Brøndby IF – FC København 1:0, So. 27.09.15

Von Bremen ging es also wieder mal per Fernbus nach Hamburg. Da leider sämtliche Steckdosen im Bus ausgefallen waren, musste schon jetzt meine Powerbank für neue Energie sorgen. In Hamburg angekommen dann per Facebook erfahren, dass auch 4x ACU zum Derby und auch meinem zweiten geplanten Spiel fährt, also erstmal Treffen für den folgenden Tag ausgemacht. Nach knapp 2 Stunden Aufenthalt am Hamburger ZOB, begleitet von vielen HSV- und Schalkefans, die das abendliche Spiel live im Stadion erlebt hatten, ging es dann gegen 23:50 weiter im Bus nach Kopenhagen, dessen Fahrt sich aufgrund einer Diskussion über fehlende Ausweise mancher Mitreisender etwas verzögerte. Bei Verlassen der Fähre in Rødby dann das erste Highlight der Tour. 2 Mitreisende fehlten, wobei der eine dann kurz drauf kam mit der Frage, ob der Bus nicht noch kurz warten könnte. Als vorderstes Fahrzeug auf der Fähre natürlich schwer möglich, also rausgefahren aus der Fähre und im Hafenbereich auf die beiden gewartet, die dann fünf Minuten später dann auch angelaufen kamen. Und wieso waren sie nicht pünktlich am Bus? Der eine hatte gerade noch 400 Euro am Spielautomaten gewonnen und musste sich das Geld natürlich erst auszahlen lassen, verständlich dass man dann nicht sofort zum Autodeck rennt, wenn das Signal ertönt. Kurz drauf dann auch die zu erwartenden Grenzkontrolle durch die dänische Politi. Da eine Frau aus Somalia ohne Papiere an Bord war, verzögerte sich die Weiterfahrt noch einmal etwas, aber nach etwa 10-minütiger Diskussion und Versicherung ihrerseits, weiter nach Schweden zu fahren, durften wir dann auch weiter, schon ein wenig kurios alles. Ankunft in Kopenhagen dann gegen 5 Uhr und versucht, mir am Bahnhof die Zeit ein wenig zu vertreiben, was mehr schlecht als Recht funktionierte und mich dazu bewog, mit dem vorher gekauften 24h-Nahverkehrsticket eine kleine Bustour zu machen, die mich zunächst zum Zoo führte, ohne auch nur ein Tier zu sehen um dann anschließend auch noch zum Flughafen zu fahren und kein einziges Flugzeug zu sehen. Klingt komisch, aber was tut man nicht alles, um Zeit totzuschlagen und es dabei angenehm warm zu haben. Zurück am Hauptbahnhof dann auch schnell festgestellt, dass die heutige Amtssprache in Bahnhofsnähe deutsch war, jede Menge Hopper, die wohl die selbe Idee wie ich hatten, mit dem Unterschied, dass ich regelmäßig Brøndby verfolge und das ganze eher als Spiel einer meiner Mannschaften verbuche.

Aufgrund zu erwartender zahlreicher Sperrungen ums Brøndby Stadion herum wurde früh die S-Bahn Richtung Glostrup genommen, auch um den zahlreichen FCK-Fans aus dem Weg zu gehen, die sicher den selben Weg nutzen würden. Dies lief dann eher semioptimal, da direkt die erste Station nach Start eine Ladung Rude Boys Kopenhagen am Bahnsteig wartete, welche es sich zum Glück spontan aber anders überlegten und lieber die nächste Bahn nehmen wollten. In  Glostrup in den vollen Bus Richtung Stadion, dort vorbei an Sichtblenden, bestehend aus Bauzäunen und blauen Folien, direkt weiter Richtung Heimseite, um noch ein wenig Ausschau nach Derbyartikeln zu halten, leider keine Sonderartikel zum Derby gefunden, nur Flyer mit Infos zur Spende per SMS für die geplante Choreo. Im Fanshop schnell noch Matze den Pin gekauft, den er beim PAOK-Spiel nicht gefunden hat. Beim Rausgehen dann passend zur Ankunft des FCK-Busses vor dem Fanshop gewesen. Schon sehr lustig, dass man alles mit Sichtschutz absperrt aber dann den Bus daran vorbei Richtung Haupteingang schickt, nur in Begleitung zweier Motorradpolizisten, entsprechend viel Gepöbel von Brøndby Fans.

