FC St. Pauli – Hamburger SV 2:0, Mo. 16.09.19

Wenn ich ja ganz ehrlich bin, bin ich ganz froh, dass der HSV ein weiteres Jahr zweitklassig spielt. Ebenso froh war ich über die Terminierung des Hamburger Stadtderbys auf einen Montag. So scheiße Montagsspiele sind, ermöglichte der Termin doch Union-Werder und St. Pauli-HSV mitzunehmen. In den Wochen zuvor hatte ich nämlich fest damit gerechnet, dass bei meinem Glück wahrscheinlich beide Spiele auf den selben Tag gelegt werden. Als dann die Terminierung stand, schnell für Montag und Dienstag Urlaub genommen und so ging es zu dritt Montag Mittag bei einsetzendem Bremer Wetter mit dem Metronom nach Hamburg. Dort angekommen wurde zunächst der Fanladen beehrt, mussten die anderen beiden doch noch ihre Akkreditierungen abholen. Die anschließende Stärkung in Form von Falafel sollte natürlich bei Falafelstern erfolgen. Blöd nur, dass sich ausgerechnet Sternschanze der HSV-Mob am heutigen Tag ab 16 Uhr treffen und von dort zu Fuß zum Gästeblock laufen wollte. Da der Hunger entsprechend groß war und wir relativ neutral gekleidet waren, wurde dem Gästemob ein kurzer Besuch abgestattet. Was da an Gestalten rumlief, echt nicht feierlich. Ganz gut dafür das Essen, auch wenn es mir bei Zedern in (unserem) Viertel noch ‘ne Ecke besser schmeckt.

Nach der Stärkung noch ein wenig shoppen im Fanshop auf der Reeperbahn und dann auf das ein oder andere Bier ins Viertel und vor’s Jolly. Erschreckend fand ich die Polizeipräsenz am heutigen Tag. Flog der Hubschrauber eh schon den ganzen Tag über St. Pauli, gesellten sich später noch mehrere Wasserwerfer und ein Räumpanzer hinzu. Das ist schon noch ‘ne Nummer mehr als was sie so zu unseren Derbys gegen den HSV aufgefahren haben. Lustig dagegen die verdutzten Blicke, wenn erst Leute uns drei für Zivis halten, anschließend dann aber wer aus der Gruppe uns begrüßen kommt. Grüße an dieser Stelle an zahlreiche weitere Grün-Weiße und Babelsberger*innen, die wie viele andere Freund*innen der Braun-Weißen heute ebenfalls anwesend waren. Immer wieder erstaunlich, wie es Szenen schaffen, zu solchen Spielen so viele Karten für Freund*innen zu organisieren. Hat ja nicht jede*r ein eigenes Ticket wie wir drei.

Etwa eine Stunde vor Anpfiff ging es in’s zu diesem Zeitpunkt schon echt volle Millerntor. Per Flyer wurde auf die Choreo aufmerksam gemacht, welche zu Beginn auf der Süd gezeigt wurde. Diese bestand aus schwarzer Stoffbahn mit weißer Hand. Die Finger der Hand wurden dazu immer weniger und passend dazu wechselten die Spruchbänder vor der Süd von “Scheiß Montagsspiele” auf “Scheiß DFB” und schlussendlich auf “Scheiß Bullen”, während von der Hand nur noch der Mittelfinger übrig blieb. Als die Stoffbahnen unten waren, gab es zahlreiche Doppelhalter mit St. Pauli Wappen und bunte Luftballons in der Süd. Gut im TV-Bild zu sehen waren zudem zwei große Kotzsmilies mittig auf der Gegengeraden. Und auch die Nord positionierte sich mit einer “Hamburg ist braun-weiß” Choreo. Supportmäßig kam das heute gefühlt schon noch ‘ne Ecke lauter als sonst, auch wenn mir zu oft die Gegengerade Gesänge der Süd mit anderen Gesängen unterbrach. Neben der großen Ultras-Blockfahne in der Süd wurde anschließend ein wahres Feuerwerk abgeschossen. Auf anschließenden Fotos sah das schon echt stark aus. Ebenso, wie einfach manche Personen gefühlt drei Viertel des Spiels vermummt im Block stehen oder auf dem Zaun sitzen. Grüße an den HSV gab es auch in Form eines “Antirassismus? Nazi-Freunde und Jargon!! Verlogenes Dreckspack!!” Spruchbandes. Ebenso positionierte sich die Gegengerade zu den Fotos zahlreicher Deutschlandfahnen im Ballsaal rund um das Länderspiel vor einer Woche. Auch der Spielverlauf trug natürlich zu einer ausgelassenen Stimmung bei. Spielte auf dem Papier doch der Tabellen-14. gegen den Zweiten. Davon merkte man zeitweise wirklich gar nichts. Bereits nach 18 Minuten hieß es 1:0 für Braun-Weiß. Diamantakos verwandelte einen zunächst abgewehrten Ball per Flugkopfball zum 1:0. Erstes Mal völliges Durchdrehen in der Süd. Bis zur endgültigen Entscheidung dauerte es dann aber noch ein wenig. In der 63. Minute lenkt van Drongelen einen flach vor’s Tor gebrachten Freistoß von Møller Dæhli in’s eigene Tor. Wie schnell danach einige Fackeln angingen. Auch nach dem Abpfiff sofort zahlreiche Personen mit Fackeln auf dem Zaun. Noch lange nach Abpfiff schallten laute Derbysieger-Gesänge durch’s Millerntor und auch das “Hamburg ist braun-weiß”-Banner fand schnell den Weg auf den Rasen. Einfach ein richtig geiles Spiel, das sich schwer in Worte fassen lässt!

Dass das sofortige Anreißen von Fackeln nicht immer ideal ist, zeigte zwischendurch der HSV, als ein Tor des HSV wieder aberkannt wurde, weil der Ball bei der Flanke im aus gewesen sein soll. Immerhin war die Fackel schnell am Boden. Eingeleitet wurde die Partie im Gästeblock ebenfalls mit einer Choreo. Ein “Wir, die blau-weiß-schwarze Masse, stellen…” hinter dem Block wurde von einem großen “Hamburgs Arbeiterklasse”-Transpi mit drei natürlich männlichen Personen ergänzt. Einer davon trug dabei u.a. sogar dankenswerterweise direkt das Matefass, welches anschließend von Seiten der Castaways thematisiert wurde. Das “Im Vollsuff nach ‘nem Matefass, vergesst ihr Bremens Hamburg-Hass” zeigte jedenfalls wieder einmal, dass man beim HSV und dessen Szene wirklich nichts verstanden hat und auch die Kreativität von Jahr zu Jahr nachlässt. Entsprechend forderte uns das Spruchband allen wohl eher ein paar Lacher ab. Die weiteren Spruchbänder könnt ihr gerne den Fotos entnehmen. Ansonsten fielen auch die Gäste durch reichlich Feuerwerk und Fackeln auf. Letztere allerdings eher unter dem Motto “die müssen jetzt eh weg, gewinnen werden wir nicht mehr”. Richtig gefeiert wurde anschließend die Meldung in den Medien, dass einem HSV-Fan mit Fackeln und Feuerwerksbatterie im Beutel der Zutritt zum Stadion verwehrt wurde. Starker Typ! Und wir haben uns zwischendurch noch gefragt, wie man eigentlich so eine Feuerwerksbatterie in’s Stadion bekommt.

