Atlas Delmenhorst – SC Spelle-Venhaus 10:11 n.E., Sa. 27.07.19

Atlas Delmenhorst, da war doch was? Richtig, beim heutigen Heimverein handelt es sich um unseren Pokalgegner. Und so lässt sich im Grunde auch der Besuch erklären. Seit ich so ziemlich alle Werder-Spiele mitnehme, bedeutete die erste DFB-Pokalrunde immer ein neues Stadion (seit Ahlen alle Erstrundenpartien mitgenommen). Selbst beim Würzburg-Spiel hat es mit der spontanen Verlegung nach Offenbach damals geklappt. Wer die Medienberichte der letzten Wochen verfolgt hat, wird schnell merken, dass diese Serie dieses Jahr reißen wird. Schuld daran ist natürlich der DFB. Die Auflagen an Stadien in der ersten Pokalrunde sind mittlerweile so hoch, dass eigentlich kaum noch ein unterklassiger Verein zu Hause spielen kann. Das beginnt bei den Flächen für die Fernsehproduktion und endet bei abstrusen Regeln für die Mindestgröße von Kabinen. Da Oldenburg als Austragungsort ausfiel, blieb für das DFB-Pokalspiel eigentlich nur das Weserstadion. Das Delmenhorster Stadion an der Düsternortstraße wollte natürlich trotzdem irgendwie gemacht werden. Außerdem wollte ich mir selber mal ein Bild der Delmenhorster Fanszene machen. Man hat ja schon in vielen Berichten von Fans in Thor Steinar Klamotten und ähnlichem gelesen.

Auf dem Weg zum Werder-Testturnier nach Lohne entstand also spontan die Idee, nach unserem heutigen Werder II-Spiel gegen Lüneburg weiter nach Delmenhorst zu fahren, wo Atlas im Niedersachsenpokal am Abend auf Spelle-Venhaus treffen sollte. Die Tage vor dem Spiel wurde viel spekuliert, was uns denn heute erwarten würde. Würde es wirklich so scheiße, wie viele berichtet hatten? Treten dort Nazis ganz offen auf? Am Tag selbst ging es also direkt von Platz 11 zum Hauptbahnhof und von dort mit der Regio-S-Bahn weiter nach Delmenhorst. Während wir neutral gekleidet aber vorbereitet waren, was Bus zum Stadion etc. anging, traf man am Busbahnhof Delmenhorst direkt die ersten Werderaner*innen, die sofort durch Unwissenheit und dumme Fragen auffielen. Ich finde sowas ja irgendwie ein wenig respektlos gegenüber dem Heimverein, wenn man sich vorab nicht mal informiert, wie man denn zum Stadion kommt. Nachdem wir also ohne Probleme unseren Bus fanden und die paar Stationen bis zum Umfeld des Stadions fuhren, bot sich dort bereits unser erstes „Highlight“. In der Vereinskneipe von Atlas hockte ein wild zusammengemixter Haufen Personen, u.a. mit Deutschland-Fischerhüten und Klamotten der Marke Brachial. Was es damit auf sich hat, fassen die Jungs und Mädels von “Runter von der Matte” hier gut zusammen. Passend dazu wurde in dem Moment die Bedienung gefragt, ob das und das (ich habe wirklich nicht mitbekommen, was es konkret war) auch wirklich deutsch sei und über die Frage erstmal herzhaft gelacht. Wo sind wir hier gelandet?! Das Stadion selbst liegt umgeben von zahlreichen weiteren Sportplätzen auf einem wirklich netten Gelände, so dass sich die Zeit bis Anpfiff ein wenig auf den umliegenden Rasenplätzen liegend gesonnt wurde. Nur unterbrochen von einem kurzen Toilettengang. Wieso ich das erwähne? Brav der Beschilderung zur Herrentoilette gefolgt, stand ich plötzlich umgeben von Gästespielern beim Pinkeln. War wohl doch nicht die offizielle Toilette für Zuschauer*innen. Die Spieler nahmen es jedenfalls mit Humor und so habe ich auf dem Rückweg zumindest noch ein, zwei Worte der Kabinenansprache mitbekommen.