Mit Einlass ins Stadion erstmal die Aachener besucht, die mit Block T18 Plätze ziemlich nah am Gästeblock gebucht hatten, daher einen guten Blick auf die Kopenhagener Fans hatten. Diese waren mit einheitlich weißen Shirts im Unterrang und blauen im Oberrang und für die Choreo zusätzlichen blauen Müllsäcken o.ä. als Überzieher im Unterrang, gut als FCK-Fans zu erkennen. Was sehr positiv auf beiden Seiten auffiel ist, dass jeder einzelne Spieler beim Warmmachen vor dem Spiel mit Gesängen begrüßt wurde, sollte man bei Werder auch mal machen. Leider wurde ich dann relativ schnell durch die Besitzer der Plätze neben den Aachenern zu meinem Platz in Block T21, ebenfalls Oberrang, aber Richtung Heimkurve, vertrieben. Dort saß ich leider genau hinter der großen Heim-Choreo, die aus einer Art römischen Arena bestand, in der ein Gladiator gegen einen Löwen (Wappentier des FCK) kämpft und diesen schlussendlich besiegt und den abgetrennten Kopf präsentiert, das ganze über die komplette Heimkurve und Teile der Haupt- und Gegentribüne untermalt von mehreren Fackeln. Ich konnte das ganze aufgrund der Gladiatorenarena vor meiner Tribüne leider nur im Livestream sehen, den die beiden neben mir auf ihrem Handy verfolgten, wirkte schon beeindruckend. Gleichzeitig wurde vor dem Gästeblock von dort anwesenden Brøndbyfans viel gelber Rauch gezündet, so dass der Gästeblock erstmal ziemlich eingenebelt war und deren Choreo erst später richtig zu sehen war, klarer Punkt an Brøndby. Die Choreo des FCK bestand zunächst im Oberrang aus blauen Pappen + weißem Logo, im Unterrang aus weißen + blauem Logo und vor den Blöcken Spruchbändern “For evigt hvid”-“Tilhører FCK!” (beide weiße Schrift auf blauem Hintergrund), dann Wechsel der Farben durch Umdrehen der Pappen und unten Wechsel des Spruchbandes zu “For altid blå” (blaue Schrift auf weißem Hintergrund), anschließend weiß-blaue Fahnen im gesamten Block und Wechsel der Spruchbänder “Hele København” (oben, blau auf weiß) “Tilhører FCK!” (unten, weiß auf blau). Schon nett anzusehen. Die weiß-blauen Schwenker wurden dann in den Nachbarblock neben dem Gästeblock geworfen, in dem sich weitere FCK-Fans befanden, die die blauen Bahnen als Abgrenzung spontan zur Seite schoben und sich quasi neben den Gästeblock gestellt haben, um anschließend die Bahnen wieder neben sich hin zum Heimbereich neu auszulegen.

Auf Heimseite viele Spruchbänder, die durch einzelne Fackeln untermalt waren, sowohl gegen den FCK als auch die Polizei. Gästeblock mit Spruchband “Overdreven magt og tyranni – ingen dialog med vestegnens politi” (Bedarf wohl keiner Übersetzung) + Tafeln mit “13” im Oberrang und leider recht wenigen “12”er Tafeln im Unterrang. Zur zweiten Halbzeit große Pyroshow auf Kopenhagener Seite mit vielen roten Fackeln. Interessant dabei, dass die mit Sturmhauben vermummten Fans direkt neben Ordnern stehen und Fackeln zünden und die Ordner keinerlei Reaktion zeigen.