Was bleibt am Ende nach so einem Spiel festzuhalten? Natürlich nur eins:

Derbysieger!

Dynamo Dresden – FC St. Pauli 3:3, Sa. 31.08.19

Während es für die FC St. Pauli Fanszene heute mit einigen Freund*innen per Sonderzug in’s tiefste Sachsen ging, entschied ich mich aus finanziellen Gründen für den Fernverkehr der Deutschen Bahn. Dass Dresden nicht ganz so gut erreichbar ist, merkte man schnell bei den Abfahrtszeiten des Sonderzuges von 5 Uhr. Schlau wie ich selbst war, hatte ich bei meiner Verbindung natürlich nur geguckt, dass die Ankunftszeit und Umsteigedauer gut passt. Dass ich ebenfalls so früh wie der Sonderzug los durfte, merkte ich erst wenige Tage vor’m Spiel.

Bis Sachsen verlief die Fahrt für mich quasi ereignislos. Das Überfahren der sächsischen Landesgrenze konnte man schnell an den Wahlplakaten entlang der Straßen parallel der Zuggleise erkennen. Dabei lag es weniger an der Tatsache, dass dort Plakate hingen sondern viel mehr daran, dass hier sowohl AfD als auch NPD überall auf normaler Höhe an den Laternen hängen. Dieses Phänomen, diese aus Angst vor Entfernung bis nach ganz oben zu schieben, ist hier quasi nicht existent. Kein Wunder bei der Zielgruppe vor Ort. In Dresden selbst bedurfte es erstmal ein wenig Diskussion, überhaupt das Gleis des einfahrenden Sonderzuges zu betreten. Überhaupt hatte die Polizei heute alles aufgefahren, was ging. So viele vermummte Polizist*innen inklusive einem Wasserwerfer habe ich lange nicht mehr gesehen. Nach Begrüßung der bekannten Werderaner*innen (es waren quasi von allen Gruppen, die die Kontakte pflegen Einzelpersonen und kleinere Gruppen im Sonderzug dabei) und St. Paulianer*innen ging es vom Hbf per Shuttlebus zum Stadion. Die Orga wirkte hier teilweise ein bisschen überfordert, standen doch nicht von Anfang an genug Busse für alle Zugfahrer*innen bereit. Ist natürlich auch schwer, vorab eine ungefähre Zahl der Zugfahrer*innen herauszubekommen.

Angekommen am Stadion wurde erst einmal wieder die Sonne genossen. Da die IC-Gruppenfahrt des Fanladens dank der Deutschen Bahn kurzfristig am Morgen ausfallen musste, mussten die Reisenden dort auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Entsprechend lange dauerte es und da eine unserer Karten noch auf diesem Wege unterwegs war, verzögerte sich der Einlass für uns ein wenig. Erst gegen 12:45 betraten wir den komplett vollen Stehblock. Links und rechts vom Gästeblock wurde man bereits seitens Dynamo mit Deutschland-Fahnenbahnen begrüßt. Sehr kreativ die Sachsen wieder einmal. Zum Einlaufen der Mannschaft gab es im Gästeblock schwarze Pappen und dazu ein FC St. Pauli-Logo im unteren Drittel des Blocks. Im Anschluss wie auch während des gesamten Spiels wurden die Provokationen der Dynamos mit lauten “Nie wieder Deutschland”-Rufen beantwortet. Wie gern Dynamo den FC St. Pauli hat, zeigen die Gelb-Schwarzen ja schon seit Jahren in Form überaus peinlicher Spruchbänder. In der Hinsicht sollte das heutige Spiel keine Ausnahme sein. Was dort schief gelaufen sein muss, dass man so eine diskriminierende Scheiße überhaupt noch auf Rolle pinselt, ist mir ein Rätsel. So extrem trans- und homophobe Spruchbänder wären mir ja in erster Linie mal überaus peinlich. Dass die Uhren in Sachsen aber anders ticken, konnte man heute eben wieder sehen. Die Spruchbänder der Heimseite in der Übersicht:

“Transgenderwahn ohne Grenze, schaut man in den Gästeblock, sieht man keine Schwänze”

“Freitags beim Hamburger Frauenarzt: sterilisation for future!”

“Statt Nachtschicht auf der Reeperbahn mit St. Pauli auswärts fahren? USP Fotzen an die Stange”

“Bahnhofspunks mischen sich mit Femen Nutten. Willkommen am Millerntor – Hamburgs räudigster Schuppen!”

“”Papa, wo ist das Teil zum Kartoffeln schälen?” “Die steht heute im Gästeblock!””

“Schluss mit den Küchen-Witzen gegen USP-Frauen. Stoppt Sexismus am Arbeitsplatz!”

Einzig halbwegs normal war da schon das Spruchband rund um die VIP-Ticket Affäre am Millerntor:

“Ganz Hamburg hasst die Polizei? Bei St. Pauli für lau im VIP dabei: Andy Grote bleibt einer von euch!”

Dass Dresden es halt auch nicht mal checkt, dass sich bei St. Pauli selbst kein Mensch davon angegriffen oder provoziert fühlt. Wieso wir uns alle aufregen ist viel mehr die Tatsache, dass dort z.B. LGBTQ*-Personen auf’s übelste beleidigt werden. Einfach ein peinlicher Haufen.

Bei den ersten Spruchbändern zeigte sich immerhin noch so etwas wie Karma. Noch während Spruchband 1 fiel das 1:0 für Braun-Weiß, kurz nach dem zweiten das 2:0. Danach klappte es leider nur noch eingeschränkt mit den Gegentoren pro peinlichem Spruchband. Zwar fiel noch ein drittes Tor, der Block war am Feiern und das Spiel schien entschieden, wer den Titel des Spielberichts aber gelesen hat, wird feststellen, dass es so einfach eben nicht im Fußball ist. Man, hat sich der magische FC da teilweise wieder angestellt, klare Chancen vergeben und sich so dumm auskontern lassen. Nach dem Kiel Spiel hatte ich echt die Hoffnung, dass man endlich richtig in die Saison gestartet ist. Trotz Überzahl in der zweiten Hälfte (rote Karte nach Videobeweis) fing man sich nach einem 3:0 bis Abpfiff noch ein 3:3. So unnötig! Trotz des Spielverlaufs gefiel mir der Support heute im Gästeblock insgesamt echt gut. Die Lieder wurden meiner Meinung nach gut getragen und auf die Provokationen seitens der Heimseite wenn nur eben mit lautem “Nie wieder Deutschland” geantwortet. Nach dem Spiel gab es noch einige wilde Pantomime der Heimfans an der Plexiglasscheibe. Wenn du da kleine Kinder siehst, die neben ihrem Vater in Yakuza-Klamotten rumspringen, kriegst du schon echt Mitleid. Wie soll aus so Kindern was werden?! Richtig eklig auch Teile des Ordnungsdienstes (ohne die orangenen Westen) im Gästesitz. Ein Foto findet ihr bei der Fanhilfe:

Im Gästeblock solidarisierte man sich noch per Tapete mit den von Polizeigewalt betroffenen in Exarchia: “Aux armes exarchia!”

