FC St. Pauli – Hamburger SV 2:0, Mo. 16.09.19

Wenn ich ja ganz ehrlich bin, bin ich ganz froh, dass der HSV ein weiteres Jahr zweitklassig spielt. Ebenso froh war ich über die Terminierung des Hamburger Stadtderbys auf einen Montag. So scheiße Montagsspiele sind, ermöglichte der Termin doch Union-Werder und St. Pauli-HSV mitzunehmen. In den Wochen zuvor hatte ich nämlich fest damit gerechnet, dass bei meinem Glück wahrscheinlich beide Spiele auf den selben Tag gelegt werden. Als dann die Terminierung stand, schnell für Montag und Dienstag Urlaub genommen und so ging es zu dritt Montag Mittag bei einsetzendem Bremer Wetter mit dem Metronom nach Hamburg. Dort angekommen wurde zunächst der Fanladen beehrt, mussten die anderen beiden doch noch ihre Akkreditierungen abholen. Die anschließende Stärkung in Form von Falafel sollte natürlich bei Falafelstern erfolgen. Blöd nur, dass sich ausgerechnet Sternschanze der HSV-Mob am heutigen Tag ab 16 Uhr treffen und von dort zu Fuß zum Gästeblock laufen wollte. Da der Hunger entsprechend groß war und wir relativ neutral gekleidet waren, wurde dem Gästemob ein kurzer Besuch abgestattet. Was da an Gestalten rumlief, echt nicht feierlich. Ganz gut dafür das Essen, auch wenn es mir bei Zedern in (unserem) Viertel noch ‘ne Ecke besser schmeckt.

Nach der Stärkung noch ein wenig shoppen im Fanshop auf der Reeperbahn und dann auf das ein oder andere Bier ins Viertel und vor’s Jolly. Erschreckend fand ich die Polizeipräsenz am heutigen Tag. Flog der Hubschrauber eh schon den ganzen Tag über St. Pauli, gesellten sich später noch mehrere Wasserwerfer und ein Räumpanzer hinzu. Das ist schon noch ‘ne Nummer mehr als was sie so zu unseren Derbys gegen den HSV aufgefahren haben. Lustig dagegen die verdutzten Blicke, wenn erst Leute uns drei für Zivis halten, anschließend dann aber wer aus der Gruppe uns begrüßen kommt. Grüße an dieser Stelle an zahlreiche weitere Grün-Weiße und Babelsberger*innen, die wie viele andere Freund*innen der Braun-Weißen heute ebenfalls anwesend waren. Immer wieder erstaunlich, wie es Szenen schaffen, zu solchen Spielen so viele Karten für Freund*innen zu organisieren. Hat ja nicht jede*r ein eigenes Ticket wie wir drei.

Etwa eine Stunde vor Anpfiff ging es in’s zu diesem Zeitpunkt schon echt volle Millerntor. Per Flyer wurde auf die Choreo aufmerksam gemacht, welche zu Beginn auf der Süd gezeigt wurde. Diese bestand aus schwarzer Stoffbahn mit weißer Hand. Die Finger der Hand wurden dazu immer weniger und passend dazu wechselten die Spruchbänder vor der Süd von “Scheiß Montagsspiele” auf “Scheiß DFB” und schlussendlich auf “Scheiß Bullen”, während von der Hand nur noch der Mittelfinger übrig blieb. Als die Stoffbahnen unten waren, gab es zahlreiche Doppelhalter mit St. Pauli Wappen und bunte Luftballons in der Süd. Gut im TV-Bild zu sehen waren zudem zwei große Kotzsmilies mittig auf der Gegengeraden. Und auch die Nord positionierte sich mit einer “Hamburg ist braun-weiß” Choreo. Supportmäßig kam das heute gefühlt schon noch ‘ne Ecke lauter als sonst, auch wenn mir zu oft die Gegengerade Gesänge der Süd mit anderen Gesängen unterbrach. Neben der großen Ultras-Blockfahne in der Süd wurde anschließend ein wahres Feuerwerk abgeschossen. Auf anschließenden Fotos sah das schon echt stark aus. Ebenso, wie einfach manche Personen gefühlt drei Viertel des Spiels vermummt im Block stehen oder auf dem Zaun sitzen. Grüße an den HSV gab es auch in Form eines “Antirassismus? Nazi-Freunde und Jargon!! Verlogenes Dreckspack!!” Spruchbandes. Ebenso positionierte sich die Gegengerade zu den Fotos zahlreicher Deutschlandfahnen im Ballsaal rund um das Länderspiel vor einer Woche. Auch der Spielverlauf trug natürlich zu einer ausgelassenen Stimmung bei. Spielte auf dem Papier doch der Tabellen-14. gegen den Zweiten. Davon merkte man zeitweise wirklich gar nichts. Bereits nach 18 Minuten hieß es 1:0 für Braun-Weiß. Diamantakos verwandelte einen zunächst abgewehrten Ball per Flugkopfball zum 1:0. Erstes Mal völliges Durchdrehen in der Süd. Bis zur endgültigen Entscheidung dauerte es dann aber noch ein wenig. In der 63. Minute lenkt van Drongelen einen flach vor’s Tor gebrachten Freistoß von Møller Dæhli in’s eigene Tor. Wie schnell danach einige Fackeln angingen. Auch nach dem Abpfiff sofort zahlreiche Personen mit Fackeln auf dem Zaun. Noch lange nach Abpfiff schallten laute Derbysieger-Gesänge durch’s Millerntor und auch das “Hamburg ist braun-weiß”-Banner fand schnell den Weg auf den Rasen. Einfach ein richtig geiles Spiel, das sich schwer in Worte fassen lässt!

Dass das sofortige Anreißen von Fackeln nicht immer ideal ist, zeigte zwischendurch der HSV, als ein Tor des HSV wieder aberkannt wurde, weil der Ball bei der Flanke im aus gewesen sein soll. Immerhin war die Fackel schnell am Boden. Eingeleitet wurde die Partie im Gästeblock ebenfalls mit einer Choreo. Ein “Wir, die blau-weiß-schwarze Masse, stellen…” hinter dem Block wurde von einem großen “Hamburgs Arbeiterklasse”-Transpi mit drei natürlich männlichen Personen ergänzt. Einer davon trug dabei u.a. sogar dankenswerterweise direkt das Matefass, welches anschließend von Seiten der Castaways thematisiert wurde. Das “Im Vollsuff nach ‘nem Matefass, vergesst ihr Bremens Hamburg-Hass” zeigte jedenfalls wieder einmal, dass man beim HSV und dessen Szene wirklich nichts verstanden hat und auch die Kreativität von Jahr zu Jahr nachlässt. Entsprechend forderte uns das Spruchband allen wohl eher ein paar Lacher ab. Die weiteren Spruchbänder könnt ihr gerne den Fotos entnehmen. Ansonsten fielen auch die Gäste durch reichlich Feuerwerk und Fackeln auf. Letztere allerdings eher unter dem Motto “die müssen jetzt eh weg, gewinnen werden wir nicht mehr”. Richtig gefeiert wurde anschließend die Meldung in den Medien, dass einem HSV-Fan mit Fackeln und Feuerwerksbatterie im Beutel der Zutritt zum Stadion verwehrt wurde. Starker Typ! Und wir haben uns zwischendurch noch gefragt, wie man eigentlich so eine Feuerwerksbatterie in’s Stadion bekommt.

Was bleibt am Ende nach so einem Spiel festzuhalten? Natürlich nur eins:

Derbysieger!