Das Stadion an der Düsternortstraße gefällt mir richtig, richtig gut. Neben einer überdachten, reinen Sitzplatztribüne gibt es große fast unausgebaute Kurven, in denen Bäume schön Schatten spenden und nur einzelne Naturstufen zum Hinsetzen bis Anpfiff einladen. Also auf den ersten Blick hätte man mit ein bisschen Arbeit hier auch ein Pokalspiel austragen können. Wie gerne hätte ich mit den anderen Grün-Weißen einen Teil der überdachten Sitzplatztribüne eingenommen und von da lauthals gesungen. So blieb das heute dem sogenannten Block H vorbehalten. Unter diesem Namen firmiert die aktive Szene in Delmenhorst. Neben bereits erwähnter Person mit Brachial Shirt liefen hier auch mehrere Personen mit Yakuza– und Onkelz-Shirts inkl. Wikinger-Tätowierungen bzw. sonstigen Symbolen der nordischen Mythologie rum. Also im Grunde jede Menge Leute, die wir bei uns im Weserstadion ganz sicher nicht haben wollen. Passend dazu pflegt man wohl in Delmenhorst Kontakte zu den Farge Ultras und auch einzelne Werder- und RWE-Hools lassen sich hier wohl öfter mal blicken. Einfach eine sympathische Fanszene, NICHT! Um das Klischee zu erfüllen, lief als Halbzeitmusik Terpentin der Onkelz und bereits vor dem Spiel verkaufte man DFB-Pokal-Freundschaftsschals unter dem Motto „Auf gute Freunde“. Der Onkelz-Slogan ist dabei nach der Halbzeitmusik sicher kein Zufall. Ich bin wirklich mal gespannt, was uns da beim Pokalspiel gegen Delmenhorst im August im Weserstadion erwartet.

Was gibt es zum Spiel zu sagen? Spielerisch war die meiste Zeit kein wirklicher Favorit auszumachen. Nicht weiter verwunderlich, spielen doch beide Teams auch zusammen in der Oberliga Niedersachsen. Die frühe Führung der Speller wurde mit zahlreichen wüsten Pöbeleien seitens Block H beantwortet. Aber auch die Spieler von Atlas zeigten relativ schnell eine Antwort und konnten ausgleichen. Trotz einzelner guter Chancen wurde der Großteil des Spiels dann doch mit anderen anwesenden Werderaner*innen verquatscht oder die Personen in Block H ein wenig unter die Lupe genommen. Während wir aufgrund anderer noch vorhandener Abendplanungen an diesem Samstag schon zur 75. Minuten das Spiel beim Stande von 1:1 verließen, muss im Anschluss wohl noch einiges geboten worden sein. Am Ende ging es noch bis ins Elfmeterschießen und auch dort zog es sich ein wenig. Nach insgesamt 10 Schützen hieß der Sieger Spelle mit einem 11:10 n.E.. Kommende Saison wird es also ganz sicher kein Pokalspiel Delmenhorst-Werder geben.

Was bleibt am Ende festzuhalten? Die Fanszene in Delmenhorst ist wirklich nicht gerade sympathisch. Dass wir heute keine Thor-Steinar-Träger getroffen haben, darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die dortige Fanszene mindestens mal rechtsoffen ist. Auch sonst fiel man in erster Linie durch stumpfen Support und diskriminierender Scheiße bei vermeintlich falschen Entscheidungen des Schiris auf. Also einfach eine Fanszene, die wirklich niemand braucht!

