“ u.ä.. Juckt hier aber anscheinend nur wenige. Ein paar „Seenotrettung ist kein Verbrechen“ und „Emsland nazifrei“ Kleber, die Meppener Fanszene stört sich wohl weniger an den rechten Spinner*innen. Anders lässt sich jedenfalls nicht erklären, wieso direkt neben Naziklebern Meppener Szenekleber kleben. Man muss sich ja nicht zwingend politisch links geben, Nazikleber überkleben sollte aber auch für eine Szene wie Meppen selbstverständlich sein. Gut gefallen hat mir dagegen das Stadion. Schöne Lage umgeben von Bäumen, bis auf die unüberdachte Hintertortribüne mit kleinem Heim- und Gästeblock wirklich Oldschool und kleinem Stehbereich über die gesamte Haupt- und Gegentribüne vor dem eigentlichen Sitzbereich hat schon was. Die alte Hintertortribüne und die Haupttribüne haben für mich was von Lübeck in cool. Lustig auch, dass hier Cateringleute mit Zapfanlage, 4 Fässern Bier und 2 Kästen Softdrinks vorne im Block stehen. Stimmungsmäßig erwartete ich von Meppen wirklich nichts, konnte entsprechend auch nicht enttäuscht werden. Da sich die Szene am anderen Ende der Gegentribüne positioniert, war sie für mich quasi gar nicht wahrnehmbar. Anders der Gästeblock, auf den wir von unserer Position einen guten Blick hatten. Was mir schon beim Heimspiel von Magdeburg auffiel, wurde hier wieder einmal bestätigt. Keinerlei Schwenker, dafür ständig mit Armen und Schal aktiv, wurde gefühlt über 80 der 90 Minuten geschlossen und laut gesungen. Man stelle sich mal vor, über dem Gästeblock befände sich ein Dach. Der Block wurde vorne mit dem großen Block U Banner beflaggt, seitlich fanden sich Fanclubfahnen u. a. aus Köln und Bremen. Beim bestimmt 5 Minuten gesungenen „Wir war’n noch niemals in Paris, wir war’n noch niemals in Madrid“ wippte sicher nicht nur ich gut mit. Spielerisch wurde heute mal wieder eher Magerkost geboten. Nach vielen unkontrollierten Angriffen landete der Ball irgendwann im Magdeburger Tor und die Heimseite feierte. In der Folge wurde es nicht wirklich besser und auch das 1:1 wirkte ähnlich glücklich. Richtig interessant wurde es eigentlich erst die letzten 10 Minuten. Wurde der Meppener Torwart vor dem Spiel noch mit eigener Zaunfahne geehrt, wollte man diese jetzt wohl nur noch verbrennen. Erst legte er sich einen locker haltbaren Ball von der Seite selbst rein, indem er ihn um 90° abgelenkt ins Tor bugsierte. Kurz darauf vertändelte er einen leicht erreichbaren Rückpass und der Magdeburger musste nur noch einnetzen. In der Folge Durchdrehen im Gästeblock, kamen die zwei Tore doch mehr als überraschend. Am Ende blieb es beim 1:3, auf dem Rückweg noch einmal ein paar Nazikleber besichtigt und entfernt, ging es zurück diesmal über Leer. Gegen 19:30 Uhr hatte ich dann auch wieder Bremer Boden unter den Füßen. 