Nach dem Spiel dauerte es leider ewig, bis mal die Shuttlebusse zum Bahnhof kamen. Ich habe ja Verständnis dafür, dass man den Haufen Gästefans nicht frühzeitig am Bahnhof haben will, wenn der Sonderzug erst 2 Stunden nach Abpfiff fährt. Es soll aber eben auch noch andere Zugreisende geben. Eine Stunde nach Abpfiff wurde dann doch endlich mal zum Hbf geshuttlet. Als neutral gekleidete Person durfte ich sogar zu meinem Zug. An der DB Information wurde mein Bild von Sachsen davor aber noch einmal bestätigt. Meinte doch tatsächlich ein Kunde, der Dame an der Information an den Kopf zu werfen, dass man “sie alle erschießen sollte” (weil er wegen des Sonderzuges nicht an seinen Bahnsteig kam). Als ich mir den Typen zur Brust nehmen wollte, wurde mir ebenfalls die Erschießung gewünscht. Aber hallo! Auch in den Geschäften am Hbf wurde ich allen ernstes 2x mit einem richtig fiesen Unterton gefragt, ob ich Wessi wäre. Ich dachte bisher echt, das wäre ein reines Dynamo Ding. Aber scheinbar ist dort in der Stadt allgemein was im Wasser.

Rückfahrt dann mit Verspätung meines geplanten Zuges, die Alternative haute ab Leipzig nicht hin und so war ich am Ende auch nicht früher als der Sonderzug zu Hause. Passte irgendwie zu dem Tag.

Scheiß Dynamo! Nie wieder Deutschland!

Waldhof Mannheim – MSV Duisburg 4:3, So. 25.08.19

Da Hoffenheim auswärts wirklich keins meiner Lieblingsspiele ist, wurde bereits bei Terminierung geguckt, mit was sich ein Ausflug nach Sinsheim verbinden lassen würde. Schnell kristallisierte sich Mannheim als Ziel heraus. Das Carl-Benz-Stadion fehlte mir eh noch nach dem Aufstieg von Waldhof in Liga 3 und ebenso lag die Stadt quasi auf dem Rückweg von Sinsheim. Gegner des SV Waldhof sollte einen Tag nach unserer unglücklichen Niederlage gegen die TSG heute der MSV Duisburg sein, quasi Aufsteiger gegen Absteiger in die dritte Liga. Beide Vereine vorab eher schwer einzuschätzen, obwohl ich Mannheim sogar schon diese Saison in Magdeburg gesehen hatte. Damals zeigte ein kompakt stehender Mannheim-Block für ein Mittwoch-Abend-Spiel eine gar nicht so schlechte Leistung, auch wenn man gegen Magdeburg kaum zu hören war. Waren mir die Mannheimer*innen aus Magdeburg also durchaus positiv in Erinnerung, wirkte das beim Heimspiel schon anders. Wenn bereits in der Straßenbahn zum Stadion der ganze Waggon ein „Lautern, ihr Zigeuner“ anstimmt, man sich gegenseitig als „Fotze“ tituliert und es auch nicht lange bis zu den ersten homophoben Äußerungen dauert, fragt man sich schon, was so eine Fanszene in Liga 3 zu suchen hat. Klar, Lautern ist wohl schon aufgrund der geographischen Nähe der Hauptfeind und klar auch, steht bereits nächsten Sonntag für Mannheim das Derby gegen Lautern an. Rassistische, sexistische und homophobe Scheiße sollte aber nie Teil der Fankultur sein! 

Spätestens jetzt waren meine Sympathien jedenfalls klar auf Seiten des MSV. Die Karte in einer der ersten Reihen der Gegentribüne konnten bereits vorab online erworben werden. Trotz frühzeitiger Buchung blieb allerdings nur die Option Print@home. Das 1994 eröffnete Carl-Benz-Stadion fasst maximal knapp 24.000 Personen. Mit einer Zahl von 12169 war es heute allerdings gerade mal zur Hälfte gefüllt. Die gegenüberliegende Haupttribüne blieb fast komplett leer. Gut gefüllt wirkte nur der komplett volle Gästeblock auf der vom Rest des Stadions getrennten Hintertortribüne und die Otto Siffling Tribüne, wo sich hinter einer großen „Ultras Mannheim“-Zaunfahne die Heimszene positionierte. Diese steht seit einiger Zeit wieder im Zentrum der Tribüne, nachdem sie in Folge der Vorfälle rund um das Aufstiegsspiel gegen Uerdingen im Jahr zuvor die Selbstverwaltung aufgeben musste und in die Randblöcke der Tribüne verdrängt wurde. Bei den Gästen waren am komplett beflaggten Zaun u.a. auch die Freund*innen des Q-Blocks Mainz (Freundschaft Kohorte mit der USM) mit einem kleinen Lappen erkennbar. Ins Spiel startete der Gästeblock mit viel und sehr dichtem blauen Rauch. Das machte schon ordentlich was her. Auch während des Spiels wirkte das von MSV-Seite sehr laut und geschlossen. Supporttechnisch war es heute kein leichtes Spiel, lagen die Gäste doch bereits nach 26 Minuten schon mit 0:2 gegen den in der Tabelle hinter ihnen stehenden SVW (ja, das musste jetzt mal sein, irritierte mich auch das ganze Spiel) zurück. Der Anschlusstreffer der Duisburger dann sehr kurios. Einer der Waldhof-Spieler passt zurück zu seinem Torwart, der will dem Ball entgegenkommen, knickt dabei um und bleibt verletzt liegen. Der Duisburger Spieler nutzt die Chance, schnappt sich den Ball und versenkt im Tor. Kam so direkt vor der Heimkurve eher weniger gut an und schnell war die ein oder andere sportliche Person wild pöbelnd auf dem Zaun. Nur kurz nach Einwechslung des Ersatztorwarts fiel auch der Ausgleich zum 2:2. Als Duisburg in der 59. Minute dann sogar das Spiel zum 2:3 drehte, pure Euphorie im Gästeblock. Das Ausbreiten eines „Spitzenreiter“-Banners auf dem Zaun dauerte dann aber bestimmt 4 Minuten bis man feststellte, dass es alleine nicht klappt, 2 Personen aber auch nicht reichen und schlussendlich 3 Personen auf dem Zaun waren. Passend zur etwas unglücklichen Situation auf dem Zaun in der Folge auch der Spielverlauf. Innerhalb von 5 Minuten drehte Waldhof ab der 70. Minute das Spiel wieder und gewann schlussendlich mit 4:3, was zur Folge hatte, dass Duisburg auf Platz 3 abrutschte und nun genau vor’m SV Waldhof steht. Die Heimszene fiel auch während des Spiels eher mit Anti-Gesängen gegen Lautern als mit spielbezogenem Support auf. Nach dem 2:0 und dem 4:3 wurde es natürlich auch dort richtig laut und sah aus der Entfernung schon gut wild aus, so richtig überzeugt bin ich aber nicht vom Support. Ist vom Stil her doch komplett anders als bei uns. Freund*innen aus Frankfurt waren aufgrund des eigenen Spiels bei RB nicht anwesend. Da ich vor dem Spiel gewarnt wurde, dass man auch in Mannheim nicht sonderlich auf Hopper*innen steht hierzu noch drei Sätze. Die Reihen neben und direkt vor mir bestanden quasi nur aus Hopper*innen. Lustigerweise outeten sich die beiden direkt neben mir aufgrund der Tätowierungen schnell als Werderaner.  Gruß an dieser Stelle!