Stimmung zu Beginn vor allem auf Gästeseite dank guter Trommler und geschlossenem Auftreten sehr gut, bei Brøndby nur eine kleine Gruppe über dem mittleren Mundloch aktiv, mit zunehmendem Spiel aber deutlich lauter und zweite Halbzeit gute Lautstärke und abwechslungsreiche Gesänge. Nach dem 1:0 Siegtreffer Heimseite dann am durchdrehen und wieder viele Fackeln. Derbysieger!

Das kurioseste passierte aber zu Beginn des Spiels auf dem Platz. Ein Kopenhagener Spieler wurde von seinem gegenüber rüde umgetreten und der Schiri zog sofort rot für den Brøndby-Spieler. Als er dann aber bemerkte, dass er die rote Karte in der Hand hatte, holte er so schnell er konnte die gelbe Karte und die über die rote Karte sehr verärgerten Heimfans begannen lauthals zu lachen. Sowas habe ich in dem Sinne auch noch nicht erlebt.

Nach dem Spiel mit den Aachenern zu deren Auto gelaufen, um mit ihnen nach Farum zum zweiten Kick des Tages zu fahren. Dabei  sind wir noch zwei mal den abreisenden FCK-Fans in Polizeibegleitung begegnet, wobei die Polizei teilweise sehr orientierungslos wirkte und auch die vorher groß angekündigte Fantrennung wenig funktionierte.

An dieser Stelle möchte ich es noch einmal wiederholen: Derbysieger!

FC København – Aarhus GF 2:2, So. 23.08.15

Nachdem der Länderpunkt Dänemark schon mit dem Drittligakick bei Fremad Amager gemacht wurde, gab es am Abend noch eine Runde erste dänische Liga. Der FC København dürfte den Werderanern fantechnisch insbesondere durch seine Fanfreundschaft zu Teilen der verbotenen Stadt bekannt sein. Ansonsten möchte ich mich als langjähriger Brøndbysympathisant und damit Ablehner dieses erst 1992 entstandenen Produkts gar nicht weiter zum FCK äußern. Nur so viel, Bilder sagen mehr als tausend Worte:

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mit diesem Etwas fahren die vorm Spiel rum und feuern Fanartikel ins Publikum, es lebe der Kommerz!

Zu Gast heute im Telia Parken, welches auch als Stadion der Nationalmannschaft dient, Aarhus GF. Insgesamt sahen knapp 19000 Zuschauer das Spiel. Aus Aarhus waren etwa 1000 Personen angereist, welche in einheitlichem weiß, den Gästeblock komplett füllten. Man muss allerdings dazu sagen, dass der Gästeblock im Parken lediglich durch 2 Stoffbahnen vom angrenzenden Familienblock getrennt und somit flexibel in der Größe ist, die Aarhus Fans werden also vermutlich nur den kleinstmöglichen Bereich bekommen haben. Nichtsdestotrotz macht auch ein voller kleiner Block etwas her. Die aktive Szene postierte sich mit etwa 30-40 Leuten inkl. 4 bis 5 Schwenkern hinter dem Mundloch des Blocks und feuerte dort durchgehend ihre Mannschaft an. Vor dem Spiel wurde im unteren Teil des Blocks eine Blockfahne mit dem Text “Samlet for Aarhus” ausgebreitet, die allerdings später aufgrund des benötigten Platzes wieder eingepackt wurde. Dafür wurde mit Anpfiff ein Spruchband (“Bag jer til sidste ende”) gezeigt.