1. FC Magdeburg – SV Waldhof Mannheim 1:1, Mi. 31.07.19

Wer das Datum im Nachgang im Kalender nachschlägt, wird schnell feststellen, dass es sich um eines der ungeliebten Spiele unter der Woche handelt. Wenn man selbst aber mehr als genug Überstunden auf dem Zeitkonto hat und sich sogar noch eine Rückfahrtoption aus Magdeburg am Mittwochabend ergibt, nimmt man solche Spiele doch gerne mit. Vor allem, weil mit Magdeburg eine sehr interessante Fanszene schon länger auf meiner Liste stand. Letzte Saison mit St. Pauli musste ich leider krankheitsbedingt am Spieltag noch absagen. Heute also gegen Mannheim als neutraler Zuschauer. Online konnte sich vorab ein Ticket für den Nichtraucherblock direkt neben dem gesperrten Heimbereich gesichert werden. Gesperrter Heimbereich? Wer jetzt an Verbandsstrafen denkt, liegt ausnahmsweise Mal nicht richtig. Die fleißige Hüpferei ist das Problem. Oder Bauingenieure, die, wie ich selbst auch, eher schlecht in Statik waren. Beim Neubau der MDCC-Arena wurde jedenfalls nicht in Betracht gezogen, dass man in Magdeburg gerne auch mal geschlossen hüpft. Welche Auswirkungen das auf eine Tribüne haben kann, mussten die Verantwortlichen schnell feststellen. Die Sommerpause bis in den Herbst hinein wird die gesamte Heimkurve nun also renoviert und ist aktuell gesperrt. Hat zur Folge, dass Block U sich aktuell im Sitzbereich neben dem Gästeblock breit macht und für eine interessante Konstellation mit direkter Nähe zu den Gästen sorgt. Bedeutet aber auch wieder für mich beste Sicht auf die Heimkurve und zumindest ein eingeschränkter Blick auf den Gästeblock. Zunächst muss man aber natürlich erst einmal nach Magdeburg kommen. Hin gibt es glücklicherweise auch unter der Woche eine Direktverbindung in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt. Da ja allseits bekannt sein sollte, dass man in Magdeburg von Hopper*innen nicht sonderlich viel hält, hieß es heute auch unauffällig verhalten. Was da teilweise an Gestalten rum lief, war wirklich nicht feierlich. Das Klischee von sehr sportlichen jungen Kerlen mit Hooligantätowierungen wurde jedenfalls schon am Bahnhof bestätigt. Aufgrund der Sperrung der Straßenbahnhaltestellen direkt am Hauptbahnhof musste erstmal der neue Abfahrtsort gefunden werden, um anschließend mit vielen Blau-Weißen in Richtung Stadion zu fahren. Schon hier fiel auf, dass in Magdeburg so ziemlich jede*r entweder mit Trikot oder Schal ins Stadion geht. Dieses ohne Fankleidung, wie es bei uns häufig zu sehen ist, gibt es dort nach meinem Eindruck quasi nicht. Entsprechend fiel ich auch im Stadion ohne Fanartikel doch deutlich auf. Ebenso ungewohnt, aus diversen Berichten und von Fotos aber schon bekannt, dass einfach das gesamte Stadion bei Liedern dauerhaft mitsingt und auch auf den Sitzplätzen 90 Minuten gestanden wird. Kein Vergleich zum Eventpublikum in der Bundesliga. Entsprechend schepperten die bekannten Magdeburger Gesänge auch im Sitzbereich der Gegentribüne. Optisch fiel die aktive Magdeburger Szene in erster Linie durch die große Block U Zaunfahne und sehr häufigen Schaleinsatz auf. Was bei uns schon bei einfachen Schalschwenkereien bei Wechselgesängen scheitert, klappt hier in Perfektion. Schwenker wurden nur sehr wenige genutzt. Was mir ja persönlich gar nicht zusagt und ich ehrlich gesagt zu mackerhaft und peinlich finde, sind diese Momente, wenn sich plötzlich der gesamte Block der aktiven Szene ab Minute 70 seines Shirts entledigt und Oberkörper frei rum hüpft. Ansonsten gefiel mir der Support wirklich super und die Gäste aus Mannheim, die mit vielleicht 400 Leuten den weiten Weg auf sich nahmen, konnten sich nur nach der Führung und in der Halbzeitpause kurz Gehör verschaffen. Jegliche weiteren Versuche, Gesänge anzustimmen, wurden sofort mit viel Pöbel seitens Magdeburg niedergesungen. Magdeburg zeigte zu Beginn noch längere Zeit ein Spruchband mit der Forderung nach Absetzung des Stadionsprechers. Hintergründe kenne ich nicht. Viel nerviger als den Stadionsprecher fand ich aber die ständigen Werbefilmchen bei Ecken, Spielständen etc.. Sportlich hatte das Spiel dafür nicht sonderlich viel zu bieten. Mannheim machte eigentlich das Spiel. Das erste Tor erzielte dennoch die Heimmannschaft etwas überraschend. Quasi mit dem Halbzeitpfiff glichen die Gäste zum 1:1 aus. Die zweite Hälfte hatte dagegen nicht mehr so viel zu bieten. Am Ende ein verdientes 1:1, ich glücklich, zumindest zwei Tore gesehen zu haben und die Rückfahrt klappte auch besser als gedacht, so dass ich früh morgens am Donnerstag auch wieder in Bremen war.