SV Meppen – 1. FC Magdeburg 1:3, Sa. 03.08.19

Am Tag der Fans in Meppen? Ja, ihr lest richtig. Aber es sollte ja bekannt sein, wie wenig ich von dem Event Tag der Fans und des dadurch angezogenen Publikums halte. Da klang die Option Meppen deutlich reizvoller. Immerhin sprang hier neben der Chance, einen Berliner Kumpel mal wieder zu sehen, auch noch die Möglichkeit heraus, die Zahl fehlender Stadien in Liga 3 um eins zu reduzieren. Mein bisher einziges Meppenspiel war ein Derby in Oldenburg und die Meppener Fanszene ist mir eigentlich nur durch peinlichen Pöbel in Erinnerung geblieben. Mit dem IC ging es über Münster nach Meppen. Kurz vor Meppen verzögerte sich die Weiterfahrt ein wenig, wollte doch ein Großteil der Magdeburger Szene in Rheine zusteigen. Ich erwähnte ja bereits beim Magdeburg Heimspiel, wie unangenehm ich deren Szene teilweise finde. Am Ende benahmen sich die mit uns reisenden aber. Was man von den schon am Bahnhof wartenden weiteren Magdeburger*innen nicht sagen kann. Die Meppener Polizei sperrt den Bereich um den Bahnhof für Heimfans und lässt die Magdeburger*innen auf ihren Shuttlebus warten und denen fällt nichts besseres ein, als unter ihnen herlaufende Meppener*innen zu bespucken. Wirklich starke Typen seid ihr! Ebenso unsympathisch die Anwohner*innen in Meppen. Quasi auf dem gesamten Weg vom Bahnhof zum Stadion Tags wie „Nazikiez“, Aufkleber mit „Nationaler Aufbau“, „FCK ANTIFA“ u.ä.. Juckt hier aber anscheinend nur wenige. Ein paar „Seenotrettung ist kein Verbrechen“ und „Emsland nazifrei“ Kleber, die Meppener Fanszene stört sich wohl weniger an den rechten Spinner*innen. Anders lässt sich jedenfalls nicht erklären, wieso direkt neben Naziklebern Meppener Szenekleber kleben. Man muss sich ja nicht zwingend politisch links geben, Nazikleber überkleben sollte aber auch für eine Szene wie Meppen selbstverständlich sein. Gut gefallen hat mir dagegen das Stadion. Schöne Lage umgeben von Bäumen, bis auf die unüberdachte Hintertortribüne mit kleinem Heim- und Gästeblock wirklich Oldschool und kleinem Stehbereich über die gesamte Haupt- und Gegentribüne vor dem eigentlichen Sitzbereich hat schon was. Die alte Hintertortribüne und die Haupttribüne haben für mich was von Lübeck in cool. Lustig auch, dass hier Cateringleute mit Zapfanlage, 4 Fässern Bier und 2 Kästen Softdrinks vorne im Block stehen. Stimmungsmäßig erwartete ich von Meppen wirklich nichts, konnte entsprechend auch nicht enttäuscht werden. Da sich die Szene am anderen Ende der Gegentribüne positioniert, war sie für mich quasi gar nicht wahrnehmbar. Anders der Gästeblock, auf den wir von unserer Position einen guten Blick hatten. Was mir schon beim Heimspiel von Magdeburg auffiel, wurde hier wieder einmal bestätigt. Keinerlei Schwenker, dafür ständig mit Armen und Schal aktiv, wurde gefühlt über 80 der 90 Minuten geschlossen und laut gesungen. Man stelle sich mal vor, über dem Gästeblock befände sich ein Dach. Der Block wurde vorne mit dem großen Block U Banner beflaggt, seitlich fanden sich Fanclubfahnen u. a. aus Köln und Bremen. Beim bestimmt 5 Minuten gesungenen „Wir war’n noch niemals in Paris, wir war’n noch niemals in Madrid“ wippte sicher nicht nur ich gut mit. Spielerisch wurde heute mal wieder eher Magerkost geboten. Nach vielen unkontrollierten Angriffen landete der Ball irgendwann im Magdeburger Tor und die Heimseite feierte. In der Folge wurde es nicht wirklich besser und auch das 1:1 wirkte ähnlich glücklich. Richtig interessant wurde es eigentlich erst die letzten 10 Minuten. Wurde der Meppener Torwart vor dem Spiel noch mit eigener Zaunfahne geehrt, wollte man diese jetzt wohl nur noch verbrennen. Erst legte er sich einen locker haltbaren Ball von der Seite selbst rein, indem er ihn um 90° abgelenkt ins Tor bugsierte. Kurz darauf vertändelte er einen leicht erreichbaren Rückpass und der Magdeburger musste nur noch einnetzen. In der Folge Durchdrehen im Gästeblock, kamen die zwei Tore doch mehr als überraschend. Am Ende blieb es beim 1:3, auf dem Rückweg noch einmal ein paar Nazikleber besichtigt und entfernt, ging es zurück diesmal über Leer. Gegen 19:30 Uhr hatte ich dann auch wieder Bremer Boden unter den Füßen. 

1. FC Magdeburg – SV Waldhof Mannheim 1:1, Mi. 31.07.19

Wer das Datum im Nachgang im Kalender nachschlägt, wird schnell feststellen, dass es sich um eines der ungeliebten Spiele unter der Woche handelt. Wenn man selbst aber mehr als genug Überstunden auf dem Zeitkonto hat und sich sogar noch eine Rückfahrtoption aus Magdeburg am Mittwochabend ergibt, nimmt man solche Spiele doch gerne mit. Vor allem, weil mit Magdeburg eine sehr interessante Fanszene schon länger auf meiner Liste stand. Letzte Saison mit St. Pauli musste ich leider krankheitsbedingt am Spieltag noch absagen. Heute also gegen Mannheim als neutraler Zuschauer. Online konnte sich vorab ein Ticket für den Nichtraucherblock direkt neben dem gesperrten Heimbereich gesichert werden. Gesperrter Heimbereich? Wer jetzt an Verbandsstrafen denkt, liegt ausnahmsweise Mal nicht richtig. Die fleißige Hüpferei ist das Problem. Oder Bauingenieure, die, wie ich selbst auch, eher schlecht in Statik waren. Beim Neubau der MDCC-Arena wurde jedenfalls nicht in Betracht gezogen, dass man in Magdeburg gerne auch mal geschlossen hüpft. Welche Auswirkungen das auf eine Tribüne haben kann, mussten die Verantwortlichen schnell feststellen. Die Sommerpause bis in den Herbst hinein wird die gesamte Heimkurve nun also renoviert und ist aktuell gesperrt. Hat zur Folge, dass Block U sich aktuell im Sitzbereich neben dem Gästeblock breit macht und für eine interessante Konstellation mit direkter Nähe zu den Gästen sorgt. Bedeutet aber auch wieder für mich beste Sicht auf die Heimkurve und zumindest ein eingeschränkter Blick auf den Gästeblock. Zunächst muss man aber natürlich erst einmal nach Magdeburg kommen. Hin gibt es glücklicherweise auch unter der Woche eine Direktverbindung in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt. Da ja allseits bekannt sein sollte, dass man in Magdeburg von Hopper*innen nicht sonderlich viel hält, hieß es heute auch unauffällig verhalten. Was da teilweise an Gestalten rum lief, war wirklich nicht feierlich. Das Klischee von sehr sportlichen jungen Kerlen mit Hooligantätowierungen wurde jedenfalls schon am Bahnhof bestätigt. Aufgrund der Sperrung der Straßenbahnhaltestellen direkt am Hauptbahnhof musste erstmal der neue Abfahrtsort gefunden werden, um anschließend mit vielen Blau-Weißen in Richtung Stadion zu fahren. Schon hier fiel auf, dass in Magdeburg so ziemlich jede*r entweder mit Trikot oder Schal ins Stadion geht. Dieses ohne Fankleidung, wie es bei uns häufig zu sehen ist, gibt es dort nach meinem Eindruck quasi nicht. Entsprechend fiel ich auch im Stadion ohne Fanartikel doch deutlich auf. Ebenso ungewohnt, aus diversen Berichten und von Fotos aber schon bekannt, dass einfach das gesamte Stadion bei Liedern dauerhaft mitsingt und auch auf den Sitzplätzen 90 Minuten gestanden wird. Kein Vergleich zum Eventpublikum in der Bundesliga. Entsprechend schepperten die bekannten Magdeburger Gesänge auch im Sitzbereich der Gegentribüne. Optisch fiel die aktive Magdeburger Szene in erster Linie durch die große Block U Zaunfahne und sehr häufigen Schaleinsatz auf. Was bei uns schon bei einfachen Schalschwenkereien bei Wechselgesängen scheitert, klappt hier in Perfektion. Schwenker wurden nur sehr wenige genutzt. Was mir ja persönlich gar nicht zusagt und ich ehrlich gesagt zu mackerhaft und peinlich finde, sind diese Momente, wenn sich plötzlich der gesamte Block der aktiven Szene ab Minute 70 seines Shirts entledigt und Oberkörper frei rum hüpft. Ansonsten gefiel mir der Support wirklich super und die Gäste aus Mannheim, die mit vielleicht 400 Leuten den weiten Weg auf sich nahmen, konnten sich nur nach der Führung und in der Halbzeitpause kurz Gehör verschaffen. Jegliche weiteren Versuche, Gesänge anzustimmen, wurden sofort mit viel Pöbel seitens Magdeburg niedergesungen. Magdeburg zeigte zu Beginn noch längere Zeit ein Spruchband mit der Forderung nach Absetzung des Stadionsprechers. Hintergründe kenne ich nicht. Viel nerviger als den Stadionsprecher fand ich aber die ständigen Werbefilmchen bei Ecken, Spielständen etc.. Sportlich hatte das Spiel dafür nicht sonderlich viel zu bieten. Mannheim machte eigentlich das Spiel. Das erste Tor erzielte dennoch die Heimmannschaft etwas überraschend. Quasi mit dem Halbzeitpfiff glichen die Gäste zum 1:1 aus. Die zweite Hälfte hatte dagegen nicht mehr so viel zu bieten. Am Ende ein verdientes 1:1, ich glücklich, zumindest zwei Tore gesehen zu haben und die Rückfahrt klappte auch besser als gedacht, so dass ich früh morgens am Donnerstag auch wieder in Bremen war.

Atlas Delmenhorst – SC Spelle-Venhaus 10:11 n.E., Sa. 27.07.19

Atlas Delmenhorst, da war doch was? Richtig, beim heutigen Heimverein handelt es sich um unseren Pokalgegner. Und so lässt sich im Grunde auch der Besuch erklären. Seit ich so ziemlich alle Werder-Spiele mitnehme, bedeutete die erste DFB-Pokalrunde immer ein neues Stadion (seit Ahlen alle Erstrundenpartien mitgenommen). Selbst beim Würzburg-Spiel hat es mit der spontanen Verlegung nach Offenbach damals geklappt. Wer die Medienberichte der letzten Wochen verfolgt hat, wird schnell merken, dass diese Serie dieses Jahr reißen wird. Schuld daran ist natürlich der DFB. Die Auflagen an Stadien in der ersten Pokalrunde sind mittlerweile so hoch, dass eigentlich kaum noch ein unterklassiger Verein zu Hause spielen kann. Das beginnt bei den Flächen für die Fernsehproduktion und endet bei abstrusen Regeln für die Mindestgröße von Kabinen. Da Oldenburg als Austragungsort ausfiel, blieb für das DFB-Pokalspiel eigentlich nur das Weserstadion. Das Delmenhorster Stadion an der Düsternortstraße wollte natürlich trotzdem irgendwie gemacht werden. Außerdem wollte ich mir selber mal ein Bild der Delmenhorster Fanszene machen. Man hat ja schon in vielen Berichten von Fans in Thor Steinar Klamotten und ähnlichem gelesen.

Auf dem Weg zum Werder-Testturnier nach Lohne entstand also spontan die Idee, nach unserem heutigen Werder II-Spiel gegen Lüneburg weiter nach Delmenhorst zu fahren, wo Atlas im Niedersachsenpokal am Abend auf Spelle-Venhaus treffen sollte. Die Tage vor dem Spiel wurde viel spekuliert, was uns denn heute erwarten würde. Würde es wirklich so scheiße, wie viele berichtet hatten? Treten dort Nazis ganz offen auf? Am Tag selbst ging es also direkt von Platz 11 zum Hauptbahnhof und von dort mit der Regio-S-Bahn weiter nach Delmenhorst. Während wir neutral gekleidet aber vorbereitet waren, was Bus zum Stadion etc. anging, traf man am Busbahnhof Delmenhorst direkt die ersten Werderaner*innen, die sofort durch Unwissenheit und dumme Fragen auffielen. Ich finde sowas ja irgendwie ein wenig respektlos gegenüber dem Heimverein, wenn man sich vorab nicht mal informiert, wie man denn zum Stadion kommt. Nachdem wir also ohne Probleme unseren Bus fanden und die paar Stationen bis zum Umfeld des Stadions fuhren, bot sich dort bereits unser erstes „Highlight“. In der Vereinskneipe von Atlas hockte ein wild zusammengemixter Haufen Personen, u.a. mit Deutschland-Fischerhüten und Klamotten der Marke Brachial. Was es damit auf sich hat, fassen die Jungs und Mädels von “Runter von der Matte” hier gut zusammen. Passend dazu wurde in dem Moment die Bedienung gefragt, ob das und das (ich habe wirklich nicht mitbekommen, was es konkret war) auch wirklich deutsch sei und über die Frage erstmal herzhaft gelacht. Wo sind wir hier gelandet?! Das Stadion selbst liegt umgeben von zahlreichen weiteren Sportplätzen auf einem wirklich netten Gelände, so dass sich die Zeit bis Anpfiff ein wenig auf den umliegenden Rasenplätzen liegend gesonnt wurde. Nur unterbrochen von einem kurzen Toilettengang. Wieso ich das erwähne? Brav der Beschilderung zur Herrentoilette gefolgt, stand ich plötzlich umgeben von Gästespielern beim Pinkeln. War wohl doch nicht die offizielle Toilette für Zuschauer*innen. Die Spieler nahmen es jedenfalls mit Humor und so habe ich auf dem Rückweg zumindest noch ein, zwei Worte der Kabinenansprache mitbekommen.

Das Stadion an der Düsternortstraße gefällt mir richtig, richtig gut. Neben einer überdachten, reinen Sitzplatztribüne gibt es große fast unausgebaute Kurven, in denen Bäume schön Schatten spenden und nur einzelne Naturstufen zum Hinsetzen bis Anpfiff einladen. Also auf den ersten Blick hätte man mit ein bisschen Arbeit hier auch ein Pokalspiel austragen können. Wie gerne hätte ich mit den anderen Grün-Weißen einen Teil der überdachten Sitzplatztribüne eingenommen und von da lauthals gesungen. So blieb das heute dem sogenannten Block H vorbehalten. Unter diesem Namen firmiert die aktive Szene in Delmenhorst. Neben bereits erwähnter Person mit Brachial Shirt liefen hier auch mehrere Personen mit Yakuza– und Onkelz-Shirts inkl. Wikinger-Tätowierungen bzw. sonstigen Symbolen der nordischen Mythologie rum. Also im Grunde jede Menge Leute, die wir bei uns im Weserstadion ganz sicher nicht haben wollen. Passend dazu pflegt man wohl in Delmenhorst Kontakte zu den Farge Ultras und auch einzelne Werder- und RWE-Hools lassen sich hier wohl öfter mal blicken. Einfach eine sympathische Fanszene, NICHT! Um das Klischee zu erfüllen, lief als Halbzeitmusik Terpentin der Onkelz und bereits vor dem Spiel verkaufte man DFB-Pokal-Freundschaftsschals unter dem Motto „Auf gute Freunde“. Der Onkelz-Slogan ist dabei nach der Halbzeitmusik sicher kein Zufall. Ich bin wirklich mal gespannt, was uns da beim Pokalspiel gegen Delmenhorst im August im Weserstadion erwartet.

Was gibt es zum Spiel zu sagen? Spielerisch war die meiste Zeit kein wirklicher Favorit auszumachen. Nicht weiter verwunderlich, spielen doch beide Teams auch zusammen in der Oberliga Niedersachsen. Die frühe Führung der Speller wurde mit zahlreichen wüsten Pöbeleien seitens Block H beantwortet. Aber auch die Spieler von Atlas zeigten relativ schnell eine Antwort und konnten ausgleichen. Trotz einzelner guter Chancen wurde der Großteil des Spiels dann doch mit anderen anwesenden Werderaner*innen verquatscht oder die Personen in Block H ein wenig unter die Lupe genommen. Während wir aufgrund anderer noch vorhandener Abendplanungen an diesem Samstag schon zur 75. Minuten das Spiel beim Stande von 1:1 verließen, muss im Anschluss wohl noch einiges geboten worden sein. Am Ende ging es noch bis ins Elfmeterschießen und auch dort zog es sich ein wenig. Nach insgesamt 10 Schützen hieß der Sieger Spelle mit einem 11:10 n.E.. Kommende Saison wird es also ganz sicher kein Pokalspiel Delmenhorst-Werder geben.

Was bleibt am Ende festzuhalten? Die Fanszene in Delmenhorst ist wirklich nicht gerade sympathisch. Dass wir heute keine Thor-Steinar-Träger getroffen haben, darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die dortige Fanszene mindestens mal rechtsoffen ist. Auch sonst fiel man in erster Linie durch stumpfen Support und diskriminierender Scheiße bei vermeintlich falschen Entscheidungen des Schiris auf. Also einfach eine Fanszene, die wirklich niemand braucht!

We save TeBe + DFC Kreuzberg – SV Schmöckwitz-Eichwalde 5:0, Sa. 02.03.19

Eigentlich hatte ich mir ja gesagt, dass die wöchentlichen Ausflüge nach Berlin auch mal wieder ein Ende haben müssten (seit Jahresbeginn 6x, mit heute 5 Wochen in Folge), aber dann erfuhr ich beim Makkabi-Spiel, dass heute der DFC Kreuzberg besucht werden sollte. Seit dem Fußballfans gegen Homophobie Hallenturnier, bei dem mir die spielerische Leistung einer Spielerin des DFC ganz besonders gefiel, und ich aufgrund eben dieser Erwähnung im Turnierbericht sowohl unter den Bericht als auch per Mail sexistische und homophobe Nachrichten bekam, stand für mich eigentlich fest, dass ich unbedingt mal zum DFC möchte. Nun ergab sich also die Chance und dann muss man so etwas natürlich annehmen.

Die TeBe Fanszene hatte vor dem Spiel zusätzlich zu einer “We save TeBe” Infoveranstaltung ins Musik und Frieden in Kreuzberg geladen, um über die aktuellen Entwicklungen, das Projekt “Come on TeBe” und zukünftige Veranstaltungen der Caravan of Love-Tour zu informieren. Das Motto “We save TeBe” gibt es dabei schon über 10 Jahre und kommt aus der Zeit, als es TeBe finanziell mehr als schlecht ging und aus der Fanszene heraus Unterstützung über eben diese Kampagne gegeben wurde.

Meine Einladung zum gemeinsamen Spielbesuch beim DFC fand leider nicht den erhofften Anklang und so machte ich mich Samstag morgen alleine auf den Weg nach Berlin. Pünktlich zur angegebenen Zeit öffneten sich die Türen des Musik und Frieden und am Ende dürften es etwa 70 Personen, vor allem aus der TeBe-Fanszene, gewesen sein, die den Worten u.a. von Rudi folgten. Begonnen wurde mit ein paar Worten des 11-Freunde-Chefredakteurs Philipp Köster, der die Kampagne lobte, der Fanszene viel Durchhaltevermögen wünschte und auch noch einmal auf die Wichtigkeit von fanpolitischen Fragen und der Mitgestaltung durch Fans in Vereinen hinwies. Anschließend wurde mittels Präsentation die aktuelle Situation und die Chronik seit dem Einstieg von Crunch Fit vorgestellt, welche mittlerweile über 10 Din A4-Seiten lang ist. Nach einer Übersicht über die zahlreichen Entlassungen und Rücktritte seit Jens Redlich wurde es etwas emotional, als Bangel, der Stadionsprecher von TeBe, erklärte, wieso er als letzter Verbliebener nun auch seinen Rücktritt vollzogen und dem Verein (zumindest vorerst) den Rücken gekehrt hat. Per Videobotschaft sendete Audiolith solidarische Grüße aus Hamburg. Gleichzeitig wurde die Veranstaltung dazu genutzt, die Seite comeontebe.de nun offiziell online zu stellen. Hier findet ihr ab sofort alle Hintergründe, Infos zu den einzelnen Arbeitsgruppen bei Come on TeBe und auch alle Termine sowohl der Gruppen als auch des Caravan of Love. Termine der Caravan of Love Tour gibt es mittlerweile bis Juni, so dass auch ihr sicher eine Möglichkeit findet, die Fanszene von TeBe bei ihrer Aktion zu unterstützen. Mit “Come on Tebe” und “We save TeBe” ist auch verbunden, dass es entsprechende Trikots in Zukunft käuflich zu erwerben gibt. Als erster Trikotsponsor hat sich das Musik und Frieden selbst gefunden, auf dem Ärmel findet ihr einen schicken “Berlin gegen Nazis” Print. Mit Kuchen und Getränken endete die Veranstaltung und zu Fuß und per U-Bahn ging es anschließend weiter zum DFC Kreuzberg.

Auf dem Sportplatz Lobeckstraße sollte das Team des DFC Kreuzberg als Tabellenführer heute auf den Dritten vom SV Schmöckwitz-Eichwalde treffen. Was auf dem Papier sehr spannend klang, war in der Realität dann doch ein sehr einseitiges Spiel und der DFC führte früh sehr hoch. Bereits zur Halbzeit konnte die mehrfache Torschützin ausgewechselt werden und am Ende hieß es mehr als verdient 5:0. Zwischendurch blieb immer wieder Zeit, neben den 150 bis 200 Zuschauer*innen auch die Damen* des DFC in die Gesänge einzubeziehen, so dass auch diese immer mal wieder im Spiel hüpfen mussten. Bereits zum Anpfiff gab es Konfettishooter, die geplanten Luftballons erblickten dann aber doch nicht das Licht der Welt bzw. verschwanden hinter’m Zaun, der auch heute wieder mit der “TeBe’s on Fire” Zaunfahne und einigen weiteren beflaggt war. Das Catering übernahmen die Jungs und Mädels der Party Army und so konnte aus einer reichhaltigen Auswahl an Bier, Bier und ähm Bier gewählt werden. Am Ende durfte ich sogar meinen schicken FfgH Becher behalten und mit zurück nach Bremen nehmen. Den Damen* des DFC hat der Besuch augenscheinlich sehr gut gefallen und so wurde nach dem verdienten Sieg mit dem Publikum abgeklatscht und auch die Flasche Westberliner Luft als Geschenk fair mit dem Publikum geteilt.

Auch wenn die Strecke Bremen-Berlin etwas schlaucht und mich einige Personen bereits vorab für verrückt erklärt haben, genau solche Spiele und Aktionen machen für mich den Fußball aus und es war mir eine Freude, sowohl die TeBe-Leute wieder zu sehen als auch endlich mal den DFC auf heimischem Platz spielen zu sehen. Wer mal in Berlin ist, dem/der sei auf jeden Fall ein Besuch beim DFC empfohlen. Alle Infos und Termine findet ihr hier.

Was gibt es zum Sportplatz Lobeckstraße zu sagen? Einfacher Kunstrasenplatz mit Laufbahn, mehrstufiger Tribüne auf der einen Seite und Kabinentrakt hinter’m Tor. Das Umfeld mit zahlreichen Hochhäusern ergibt dabei eine wirklich nette Kulisse.

Station 4 des Caravan of Love folgt dann bereits nächstes Wochenende mit dem Spiel Polar Pinguin gegen Chemie Adlershof, diesmal tatsächlich ohne mich. Nach 3 sehr schönen Stops des Caravan of Love heißt es für mich jetzt auch mal wieder Ernst des Lebens und andere Verpflichtungen, so dass es außer Werder wohl wieder weniger anderes geben wird. Der Fanszene von TeBe bleibt mir nur weiterhin viel Kraft zu wünschen und bezüglich der Kommentare nach dem FfgH-Turnier bleibt auch nur festzuhalten:

Kein Fußball den Sexisten!


TuS Makkabi Berlin – Tasmania Berlin 1:2, So. 24.02.19

Als Station 2 des Caravan of Love der Fanszene von Tennis Borussia wurde nach dem Spiel auf dem Metrodach nun das Spiel Makkabi gegen Tasmania auserkoren. Als Besonderheit ist hier zu erwähnen, dass beide Vereine von je einem Teil der TeBe Fanszene unterstützt wurde. Bei Tasmania fanden sich bei strahlendem Sonnenschein auf dem Hauptplatz der Julius-Hirsch-Sportanlage neben den TeBe Fans auch die eigenen Tasmania Fans ein. Insgesamt dürften es etwa 170 Zuschauer beim Spiel der Berlin-Liga gewesen sein. Normalerweise liegt der Zuschauerschnitt bei Makkabi wohl im niedrigen zweistelligen Bereich. Trotz immer mal wieder lautem Support der TeBe Fans für den Außenseiter Makkabi entsprach die spielerische Leistung dann doch in etwa der Tabellensituation und Tasmania gewann verdient mit 2:1. Bei sehr guten Gesprächen wurde das Spiel gut verquatscht und sich über die aktuelle Situation der TeBe-Fanszene informiert, so dass ich zu Einzelheiten des Spiels gar nichts sagen kann und selbst für’s Ergebnis im Anschluss noch mal per Twitter nachfragen musste. Zur Halbzeit wurde sich noch mit der Landauer Unikneipe Fatal solidarisiert, welche Ende März schließen muss (Fatal für immer – Für immer Fatal).

Gegenüber meinem ersten Besuch bei Makkabi wurde wie angedeutet heute auf dem Hauptplatz gespielt. Statt Kunstrasen gibt es hier noch Naturrasen und Laufbahn, wirklichen Ausbau gibt es aber nicht. Geben sollte es dafür richtige Eintrittskarten mit Spielpaarung (zwar abgeschnitten von einem normalen Bogen Din A4 Druckerpapier, aber immerhin) und eine Brezel für jede*n Zuschauer*in.

Teil 3 des Caravan of Love folgt dann bereits nächsten Samstag. Diesmal geht es zum DFC Kreuzberg, was mich besonders freut, da ich dort nach den bescheuerten Kommentaren im Blogbericht zum Fußballfans gegen Homophobie Hallenmasters und per Mail unbedingt mal hin wollte. Dass es nun so schnell und auch noch mit vielen weiteren Zuschauer*innen klappt ist umso schöner!

Berliner AK – BFC Dynamo 1:0, So. 17.02.19

Nachdem der glorreiche SVW am Abend zuvor durch den alten Mann in der 96. Minute noch einen Punkt gegen die Hertha retten konnte und der nächste Termin mit dem Eisbärenspiel erst am Abend anstand, hieß es den Sonntag Vormittag irgendwie zu verplanen. Zum Jugendeishockey im Wellblechpalast konnte ich die anderen nicht überzeugen, also blieb eigentlich nur die Option BAK gegen die falschen Dynamos (die richtigen sollten ja erst am Abend spielen) im Poststadion.

Da ich hier schon 2 Mal war (einmal mit Babelsberg im Gästeblock, einmal Jugendpokal mit TeBe vor’m CL-Finale der Frauen im Jahn-Sportpark), spare ich mir Details zum Stadion. Der BFC zieht ja immer ein sehr fragwürdiges Publikum an und so wunderte die ein oder andere komische Person rund um’s Stadion nicht wirklich. Trotz schönstem Fußballwetter wurde für 10€ der Sitzplatz auf der überdachten Haupttribüne eingenommen. So richtige Fantrennung gibt es im Poststadion leider auch nicht, so dass man spätestens beim Toiletten- oder Verpflegungsgang den Gästen vor’m Vereinsheim begegnete. Diese füllten heute den Gästeblock gut aus und auch der Zaun war voll beflaggt. Der Support beschränkte sich allerdings auf Pöbeleinlagen bei vermeintlich falschen Schirientscheidungen und in der zweiten Halbzeit ein wenig Hüpferei hinter der “Ultras”-Zaunfahne. Schwenker oder sonstiges Tifomaterial sucht man beim BFC leider vergebens. Auf der Heimseite gab es außer einer Tröte ebenfalls keinen Support. Für jemanden, der wirklich nicht der größte Hoppingfreund ist (wenn ihr hier im Blog die Spiele mal durch guckt, ist der Großteil halt doch eher Freundschaftsbesuche), war das heute echt nichts. Einzig spannend waren da eigentlich ein paar Chancen des BAK und ein zurückgenommener Elfmeter ebenfalls für den BAK. Am Ende siegte der BAK in einem recht ausgeglichenen aber sehr aggressiv geführten Spiel knapp mit 1:0. Wir verabschiedeten uns schon 10 Minuten vor Ende in Richtung Warschauer Straße und Fanbogen. Vielleicht können ja die anderen anwesenden Werderaner*innen und Hopper*innen dem Spiel mehr abgewinnen und mit einem tollen Bericht dienen.

Blau-Weiß Friedrichshain – SF Charlottenburg-Wilmersdorf II 0:1, Sa. 09.02.19

Nachdem sich die Fanszene von Tennis Borussia Berlin rund um TBAF (TeBe Aktive Fans) und Party Army nach Zerwürfnissen mit dem Vorstandsvorsitzenden und Hauptsponsor Redlich und dem Vorstand, die zu sehr unschönen Szenen auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins führten, schweren Herzens entschieden hat, dem eigenen Verein vorerst den Rücken zu kehren, wurde der Caravan of Love in’s Leben gerufen. Per Anzeige in der “Fußball-Woche” rief man andere Vereine dazu auf, sich bei Interesse an einem kleinen Haufen supportwilliger Fußballfans als Unterstützung des eigenen Vereins, per Chiffre bei den TeBe-Fans zu melden. Ziel des Ganzen ist neben dem weiteren gemeinsamen Spielbesuch natürlich auch dem Vorstand von TeBe vor Augen zu führen, was dieser durch sein Handeln aufgibt.

Die erste Station des Caravan of Love sollte die TeBe-Fans einen Tag vor unserem Augsburg-Spiel inkl. Fanmarsch an einen ganz besonderen Spielort führen. Zwar spielt der lokale Verein Blau-Weiß Friedrichshain irgendwo in der Kreisliga A in den tiefen des Berliner Fußballs, mit dem Metro Fußballhimmel hat man aber einen außergewöhnlichen Spielort. Der eigene Kunstrasenplatz befindet sich nämlich, wie der Name schon vermuten lässt, auf dem Dach des örtlichen Metro-Kaufhauses in unmittelbarer Nähe des Ostbahnhofes.

Etwa 100 Lila-Weiße trafen sich an diesem Samstag Vormittag bei schönstem Fußballwetter (zunächst nieselte es noch ein wenig und es kamen schon die ersten Sorgen auf, dass das heute ins Wasser fällt, danach schien aber quasi durchgehend die Sonne) vor’m Ostbahnhof und legten gemeinsam den 5-minütigen Fußweg zur Metro zurück. Vor Ort wurde man schon von den ersten Fernsehteams empfangen, die es sich nicht nehmen ließen, den heutigen Spielbesuch zu begleiten. Mich persönlich nervt sowas ja tierisch und so war ich nicht sonderlich begeistert, am Ende im Bericht des RBB groß zu sehen zu sein, der aktiven Fanszene und allen aktiven Fußballfans in Deutschland kann eine solche Aufmerksamkeit aber nur helfen, um den Fußballfans klar aufzuzeigen, welche Folgen fehlendes Mitspracherecht, Aufweichung von Regelungen wie 50+1 und ähnlichem haben können.

Der Blick vom Metro-Fußballhimmel entschädigt dann auch für den Kraftakt, erstmal zahlreiche Treppen nach oben laufen zu müssen (so viele sind es dann aber doch nicht). Der Heimverein hatte natürlich aufgrund der zahlreich erwarteten Gäste etwas Verpflegung aufgefahren und sogar Schals der Blau-Weißen wurden sicher nicht wenige verkauft. Apropos Blau-Weiß: Die aktive Fanszene der Lila-Weißen hatte extra für das Spiel die wichtigsten TeBe-Lieder auf den heutigen Heimverein angepasst und die Liedtexte als Flyer dabei. So sang man heute des öfteren vom “Rooftop”, passte die Vereinsfarben in den Liedern auf blau-weiß an und auch die Kritik am eigenen Verein kam natürlich nicht zu kurz. Am Ende dürften es heute etwa 250 Zuschauer*innen gewesen sein, die mit zahlreichen Zaunfahnen am Zaun hinter dem Tor anflaggten. Zunächst wurde die erste Reihe der kleinen Plastiksitzschalentribüne eingenommen, bis sich herausstellte, dass hier normal die Auswechselspieler sitzen. Sowas weiß man als Gast halt nicht. Am Ende besorgten sich die beiden Vereine Bierbänke als Auswechselbank und so war die komplette Tribüne in lila-weißer Hand. War für die Friedrichshainer wohl eine nette Abwechslung, verirren sich sonst wohl nicht so viele Personen auf’s Metrodach. Leider konnte am Ende trotz lautem Support inklusive Wechselgesängen mit der gegenüberliegenden Seite (inkl. Ostblock-Westblock und BRD-DDR-Wechselgesängen) kein Punkt für die Blau-Weißen geholt werden und man verlor knapp mit 0:1. Spaß gemacht hat es vermutlich trotzdem allen Anwesenden und schreit quasi nach einer Wiederholung an einem anderen Ort.

Für mich hieß es nach Abpfiff leider relativ schnell zum Bahnhof zurück, da es am nächsten Tag ja schon früh morgens zum Fanmarsch auf den Marktplatz gehen sollte.

Infos zu allen weiteren Aktionen findet ihr ab sofort unter anderem auf dem Twitter-Account der Jungs und Mädels von “Come on TeBe”. Einen ausführlichen Bericht zum Spiel und den Hintergründen gibt es auch bei Faszination Fankurve.