FC St. Pauli – SV Sandhausen 3:1, So. 07.10.18

Ist schon was länger her, dass sich hier was getan hat. Ich habe in der Zwischenzeit nicht ganz auf Spiele ohne Werder-Beteiligung verzichtet, die Anzahl ist aber weiterhin sehr niedrig. Dazu so spaßige Dinge wie Jobwechsel und Umzug. Und wenn ich ehrlich bin, so was richtig Schreibenswertes war nicht dabei.

Da unser glorreicher SVW bereits am Freitag gegen Wolfsburg gewann, ergab sich für Sonntag spontan die Möglichkeit, endlich mal wieder ans Millerntor zu fahren. Samstag Abend kam die Frage, ob ich nicht mitfahren wolle und aufgrund der kurzen und kostenneutralen Anreisemöglichkeit musste nicht wirklich lange überlegt werden. Auch wenn der Gegner Sandhausen heißt, Millerntor geht immer. Apropos Sandhausen: die habe ich tatsächlich schon mal gesehen, wenn auch leider nur auswärts. Vor einigen Jahren dachte sich die liebe Deutsche Bahn an einem Samstag: ach komm, streike ich mal. Blöd nur, dass wir an diesem Tag mit Werder in München spielen sollten. Ende des ganzen: Flixbus und Co so kurzfristig viel zu teuer und so spontan zu Union gegen Sandhausen in die Försterei. An das Spiel damals kann ich mich absolut nicht mehr erinnern. Was in Erinnerung blieb war die Tatsache, dass selbst zu einem Auswärtsspiel zu fairer Anstoßzeit in einer durchaus interessanten Stadt wie Berlin nur 20 Sandhausener Gäste anreisen. Vielleicht sehe ich diese ja heute wieder.

Bereits im Vorfeld war klar, dass wir nicht die einzigen Werder-Gäste heute am Millerntor sein würden und so war es wenig verwunderlich, dass schon am Sielwall die ersten Hamburgreisenden zu sehen waren. Mit dem IC ging es für mich mit zahlreichen Urlaubern auf dem Weg zu ihrer ach so tollen Kreuzfahrt nach Hamburg. Kurz die Lounge besucht und ab zum Stadion. Dort die üblichen Verdächtigen getroffen und erstmal was essen gegangen. Es beschweren sich ja immer alle über Anstoßzeiten von Sonntag 13:30 Uhr. Klar, für die Auswärtsfans (also in diesem Fall die 20 aus Sandhausen) schon ziemlich mies, wenn man das als Tagesausflug plant, aber als Heimfan finde ich das eigentlich echt ganz geil. Kurz Mittagessen, das ein oder andere Bier dabei zu sich nehmen. Anschließend zurück zum Millerntor, dort einige bekannte Gesichter am Eingang zur Süd treffen und noch viel mehr zumindest mir unbekannte und dann ohne allzu intensive Kontrollen rein. Während der Großteil der Grün-Weißen schon zum Derby gegen diesen anderen komischen Hamburger Verein in der verbotenen Stadt war, war es auf Heimseite tatsächlich erst mein zweites (!!!) Spiel, da muss sich dringend was ändern. Außer zwei Mal mit Werder (einmal in der Liga mitten in der Umbauphase, also eine Woche vorher noch nicht feststand, ob das Spiel überhaupt mit Zuschauer*innen stattfinden wird, da St. Pauli ein Geisterspiel drohte, entsprechend auch das Motto damals im Gästeblock, dann letztes Jahr nochmal zum Testspiel) bleibt auf Heimseite nur das Saisoneröffnungsspiel vor 2 (?) Jahren gegen Braunschweig mit anschließendem USP-Grillen. Da man die St. Pauli-Leute sonst ja auch nur beim Antira, uns oder bei Babelsbergbesuchen trifft, musste heute erstmal ein Schal her. Netterweise verkauft man sowas ebenso wie Aufkleberpakete und -rollen und sonstigen Artikeln der aktiven Szene dort ja IM Stadion. Wenn ich dran denke, was bei uns schon bei nur einem Kleber am Einlass los ist…

Mit neuem Schal, paar neuen Klebern, Kiezkiecker und Bier ausgestattet ging es dann auch so 20 bis 30 Minuten vor Anpfiff in die Süd. Der Plan heute: erstmal schön entspannt Süd Sitz das Essen verdauen und den Sonntag genießen, zweite Hälfte dann runter zu den anderen. Nach 25 Minuten und dem ersten leeren Bier war es dann mit dem ungewohnten Fußballgucken im Sitzen aber auch vorbei und man gesellte sich zum Rest. Stimmung fand ich zumindest in den Randblöcken sonntagstypisch etwas ruhig. Zu Beginn wurden jede Menge braun-weiße Stofffahnen verteilt, die sogar ich schon von St. Pauli-Spielen kenne. Sind also schon was älter 😉

Eigentlich wollten wir den ersten Toilettengang ja so timen, dass das erste Tor genau da fällt. Klappte dann nicht so ganz und St. Pauli ging bereits nach 17 Minuten durch den Diamant verdient in Führung. Leider setzte auf dem Platz danach bereits relativ früh ein Verhalten ein, das man als Werderaner*in nur zu gut kennt. Ergebnis halten ist unsere Stärke wirklich nicht und auch die Elf vom Millerntor wirkte dabei nicht immer wirklich überzeugend. In Halbzeit zwei eigentlich nur noch Sandhausen am spielen und war ja klar, 73. Minute fiel dann auch der mehr als verdiente Ausgleich. Dass es nicht schlimmer kam, verdankten die Braun-Weißen zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall ihrem Torhüter. Für mich war das Spiel zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon gelaufen. 87. Minute dann Einwechslung Allagui und was macht der Kerl in der 90. Minute? Richtig, das 2:1. Als dann Buchtmann 3 Minuten später auch noch das 3:1 machte, glaubte man seinen Augen nicht und Ausrasten überall! Schon sehr zum Schmunzeln das Ergebnis aber scheiß drauf, Heimsieg und damit für mich ein Wochenende mit 6 Punkten. Und da u.a. Babelsberg Samstag auch gewann, ein sportlich ziemlich erfolgreiches Wochenende. Auch sonst fühle ich mich am Millerntor irgendwie wohl. Hoffentlich klappt es in Zukunft nicht nur zu sonstigen Veranstaltungen dorthin. Nach kurzem Besuch im Fanladen ging es anschließend aber doch ziemlich zurück in die richtige Hansestadt, ist halt doch Sonntag!

Hannover 96 – Wacker Nordhausen 2:0, Mi. 18.07.18

Und nochmal Hannover. Irgendwie muss man die Plätze in der Umgebung ja doch machen. Auch wenn es für’s Eilenriedestadion kommende Saison die Chance im Spiel mit Werder II gäbe, Spiel unter der Woche, nichts zu tun, kann man mal machen. Die Chance auf wirklichen Support im Eilenriede durch die Hannoi-Fanszene hat man ja damals leider verpasst.

Da die Preise bei Testspielen ja glücklicherweise nicht so hoch sind, gönnte man sich heute mal einen Platz auf der Haupttribüne auf Höhe der Mittellinie mit Blick auf die Stehplatz-Gegentribüne. Im eigentlichen Gästeblock der Gegentribüne fanden sich kaum Leute ein, was allerdings wenig wundert. Unter der Woche fährt man für so ein Knallerspiel auch nicht mal eben aus Thüringen in Niedersachsens Landeshauptstadt. Auch der Heimstehbereich war nur mit vielleicht 100 bis 200 Personen gefüllt, die echt nette Hintertortribüne mit Holzbänken mit eingebautem Kabinentrakt war leider geschlossen. So saß man heute zwischen Familien auf Feierabendausflug und Rentnern und konnte das Spiel als Gegnerbeobachtung nutzen, schließlich lautet unser erster Gegner der neuen Saison Hannoi. Was man da alles mitbekam seitens der Rentner, so herrlich. Wundern die sich tatsächlich, dass in Halbzeit eins eigentlich Nordhausen das Spiel macht, obwohl Hannoi doch Bundesliga spielt. Ey Leute, eure Mannschaft ist vor 3 Tagen oder so in die Vorbereitung gestartet, die Regionalliga Nordost startet viel früher, entsprechend weit in der Vorbereitung ist der Gast aus Nordhausen eben schon. Das einzig tolle an der Sinnlosdiskussion der alten Herren war die Erkenntnis, dass man so gegen Werder untergehen wird. Na hoffentlich wird es so kommen! Trotz frühem Tor des Heimteams durch Anton dauerte es tatsächlich bis zur 88. Minute, bis Asano dann wenigstens den zumindest auf dem Papier halbwegs akzeptablen Endstand für den Zeitpunkt der Vorbereitung erzielte. Zwischendurch hatte man aber tatsächlich mehrmals die Hoffnung, Nordhausen kommt zumindest zu einem Tor. Was da los gewesen wäre bei den Rentnern. Da hätten die vorhandenen Rettungswagen sicher nicht gereicht, so viele Herzinfarkte wären zu erwarten gewesen. So konnte am Ende auch dieses Volk beruhigt und bei bester Gesundheit nach Hause gehen. Zwischendurch erntete man noch ein paar böse Blicke der anwesenden Hannoi-Leute. Ja, ihr habt richtig gesehen, auch nicht-96er waren da und wollten sich dieses Topspiel nicht entgehen lassen. Ansonsten gibt es nicht viel von diesem Spiel zu berichten.

VfL Wolfsburg – SC Freiburg 3:1, Sa. 18.11.17

Seit längerer Zeit mal wieder ein Hoppingbericht. Liegt einfach daran, dass ich neben Werder und Arbeit aktuell kaum zu Besuchen anderer Spiele komme und so schaffe ich es nicht mal, Freunde zu besuchen.

Da Werder an diesem Wochenende erst Sonntag gegen Hannover spielen sollte und der Weg nach Wolfsburg ja nun auch nicht so weit ist, wurde heute mal die Chance genutzt, ein paar bekannte Nasen zu sehen. Schon früh ging es mit dem Nahverkehr in die Autostadt, wo uns der Weg auf Nahrungssuche erst einmal in Richtung Outlet führte. Dort angekommen war natürlich nichts mit Essen oder alkoholischen Getränken, stattdessen schon zahlreiche Menschen in vorweihnachtlicher Kauflaune. Da aufgrund einer Baustelle auch der Weg raus aus dem Outlet-Wirrwarr gesperrt war, musste man auch noch sportlich aktiv werden und gewisse Geländer überwinden. Die Alternative wäre gewesen, den ganzen Weg noch einmal zurück zu gehen. In Wolfsburg gibt es tatsächlich nicht viel und so ging es zu Fuß vorbei am Stadion in Richtung Allersee. Im Sommer soll es hier wohl mal ein Kiosk gegeben haben. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt verbunden mit richtig heftigem Wind war es dagegen weniger schön, so dass es doch recht schnell wieder ins Stadionumfeld ging.

Die Zeit bis Ankunft der restlichen Bekannten Gesichter wurde verquatscht und man munkelt, ich war heute nicht der einzige Grün-weiße. Der Gästeblock heute gegenüber den letzten gemeinsamen Besuchen in Wolfsburg mal eher gering gefüllt. Während im linken Teil des Blocks vor allem Kutten und Familien Platz nahmen, breitete sich die aktive Szene im rechten Teil des Blocks aus. Der Zaun bis oben hin gut beflaggt (inkl. “Forza Luca”-Banner seitens NBU für einen befreundeten italienischen Ultra, welcher bei einem fragwürdigen  Polizeieinsatz schwer verletzt wurde), verteilten sich die Gruppen im rechten Teil, während die vorderen Stufen bewusst mit Klebeband freigehalten wurden. Von dort hätte man eh wenig gesehen und so wirkte es auch geschlossener. Den Support fand ich bis Mitte der ersten Halbzeit eigentlich echt okay. In der Folge und aufgrund des Spielstandes (bereits nach 30 Minuten stand es 2:0 für das Heimteam) flachte der Support leider deutlich ab und auch der linke Teil des Blockes ließ sich nur schwer aktivieren. Nach dem 2:1-Anschlusstreffer in Minute 68 kam kurz Hoffnung auf, welche für eine Steigerung der Stimmung sorgte, welche dann nach dem kurz drauf folgenden 3:1 in Trotz umschlug und das Spiel anschließend vor allem mit dem “Sportclub Freiburg e.V.” Lied noch würdig zu Ende gebracht wurde.

Die Heimseite heute mit einem großen Glaube versetzt Berge Banner vorm Oberrang und einiges an Material zu Beginn. Man versuchte, in der aktuell wirklich nicht guten sportlichen Situation für einen Umschwung zu sorgen. Während die Mannschaft ihren Anteil dazu beitrug, blieb die Heimkurve 90 Minuten mehr als blass.

Borussia Lindenthal-Hohenlind – TuS 05 Oberpleis 3:2, So. 22.10.17

Wer mich kennt, weiß, dass ich mir solche Spiele nicht antue. Wie aber schon vorm Hertha-Spiel in Berlin zeigte auch diesmal die liebe Groundhopper-App ein Spiel in unmittelbarer Nähe zum heutigen Ligaspiel beim 1. FC Köln. Da sich neben Mama und einem Freund auch schnell zwei weitere Personen (1x Werder, 1x St. Pauli) fanden, wurde die eh relativ lange Wartezeit nach dem Bundesliga-Spiel bis zur Abfahrt meines ICE für einen Kurzbesuch auf der Westkampfbahn genutzt.

Diese befindet sich fast direkt hinter der Heimkurve des Rhein-Energie-Stadions und wer beim Namen Westkampfbahn jetzt auf einen tollen Platz hoffte, wurde leider enttäuscht. Kunstrasen mit Geländer rundrum und ein paar Bänke auf der Gegenseite. Mehr gibt es hier nicht. Ein deutlich ansprechenderes Stadion mit großer Tribüne steht direkt nebenan. Auch der Ausschank von Getränken ist wohl an Bundesliga-Spieltagen verboten, so blieb nur die Option Kölsch aus der Flasche von anderen Anwesenden kaufen. Anwesend waren heute in Summe vielleicht 40 Personen, davon der Großteil wohl Familie und Freunde der Spieler des Heimteams. Außer uns sonst nur 2 Jungs mit Stone Island und Co, die hier ebenso fehl am Platz wirkten und uns skeptisch musterten. Ansonsten echt tote Hose. Ganz anders war es wohl unter der Woche, als das Heimteam auf dem selben Platz Alemannia Aachen im Pokal empfing.

Das Spiel war am Ende so spannend, dass ich selbst die Tore, die während unserer Anwesenheit fielen (in Summe waren wir vielleicht gerade 45 Minuten da, aber das Erreichen des Zuges war dann doch wichtiger), aufgrund von Quatscherei nicht sah. Wobei, eins habe ich tatsächlich gesehen. Am Ende hieß es 3:2 für’s Heimteam, ob es verdient war oder nicht, mag ich nicht zu beurteilen.

Kleine Anekdote am Rande: In der selben Liga der beiden Teams spielt übrigens auch mein Heimatverein, in dem ich zu E- und D-Jugend-Zeiten mal “aktiv” (ob man das wirklich so nennen darf) war.

TuS Makkabi Berlin – Füchse Berlin 6:3, So. 10.09.17

Schon vor Wochen kam die Ansage aus der Schweiz, dass man doch gemeinsam dieses Spiel machen könnte. Wie es dazu kam? Die Elf in grün und weiß sollte im Anschluss ihr Spiel im Olympiastadion austragen und da die Bahnverbindung eh eine frühe Ankunft in Berlin prophezeite und mir der Ground trotz langer Berlinzeit noch fehlte, wieso nicht?

Am Ende war der Organisator des gemeinsamen Spielbesuchs natürlich nicht dabei, dafür fand sich ein weiterer Werderisti, der mit Groundhopping in der Regel noch weniger anfangen kann als ich. Der Rest der Grün-Weißen meldete aufgrund zu langer Feierei den Abend vorher in Babelsberg die Ankunft an der Julius-Hirsch-Sportanlage erst für Mitte der ersten Hälfte. Also hieß es für uns ab Messe Süd und vorbei am Mommse den Weg selbst finden. Klappte nach einigem hin und her dann auch ohne Probleme, wobei der Ground schon sehr weit nach hinten versetzt gegenüber dem einzigen Weg der Schrebergartenanlage liegt. Mit den hohen Bäumen rund um den Platz ohne wirklichen Ausbau und den großen unmarkierten Sportfeldern auf dem Rest des Geländes hatte das Ganze etwas von Skandinavien. Sympathisch auf jeden Fall die Tafel mit Aufstellung neben dem Kassierer-Tisch, der erst mit unserer Ankunft aufbaute und so gab es zum Eintrittspreis mal wieder eine Kinokarte und immerhin ein farbiges Programmheft (allerdings wie vom heimischen Drucker).

Wir machten es uns bis zur Ankunft der anderen in einer der hinteren Ecken des Platzes quasi schon im Gebüsch hinter der Außenlinie gemütlich. Auf dem Weg dorthin noch kurz von den 3-4 mitgereisten Gästefans per Handschlag begrüßt worden, nette Menschen könnte man meinen. Waren sie dann leider doch nicht, fielen sie doch immer wieder mit Beleidigungen des Schiedsrichters aufgrund ihrer Meinung nach falscher Entscheidungen auf. Auch die Spieler des Heimteams, insbesondere der Torhüter, wurden immer wieder provoziert, hatten sich aber zum Glück im Griff, sehr unnötige Aktionen. Nicht so gut im Griff hatte sich bereits nach 12 Minuten ein Auswechselspieler, der so lange rumpöbelte, bis er in Richtung Kabine gebeten wurde. Auch noch nicht erlebt, nicht mal gespielt und schon darf man sich verabschieden. Ebenfalls früh verabschieden durfte sich der Keeper der Gäste. In der 24. Minute verschuldete er einen Elfer und sah dafür gelb. Nachdem der folgende Strafstoß verwandelt wurde, haute er verbunden mit dem ein oder anderen unschönen Wort den Ball noch einmal mit voller Wucht selbst ins Netz, was in der Konsequenz gelb-rot bedeutete. Den Rest des Spiels durfte er dadurch von hinterm Tor verfolgen, toller Typ.

Wie ihr merkt, hatte das Spiel so einige Highlights zu bieten. Dennoch zog es uns nach Ankunft der anderen (die die letzten 15 Minuten der ersten Halbzeit draußen hinterm Zaun verbrachten, da sie unbedingt den Eintritt sparen wollten) so um die 65. Minute dann doch zum Auto und von dort in Richtung Olympiastadion. Am Ende hieß es in der Partie 6:3 für Makkabi und die Zuschauer erlebten in Halbzeit 2 sicher noch ein paar Highlights. Manchmal sind unterklassige Spiele dann doch für was gut.

Chemie Leipzig – Babelsberg 03 1:0, So. 06.08.17

Wenige Tage nach Lok direkt wieder Leipzig. Wieso ich nicht gleich da geblieben bin? Ganz einfach: es gab gewisse Verpflichtungen am Tag der Fans in Bremen, denen ich nachkommen musste. Entsprechend ging es auch auf der Hinfahrt alleine nach Leipzig, wo die Zeit bis zum Eintreffen der bekannten Nasen wie üblich in der Lounge verbracht wurde. Im Zug zunächst noch jede Menge Dortmunder, die wohl vom Supercup-Spiel kamen, am Bahnhof Leipzig weiterhin viel gelb-schwarz. Dabei handelte es sich aber um etwa 25 Personen der Fanszene aus Plauen, die mit Material wohl auf dem Weg nach Hoyerswerda waren (jedenfalls ging es für sie in die S-Bahn dorthin und damit nur eine S-Bahn bevor die Potsdamer per WET am selben Bahnsteig ankamen). In Polizeibegleitung ging es mit dem Potsdamer Zugfahrerhaufen kurz drauf in die S-Bahn Richtung Alfred-Kunze-Sportpark und vom dortigen Bahnhof hieß es nochmal etwa 15 Minuten Fußweg bei brütender Hitze. Die Polizei-Hundertschaft wirkte ob der Babelsberger Anwesenheit nicht ganz so begeistert, die ständigen Ermahnungen, man solle nicht auf der Gegenfahrbahn laufen, waren jedenfalls mehr als unnötig, da nur die Polizei selbst dort lief.

Vorm Stadion das typische Bild. 100 Leute wollen eine Karte, aber nur ein Kartenhäuschen hat auf, na toll. Für 6 Euro ermäßigt wechselte gefühlt 20 Minuten später aber doch noch eine Karte den Besitzer und gewährte Einlass in den schmalen, mehrstufigen Gästeblock. Ich mag ja irgendwie Stadien, die nach außen hin so offen sind, dass eigentlich nur ein Zaun Straße und Block trennt. Muss für die sonntäglichen Ausflügler mit ihren Fahrrädern sicher auch ein ungewohnter Anblick sein. Für den geneigten Fußballfan ist auch der Alfred-Kunze-Sportpark ein ungewohnter Anblick. Richtig geiles Stadion mit zweistöckiger, aber unüberdachter Heimkurve inklusive großem Banner. Der Hopperauflauf auf der überdachten Haupttribüne wird sich heute wohl in Grenzen gehalten haben (man hört da ja immer wilde Geschichten), spielte das Wochenende vorher doch Lok beim Derby dort.

Während die Heimkurve mit großer, bunter Blockfahne ins Spiel startete, gab es im Gästeblock zunächst eine kurze Ansage, welche Möglichkeiten man durch den Aufstieg von Chemie nun doch hätte, seine Spuren (akustischer Natur) im Gästeblock zu hinterlassen. Trotz vollem Stehbereich und gutem Wetter wirkten die Worte im Rückblick dann doch eher hemmend. Legte man gut und laut los, flachten die Gesänge ab Mitte der ersten Hälfte schon sehr ab. Zwischendurch konnte bei Klatscheinlagen immer mal wieder der ganze Block mit einbezogen werden, viele kämpften aber doch eher mit ihrem Hass auf die Stadiongastronomie. Das Bier war wohl einerseits alkoholfrei (wofür sich die Chemiker im Nachgang entschuldigten und mit Freibier beim nächsten Spiel dort für die Gäste aus Babelsberg warben) und andererseits wie auch die Cola einfach schlecht. Standen wohl zu lange in der Sonne oder waren noch die Reste vom Lok-Spiel. Zum Trost gab es das ein oder andere Gratiseis, natürlich genau in dem Moment, als ich im hinteren Teil des Blocks war. Zum Glück hatte ich morgens mein Kaktuseis. Ihr merkt, was in anderen Hoppingberichten das Bier, ist bei mir das Eis.

War das Spiel von Anfang an hart umkämpft und ein Unentschieden wäre wohl nur fair gewesen, gab es fünf Minuten vor Abpfiff noch den unnötigen 1:0-Siegtreffer der Hausherren zu bestaunen. Ich scheine den Potsdamern jedenfalls kein Glück zu bringen.

So ging es gesenkten Hauptes nach Abpfiff raus und gemeinsam zurück zum Bahnhof, wo ich mir in der vollen S-Bahn sogar noch einen Sitzplatz sichern konnte. Aufgrund der zahlreichen Mitfahrer in der S-Bahn verzögerte sich deren Ankunft am Hauptbahnhof doch etwas, was es für uns in Richtung Hannover Weiterreisenden nochmal spannend machte, sagte die App bei Abfahrt der S-Bahn doch noch +0 beim IC. Im Hbf mit viel Rennerei noch was (zu teures) zu essen und trinken gesucht, nur um dann am Bahnsteig zu erfahren, dass die Bahn wegen Warten auf Anschlussreisende und das Bordpersonal mit 20-minütiger Verspätung abfahren solle. Wieso steht sowas 10 Minuten vorher nicht in der App? Danke Deutsche Bahn. Aus 20 Minuten wurden bis Hannover dann fast 50 Minuten, schönes Ende des Wochenendes, auch weil der IC weiter nach Bremen für meinen Mitfahrer natürlich auch weg war und es RE hieß. Immerhin kann ich nun zwei meiner bis dahin noch offenen Wunschstadien abhaken!

Lok Leipzig – Babelsberg 03 0:0, Do. 03.08.17

Ich bin ja nun echt nicht so der Hopper, wie man auch den nicht gerade zahlreichen Berichten in diesem Teil des Blogs entnehmen kann. Aber auch für mich gibt es ein paar Stadien, die ich unbedingt noch besuchen möchte. Zwei davon befinden sich in Leipzig, wo ich bisher nur im zwar schönen, aber von einem Quatschverein bespielten Zentralstadion war. Wie es der Zufall so wollte, bot sich noch vor Start der Bundesligasaison die Möglichkeit, sowohl das Bruno-Plache-Stadion als auch den Alfred-Kunze-Sportpark innerhalb weniger Tage hintereinander zu machen. Donnerstag Abend Lok-Babelsberg, drei Tage später Chemie-Babelsberg. Und auch Mal wieder die Möglichkeit, ein paar bekannte Nasen abseits von grün-weiß zu sehen. Nach kurzer Rückfrage bei der Chefin, was sie zu einem Tag Urlaub sagt, hieß es nur noch Mitreisende zu finden. Klappte dann auch recht schnell.

Donnerstag früh Feierabend gemacht und Dank IC über Braunschweig nach Dresden mussten nicht mal viele Überstunden dran glauben. Nach absolut unspektakulärer Fahrt waren wir früh in der Messestadt und so musste noch das ein oder andere Kaktuseis in der Lounge dran glauben. Um den Babelsberger Bushaufen am zugehörigen Parkplatz in Empfang zu nehmen, wurde recht früh auch die Tram geentert, wo man doch die Blicke auf sich zog. Also an mir lag es nicht… Am Busparkplatz angekommen war außer viel Staatsmacht während der gesamten Wartezeit nur ein Fuchs zu sehen, dort gab es sonst aber auch nur Schrebergärten. Wir also schön zwei Stunden vor Anpfiff am Busparkplatz gelangweilt und immer wieder vertröstet worden, nur um dann kurz vor Anpfiff darüber informiert zu werden, dass der Bus schlussendlich direkt zum Gästeblock gebracht würde. Tolle Wurst, sind ja nur 15 Minuten Fußweg bei 10 Minuten bis Anpfiff. Trotz zügigem Lauf reichte es natürlich nicht mehr zum Anpfiff, kurz nach eben diesem waren aber auch wir am Einlass und konnten die Sachen bei der Gepäckabgabe loswerden.

Im Stadion, welches den meisten Lesern hier doch bekannt sein sollte (nette Oldschool-Bude mit überdachter Haupttribüne und zwei Kurven plus Gegengerade mit Stehplätzen inkl. Flutlichtmasten, was ja heute auch nicht mehr selbstverständlich ist), war selbst für Donnerstag Abend recht wenig los. Neben etwa 70-80 Babelsbergern vielleicht noch 20 bis 30 Freunde und Bekannte aus Hamburg, Düsseldorf, Leipzig (RSL) und eben Bremen. Stimmung war für die Anzahl eigentlich ganz okay, wirklich in Erinnerung ist aber nichts geblieben. Auch auf dem Platz ein mageres 0:0. Die Heimseite zeigt ja fast schon Bremer Verhältnisse. Jedenfalls steht der Ultrahaufen, welcher laut BFU Jahresrückblick wohl seit einiger Zeit halbwegs zusammen steht bzw. es zumindest probiert, doch sehr alleine im eigenen abgegrenzten Bereich der Kurve, während das normale Publikum die Haupttribüne und Teile der Gegentribüne bevölkert. Lok ist ja nun nicht gerade für seine Ultraszene bekannt, außer zwei Schwenkern war da auch echt nichts los. Alles in allem ein ziemlich trostloses Spiel, dem sich sogar das Wetter nach zunächst viel Sonnenschein anpasste. Ich gebe ja zu, dass ich ein wenig mehr Brisanz schon allein aufgrund der politisch teilweise sehr deutlich unterschiedlichen Auffassungen erwartet habe, aber selbst der Weg alleine zurück durch die Schrebergärten zur Tram und von dort zum Hauptbahnhof plus anschließender Fahrt mit Flixbus zurück nach Hannover war sehr entspannt. Einzig die Mücken ließen noch Tage später beim Chemie-Spiel erkennen, wer bei Lok dabei war.

KV Mechelen – Olympiakos Piräus 0:6, Sa. 08.07.17

Nach langer Zeit mal wieder ein kurzer Bericht, Grund dafür ist der Länderpunkt Belgien. Lange nicht für möglich gehalten, sollte es ganz spontan doch noch klappen.

Die Tage vorher verbrachte ich mit jeder Menge netter Menschen auf dem European Football Fans Congress in Gent und Lokeren. Veranstaltungsorte an beiden Tagen jeweils belgische Erstligastadien aber eben kein Spiel dort. Im Voraus war auch die Option auf ein Testspiel in der Umgebung eher unwahrscheinlich. Im Kopf schon bei den Planungen, statt FSE-Mitgliederversammlung mir Gent als Stadt noch etwas genauer anzugucken, ergab sich dann auf dem Weg zum Bahnhof doch noch die Möglichkeit. Zusammen mit 2 Gleichgesinnten wurde das oben genannte Spiel in der App gefunden, nach kurzer Kontrolle auf der Mechelen-Homepage, stellten sich Spielort und -zeit als richtig heraus.

Mit dem Zug ging es knapp 45 Minuten nach Mechelen und dank Handynavigation auch relativ schnell zum dortigen AFAS-Stadion. Immer gut, wenn man eine Person dabei hat, die der Sprache mächtig ist. Entsprechend unproblematisch war auch der Kartenkauf für knapp 10€ für den Sitzer. Funny fact hierbei die Tatsache, dass wir, obwohl wir 3 noch aneinander hängende Karten hatten, die Plätze 155, 156 und 159 hatten, zum Glück herrschte aber eh freie Platzwahl. Bevor wir unsere Plätze einnehmen konnten, hieß es aber erstmal den Einlass überwinden, was sich als schwieriger als erwartet herausstellte. Grund hierfür die verblüffende Logik der Belgier nach mehreren Terroranschlägen. Zwar gibt es im Stadion frei verkäuflich Getränke aus PET-Flaschen, die sich wunderbar als Wurfgeschoss eignen, den eigenen Beutel mit Klamotten und Heftchen drin darf man aber nicht mitnehmen. Da hilft es auch nicht, in der Landessprache den Sachverhalt zu erklären, dass man direkt vom Kongress mit dem Zug angereist ist und entsprechend kein Auto o.ä. hat, wo man seine Tasche lagern kann. Alles diskutieren half natürlich nichts, also erstmal wieder raus (was nach erneutem Scannen der Karten problemlos ging) und eine Möglichkeit finden, die Taschen loszuwerden. Zum Glück radelt der geneigte Belgier ja zum Fußballspiel und vergleichbar unserer Kontrolleure an den Autoparkplätzen gibt es hier entsprechende Personen am Fahrradparkplatz. Wir ernteten für unsere Frage, ob wir die Taschen dort lagern könnten zwar sehr verwirrte Blicke, aber unter einem Werbeaufsteller durften wir unsere Sachen dann doch lagern. Alle Wertsachen wie Laptops in die Hand genommen (Aussage der Security am Einsatz, alles, was wir in die Hand nehmen könnten, darf rein, aber eben keine Taschen) und zurück zum Stadion.

Diesmal klappte der Einlass problemlos und so ging es auf die Tribüne, die für ein Testspiel schon recht gut gefüllt war. Besonders auffällig der Kontrast im Stadion. Während unsere Tribüne noch eine der ursprünglichen Tribünen des Stadions ist, handelt es sich auf der gegenüberliegenden Seite um einen Neubau, der ob der schrägen Dachkonstruktion doch zu gefallen wusste. Im Gästeblock fanden sich einige Fans der Griechen (vor allem aus Deutschland, Zaunfahnen insbesondere der Sektion Wuppertal) ein, die Heimseite fiel dagegen durch 2 getrennte Supportblöcke auf. Hinter dem Tor eine Ultragruppe mit etwa 30 Personen im Alter von vielleicht 16 Jahren + 2 Vorsängern mit Trommel, Schwenkern und Zaunfahnen um Stimmung bemüht, auf der Gegentribüne eine deutlich kleinere Gruppe ebenfalls mit Schwenkern und Trommel. Man freut sich ja schon über Support beim Testspiel, aber nicht mal die selben Lieder singen, schon bescheuert. Die jungen Ultras hinterm Tor reagierten lieber auf den Wechselgesang angestimmt von einer Einzelperson auf unserer Tribüne. In der Halbzeit und damit verbundenem Stadionrundgang ernteten wir dann noch skeptische Blicke, als wir uns zu dritt dem Ultrablock näherten.

Auf dem Platz gestaltete sich das Spiel sehr einseitig. So gab es u.a. eine direkt verwandeltes Eckballtor und ein Kopfballtor unseres ehemaligen Kopfballungeheuerts Marko Marin zu sehen. Dass es mittlerweile selbst bei Testspielen in Belgien Videobeweis gibt, war mir bisher nicht bewusst. Wenn man dann aber auch nach Videobeweis noch die falsche Entscheidung trifft, macht eben diesen sinnlos. Aber auch vorher waren die Entscheidungen des Schiris ein wenig unglücklich. So setzte sich ein Mechelen Spieler nach Provokation des Griechen mit der Hand am Hals des Gegners zu wehr und es gab nicht mal gelb.

Etwa zur 70. Minute machten wir uns dann aber auch wieder auf den Weg, um unsere Taschen wieder in Empfang zu nehmen und auch noch etwas zu Essen vor der Rückfahrt zu suchen. Ich erzähle ja grundsätzlich immer jedem, dass wenn er sein Fahrrad nicht anschließt, am nächsten Tag 2 dort stehen. Dass dieses Prinzip aber tatsächlich klappt, merkt man erst in Belgien. Plötzlich lag nämlich eine weitere Tasche eines Schalkers auf unseren Taschen. Da aber noch alles in den Taschen war, halb so wild und so ging es in die Stadt, wo noch ein kurzer Weg über die Kirmes gemacht und eine Portion Pommes verspeist wurde, bevor es zurück zum Bahnhof und zurück nach Gent ging.

Länderpunkt Belgien und für mich auch der 100. Ground, quasi doppeltes Jubiläum!

Tennis Borussia Berlin – Anker Wismar 0:1, Fr. 09.12.16

Eigentlich war für heute Abend gar kein Spiel geplant. Stattdessen sollte sich weiter um meine zukünftige Anstellung an der Uni und damit verbundene benötigte Unterlagen gekümmert werden. Wie es dann so ist, nachmittags trudelt eine Nachricht per whatsapp ein, ob man sich nicht vor unserem Spiel morgen heute noch bei TeBe treffen wolle. Da ich besagtem Fragenden schon letzte Woche nach dem Heimspiel ein Bier auf seinen Geburtstag ausschlagen musste, blieb heute natürlich nur eine Option: hin da!