Babelsberg 03 – SC Freiburg 0:4, Sa. 20.08.16

Babelsberg im Pokal dabei und nicht am selben Tag wie Werder? Kann man mal machen! Für mich war dieses Spiel allerdings etwas ungewohnt, da der Gegner Sportclub Freiburg hieß und das gleichzeitig für mich bedeutete, nach mehreren Besuchen auf Heimseite des Karl-Liebknecht-Stadions heute mal den Gästeblock kennenzulernen. Bereits im Vorverkauf deckten ich mich wie auch etwa 800 Südbadener mit einer Karte fürs Spiel ein, so dass der Vormittag noch dazu genutzt werden konnte, ein paar Dinge zu Hause zu erledigen. Erst etwa 2 Stunden vor dem Spiel ging es dann mit der S-Bahn nach Potsdam. Dort angekommen erstmal etwas überrascht, dass auch NBU die selbe Bahn gewählt hatte. Diese wurden von der Polizei zunächst auf direktem Wege Richtung der Kreuzung gelotst, wo sich vor jedem Heimspiel jede Menge Babelsberger treffen. Fand ich etwas komisch die Taktik, die Babelsberger wohl auch nicht so gut. Als ich mich vor der Gruppe rund um NBU abseilte und zunächst Richtung Heimeingang ging, zogen sich jedenfalls mehrere Babelsberger Jacken über. Merkte dann wohl auch die Polizei und so wurde der Freiburger Haufen dann doch sofort links parallel zur Karl-Liebknecht-Straße geführt. Ich traf mich lieber noch mit ein paar Freiburgern direkt vorm Stadion. Etwa 45 Minuten vor Anpfiff ging es dann auch zum Einlass, da nach einer vorherigen Ansage, dass alle Taschen, Karabiner etc verboten wären, schwer einzuschätzen war, wie gründlich die Kontrollen sein würden. Ist natürlich auch klar, Babelsberg gegen Freiburg, Hochrisikospiel! Am Ende waren die Kontrollen dann doch sehr entspannt.

Im Stadion schon lange Schlangen vor den Getränke- und Essensständen, was sich leider auch während des Spiels nicht änderte. Teilweise warteten die Gäste 20 Minuten auf ihr Bier. Da helfen dann auch gegenüber der Bundesliga sehr faire Preise nicht. Der Block war für die Entfernung und dem Gegner ganz gut gefüllt. Insgesamt werden es vielleicht 1000 Freiburger gewesen sein, man merkte halt, dass es gleich kommende Woche in der Bundesliga schon wieder nach Berlin geht, nicht unbedingt ideal.

Die Stimmung zu Spielbeginn noch ein wenig verhalten, lag vielleicht auch am Spielverlauf. Babelsberg dominierte die ersten 15 Minuten nämlich quasi nach belieben, typisch erste Runde Pokal. Erst mit einem etwas glücklichen Elfmeter konnte dann die Führung der Gäste erzielt werden, was für deutlich bessere Stimmung im Gästeblock sorgte. Leider gab es teilweise doch recht große Lücken im Gästeblock und auch die Mitmachquote der normalen Zuschauer überzeugte nicht wirklich. Der aktive Teil zog dagegen sein Ding durch, gegen Ende wirkte es dann auch mal wie ein kleiner Rausch 😉 Während des Spiels war aber auch immer wieder die Heimseite zu hören, die zu Beginn mit erstaunlich hoher Mitmachquote ihr Team unterstützte und mit den Toren der Freiburger dann ein wenig auf Trotzreaktion umstellten und weiter gut abgingen. Allgemein ist die Stimmung auf beiden Seiten halt schwer zu beurteilen, beide Blocke bis auf kleinen Puffer direkt nebeneinander und kein Dach.

Während die Freiburger nach Abpfiff wohl teilweise nicht mal zum S-Bahnhof Babelsberg durften, ging es für mich direkt mit Abpfiff raus, da ich mich noch mit jemandem auf Heimseite auf ein Bier treffen wollte. Klappte dann auch super und ich konnte direkt die erste Querstraße durch die Absperrungen Richtung Heimseite gehen. Einzig negativer Punkt des Tages war dann, dass ich vor lauter Planung des Treffens nach Spiel meine Jacke am Wellenbrecher im Stadion hängen lassen habe, blöd gelaufen!

 

Lichtenberg 47 – Tennis Borussia Berlin 2:0, Sa. 14.11.15

Mal wieder bundesligafreies Wochenende aufgrund der Länderspielpause, was also machen? Für die Spiele Lübeck-Kiel, Chemie Leipzig-Rapid Chemnitz (was aufgrund rassistischer Vorfälle vorab gar nicht erst angepfiffen wurde) und Strausberg-Babelsberg ließ sich niemand so richtig begeistern, also blieb nur Tennis Borussia Berlin auswärts im Berliner Pokal bei Lichtenberg 47. Da viele meiner berliner Freunde fast schon regelmäßig in der dortigen HOWOGE Arena “Hans Zoschke” anzutreffen sind, sollte die Chance genutzt werden, mit TeBe dieses Stadion auch mal zu besuchen.

Vorab veröffentlichte TeBe auf der Homepage einen Treffpunkt am U-Bahnhof Frankfurter Allee, an dem sich gegen 12 Uhr etwa 20 bis 30 Leute einfanden. Die Weiterfahrt von dort wurde aufgrund der eisigen Temperaturen noch ein wenig verschoben, so dass man sich erst etwa 30 Minuten vor Anpfiff an der HOWOGE Arena zwischen Hochhäusern und Stasiarchiv einfand. Bei der HOWOGE handelt es sich um eine Wohnungsbaugesellschaft, beim Blick rund um das Stadion also nicht weiter verwunderlich, dass das Stadion eines Fünftligisten einen solchen Stadionnamen trägt. Von außen ist das Stadion kaum erkennbar, da es sich hinter einer kleinen Erhebung befindet, die durch die Bäume rundrum eher nach Park aussieht. Positiv zu erwähnen ist eine Schale Bonbons am Kassenhäuschen, negativ dagegen eine Wanne direkt vorm Gästeeingang und 2 weitere neben dem Vereinsheim, braucht es sowas wirklich bei einem Pokalspiel zweier Fünftligisten? Im weiten Rund dann viele alte, teilweise unbefestigte Stehtribünen und eine Tribüne mit Sitzschalen gegenüber des Gästeblocks. Direkt neben dem Gästeeingang steht eine klassische händisch bediente Anzeigetafel. Die gegenüberliegende Hintertortribüne wird durch den Zugang zum Vereinsheim unterbrochen, hat ein wenig was von VIP-Loge, sich ins Vereinsheim zu setzen und von da freien Blick auf den Platz zu haben (wenn auch der Blickwinkel sicher nicht der beste ist).

Der Gästeblock erstreckte sich heute übrigens quasi übers halbe Stadion und war durch Absperrband vom Rest des Stadions abgetrennt. Ziemlich lächerlich fand ich dagegen die Ordner an eben diesen Absperrbändern, die einem den Weg auf die andere Seite für ein kurzes Foto erst nach längerer Diskussion erlaubten. Insgesamt werden wohl etwa die Hälfte der zahlenden Zuschauer TeBeler gewesen sein, die sich im gesamten Gästeblock verteilten. Neben den üblichen Zaunfahnen rund um TeBe Party Army hingen auch links und rechts von dieser je eine Frankreich-Fahne als Solidaritätsbekundung nach den schlimmen Anschlägen in Paris am Abend zuvor. Aus diesem Grund gab es vor Anpfiff ebenfalls eine Schweigeminute. Im Block war das ganze mal wieder TeBe-typisch, ab und zu mal der ein oder andere humorvolle Gesang, sonst aber wenig.

Auf dem Platz ein eher durchwachsenes Spiel. TeBe erkämpfte sich zwar in Halbzeit eins deutlich mehr Chancen, allerdings hob der Linienrichter auf der dem Gästeblock gegenüberliegenden Seite bei wirklich jedem Angriff die Fahne, ihm war wohl ziemlich kalt. Kann man ja nach den letzten warmen Tagen durchaus verstehen, dem Spielfluss hilft so etwas aber nicht und wenn es dann noch falsche Entscheidungen sind. Dank des Linienrichters blieb es dann wohl auch beim 0:0 zur Halbzeit. In der zweiten Halbzeit dann ein komplett anderes Spiel. Diesmal Lichtenberg deutlich aktiver und mit vielen Chancen. Lag vielleicht auch an dem Tor, scheinbar gehen hier immer alle Angriffe auf das Tor auf Seite des Gästeblocks, egal wer auf dieses schießt. Der Linienrichter ließ diesmal jedenfalls seine Fahne dauerhaft unten, so dass der TeBe-Torwart das ein oder andere Mal eingreifen musste. TeBe selbst kam zunächst nur noch zu Entlastungsangriffen und wurde erst die letzten 15 bis 20 Minuten noch einmal etwas aktiver. Als sich schon alle auf eine Verlängerung eingestellt hatten, erzielte Lichtenberg in der 91. und 95. Minute der regulären Spielzeit die Treffer zum 1:0 und 2:0. Auf die gesamten 90 Minuten bezogen eine unnötige Niederlage und somit mal wieder kein DFB-Pokal-Spiel im Mommsenstadion in der kommenden Saison.