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“Samlet for Aarhus” Blockfahne vor dem Spiel
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“Bag jer til sidste ende”-Spruchband zum Anpfiff

Auf Heimseite sangen etwa 300 bis 400 ebenfalls größtenteils in weiß gekleidete Fans hinter den Fahnen von Urban Crew København und Rebels København mit Unterstützung von 2 Trommeln.  Zu Beginn gab es eine Gedenkchoreo für Harald Nielsen, der stark an der Entstehung des FC København beteiligt und in den 90ern im Verein in verschiedensten Rollen aktiv war.  Hierzu gab es ein schwarzes Spruchband am Zaun und im Block wurden mit Anpfiff schwarze Papptafeln hochgehalten, welche durch ein Konterfei Harald Nielsens vom Oberrang und knapp 20 Fackeln auf der Tribüne unterstützt wurden.

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Gedenkchoreo für Harald Nielsen
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Infoflyerverteilung zur Choreo auf dänische Art (einfach vom leeren Oberrang geworfen)

Zu Beginn des Spiels gab es dann viel Gehüpfe und Geklatsche auf Heimseite, was mir persönlich sehr gut gefiel. Die Liedauswahl war sehr groß und trotz der geringen Zuschauermenge in dänischen Stadion muss man eins sagen: Die aktiven Fans sind zwar wenige, aber wirklich alle beteiligen sich am Support und sind dadurch ziemlich laut, deutlich lauter als manche Szene in der Bundesliga!

Auf dem Spielfeld dominierte die Mannschaft aus der Hauptstadt das Spiel eigentlich nach Belieben und ging nach 21 Minuten durch einen sehenswerten Freistoßtreffer in Führung. In der 38. Minute konnte Aarhus etwas glücklich ausgleichen, in dem der Torwart der Kopenhagener getunnelt wurde. Nach der Pause eigentlich das selbe Bild wie zuvor, Kopenhagen macht das Spiel und erzielt das 2:1 bevor Aarhus in der 89. (!) Minute per Fallrückzieher (!!!) ausgleicht. Ich musste meine Freude über den klasse Ausgleich etwas zurückhalten, um mich rum saßen natürlich nur FCK-Fans, die vom gerade gesehenen nicht sonderlich angetan waren. Der Gästeblock dagegen feierte das Tor und auch die Mannschaft noch bis nach Abpfiff.

Nach dem Abpfiff dann noch auf die Suche nach einem richtigen Ticket gemacht, leider war quasi der ganze Block ebenfalls mit Print@home-Tickets ausgestattet, so dass mir ein Erfolgserlebnis versagt blieb. Auch der Weg zurück in die Stadt gestaltete sich ein wenig aufwändiger als gedacht. Der eine Bus zurück kam aufgrund des Verkehrs ums Stadion so spät, dass quasi alle heimischen Fans schon zu Fuß oder mit dem Rad auf dem Heimweg waren und fast nur noch englischsprachige Stadionbesucher auf den Bus warteten. Im Bus dann noch eine sehr lustige Situation: ein leicht angetrunkener Aarhus-Fan klebt einen Aarhus-Aufkleber auf die Haltestellenanzeige im Bus. Darauf ein etwa 16-jähriger mit Seidenschal und Rebels Kopenhagen Shirt vom hinteren Teil des Busses nach vorne gelaufen und geguckt, was der Aarhus-Fan da geklebt hat. Statt den Kleber aber zu entfernen oder zu überkleben, rennt er lieber heulend zu seinen fünf Freunden, damit sie dann zusammen einen Kleber überkleben, ganz stark und wahrlich rebellisch! 😀

Wieder am Rathausplatz angekommen, dann noch 2 Stunden die Zeit bei Burger King und mit erneutem Stadtrundgang vertrieben, um dann wieder mit Bus und Fähre zurück nach Berlin zu fahren. Die Rückfahrt gestaltete sich deutlich entspannter. Relativ wenig los, dadurch eine Reihe für mich alleine und auch schlafen ging diesmal ganz gut.

Fazit: Für knapp 25€ Fahrkosten sollte man sowas ruhig mal machen, zwei mal neun Stunden Busfahrt in 24 Stunden ist aber schon nicht ohne.

Noch ein paar Bilder: