1. FC Magdeburg – SV Waldhof Mannheim 1:1, Mi. 31.07.19

Ergebnis: 1:1
Liga: 3. Liga
Stadion: MDCC-Arena
ZuschauerInnen: 14661
Datum: Mi. 31.07.19

Wer das Datum im Nachgang im Kalender nachschlägt, wird schnell feststellen, dass es sich um eines der ungeliebten Spiele unter der Woche handelt. Wenn man selbst aber mehr als genug Überstunden auf dem Zeitkonto hat und sich sogar noch eine Rückfahrtoption aus Magdeburg am Mittwochabend ergibt, nimmt man solche Spiele doch gerne mit. Vor allem, weil mit Magdeburg eine sehr interessante Fanszene schon länger auf meiner Liste stand. Letzte Saison mit St. Pauli musste ich leider krankheitsbedingt am Spieltag noch absagen. Heute also gegen Mannheim als neutraler Zuschauer. Online konnte sich vorab ein Ticket für den Nichtraucherblock direkt neben dem gesperrten Heimbereich gesichert werden. Gesperrter Heimbereich? Wer jetzt an Verbandsstrafen denkt, liegt ausnahmsweise Mal nicht richtig. Die fleißige Hüpferei ist das Problem. Oder Bauingenieure, die, wie ich selbst auch, eher schlecht in Statik waren. Beim Neubau der MDCC-Arena wurde jedenfalls nicht in Betracht gezogen, dass man in Magdeburg gerne auch mal geschlossen hüpft. Welche Auswirkungen das auf eine Tribüne haben kann, mussten die Verantwortlichen schnell feststellen. Die Sommerpause bis in den Herbst hinein wird die gesamte Heimkurve nun also renoviert und ist aktuell gesperrt. Hat zur Folge, dass Block U sich aktuell im Sitzbereich neben dem Gästeblock breit macht und für eine interessante Konstellation mit direkter Nähe zu den Gästen sorgt. Bedeutet aber auch wieder für mich beste Sicht auf die Heimkurve und zumindest ein eingeschränkter Blick auf den Gästeblock. Zunächst muss man aber natürlich erst einmal nach Magdeburg kommen. Hin gibt es glücklicherweise auch unter der Woche eine Direktverbindung in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt. Da ja allseits bekannt sein sollte, dass man in Magdeburg von Hopper*innen nicht sonderlich viel hält, hieß es heute auch unauffällig verhalten. Was da teilweise an Gestalten rum lief, war wirklich nicht feierlich. Das Klischee von sehr sportlichen jungen Kerlen mit Hooligantätowierungen wurde jedenfalls schon am Bahnhof bestätigt. Aufgrund der Sperrung der Straßenbahnhaltestellen direkt am Hauptbahnhof musste erstmal der neue Abfahrtsort gefunden werden, um anschließend mit vielen Blau-Weißen in Richtung Stadion zu fahren. Schon hier fiel auf, dass in Magdeburg so ziemlich jede*r entweder mit Trikot oder Schal ins Stadion geht. Dieses ohne Fankleidung, wie es bei uns häufig zu sehen ist, gibt es dort nach meinem Eindruck quasi nicht. Entsprechend fiel ich auch im Stadion ohne Fanartikel doch deutlich auf. Ebenso ungewohnt, aus diversen Berichten und von Fotos aber schon bekannt, dass einfach das gesamte Stadion bei Liedern dauerhaft mitsingt und auch auf den Sitzplätzen 90 Minuten gestanden wird. Kein Vergleich zum Eventpublikum in der Bundesliga. Entsprechend schepperten die bekannten Magdeburger Gesänge auch im Sitzbereich der Gegentribüne. Optisch fiel die aktive Magdeburger Szene in erster Linie durch die große Block U Zaunfahne und sehr häufigen Schaleinsatz auf. Was bei uns schon bei einfachen Schalschwenkereien bei Wechselgesängen scheitert, klappt hier in Perfektion. Schwenker wurden nur sehr wenige genutzt. Was mir ja persönlich gar nicht zusagt und ich ehrlich gesagt zu mackerhaft und peinlich finde, sind diese Momente, wenn sich plötzlich der gesamte Block der aktiven Szene ab Minute 70 seines Shirts entledigt und Oberkörper frei rum hüpft. Ansonsten gefiel mir der Support wirklich super und die Gäste aus Mannheim, die mit vielleicht 400 Leuten den weiten Weg auf sich nahmen, konnten sich nur nach der Führung und in der Halbzeitpause kurz Gehör verschaffen. Jegliche weiteren Versuche, Gesänge anzustimmen, wurden sofort mit viel Pöbel seitens Magdeburg niedergesungen. Magdeburg zeigte zu Beginn noch längere Zeit ein Spruchband mit der Forderung nach Absetzung des Stadionsprechers. Hintergründe kenne ich nicht. Viel nerviger als den Stadionsprecher fand ich aber die ständigen Werbefilmchen bei Ecken, Spielständen etc.. Sportlich hatte das Spiel dafür nicht sonderlich viel zu bieten. Mannheim machte eigentlich das Spiel. Das erste Tor erzielte dennoch die Heimmannschaft etwas überraschend. Quasi mit dem Halbzeitpfiff glichen die Gäste zum 1:1 aus. Die zweite Hälfte hatte dagegen nicht mehr so viel zu bieten. Am Ende ein verdientes 1:1, ich glücklich, zumindest zwei Tore gesehen zu haben und die Rückfahrt klappte auch besser als gedacht, so dass ich früh morgens am Donnerstag auch wieder in Bremen war.