Auch wenn ich schon geschätzt ein Jahr nicht mehr im Mommse war, geändert hat sich nicht viel, der Weg zum Stadion ist immer noch komplett unbeleuchtet. Dafür erspähte das geschulte Auge Ordner am Gästeeingang. Sollte es heute im fünften Anlauf tatsächlich mein erstes Spiel mit Fans im Gästeblock des Mommsenstadions geben? Das größte der Gefühle bisher waren ein paar Mahlsdorfer mit Deutschlandfahne und großem Schwenker am anderen Ende der Haupttribüne vor einigen Jahren. Um es vorweg zu nehmen: ja, der Gästeblock war auf und es fanden sich auch etwa 10 Gästefans von Anker Wismar inkl. diverser Zaunfahnen (u.a. Freundschaftszaunfahne zu Dynamo Schwerin) und einem rot-weißen Schwenker ein, welche mir während des Spiels aber nur durch ein wenig Pöbel auffielen. Ansonsten hatte das Spiel leider wenig Highlights zu bieten, so dass man sich lieber interessanten Gesprächen und dem ein oder anderen Bier widmete. Natürlich war man aus Bremer Sicht nicht alleine, neben uns beiden traf man noch zwei/drei andere bekannte Nasen, die sich das Mommse bei Flutlicht ebenfalls gönnten.

Da wir noch eine S-Bahn kurz vor 10 kriegen wollten, machten wir uns etwa 5 Minuten vor Abpfiff auf dem Weg Richtung Haltestelle. Gewitzt, wie wir sind, wollten wir uns natürlich unnötige Wege sparen und da man bereits während des Spiels bemerkte, dass das Tor zum Gästeblock offen war, wollten wir die Abkürzung durch den Gästeblock Richtung Bahn nutzen. Klappte natürlich nicht. Der einzige Ordner vor Ort hatte allen Ernstes ein Problem damit, dass zwei neutrale Fußballfans durch “seinen” Gästeblock mit vielleicht 10 Personen auf der anderen Seite eben dieses Blocks kurz zur Bahn laufen. Auch das Angebot, ihm Rucksack oder Wertsachen als Pfand zu übergeben, überzeugten wohl nicht, so dass uns nichts anderes übrig blieb als doch noch einmal rund ums Stadion zu laufen. Bahn wurde natürlich doch noch gekriegt und fast hätten wir durch den Umweg auch noch das einzige Tor des Spiels (0:1 für Wismar) mitbekommen. Dieses fiel nämlich kurz vor Abpfiff, als wir gerade auf Höhe des Gästeblocks (von außen!) vorbei liefen. Als mein Begleiter Westkreuz umsteigen musste, merkte ich dann noch, dass ich ja gar keine Fahrkarte gestempelt habe und ehrlich wie ich bin natürlich extra ausgestiegen, gestempelt und ob der Wartezeit eine alternative Verbindung nach Hause genommen. So erlebt man wenigstens noch was an einem Freitag Abend und es sag noch einer, Alkohol benebelt die Sinne!

 

Energie Cottbus – Babelsberg 03 3:0, Sa. 19.11.16

Am heutigen 19.11.16 sollte es durch den Abstieg der Lausitzer in der letzten Saison zum ersten Ligaspiel seit 30 Jahren in Cottbus zwischen Energie und Babelsberg kommen. Aufgrund der Lage im selben Bundesland und dem politische Engagement der Babelsberger handelt es sich dennoch um ein Derby, auf das beide Fanszenen lange hin arbeiteten.

Bereits im Vorfeld des Spiels veröffentlichte die Cottbusser Fanszene unter  dem Motto “Babelsberg jagen” ein mehr als fragwürdiges Mobilisierungsvideo, das eher an terroristische Vereinigungen als an Fußball erinnerte. Auch sonst wurde die Gesinnung von Inferno und Co durch verschiedene “Juden Babelsberg” Graffitis und Tags im Stadtbild klargestellt, welche teilweise vorm Spieltag bereits wieder von Polizei und Stadt entfernt wurden, teilweise auch am Spieltag noch entlang des Fußwegs zum Stadion zu sehen waren.

Die Babelsberger mobilisierten dagegen unter dem Motto “Alle in schwarz” zu zwei Zugtreffpunkten in Babelsberg und Berlin Alexanderplatz, wo sich etwa 500 Mitreisende Babelsberger und viele befreundete Gruppen erst mit weiß-blauen Webschals eindecken konnten und von wo dann die gemeinsame knapp 1,5-stündige Reise Richtung polnische Grenze angetreten werden konnte. In Königs Wusterhausen meinte dann auch die Staatsmacht mit der Besatzung eines kompletten Polizei-Busses zusteigen zu müssen, was einerseits die Ankunftszeit immer weiter verzögerte und andererseits nicht unbedingt für ein positives Gefühl bei den Nicht-Fußballfans im Zug sorgte. Bis Ankunft am Cottbusser Hbf blieb es komplett ruhig und auch dort war erstmal von Energie-Fans nicht viel zu sehen. Polizei und Stadtverwaltung hatten dankenswerterweise extra für uns den gesamten Stadtring bis zum Stadion sperren lassen und so ging es zu Fuß mit Polizeibegleitung den zwanzigminütigen Weg zum Stadion. Man munkelt, dass die anderen norddeutschen Freunde, die mit Bus vorab nach Potsdam angereist waren, sogar ihre Zivis dabei hatten. Bis zur Überführung kurz vorm Stadion blieb es bei bewölktem Himmel mal abgesehen von besagten “Juden Babelsberg” Tags auch vollkommen unspektakulär. Auf der Überführung wurde es dann kurz hektisch, als man von Cottbus mit Leuchtspur und Böllern von unterhalb der Brücke beworfen bzw. beschossen wurde. War dann aber alles halb so wild und eigentlich waren die panischen Blicke der Ordnungshüter, die wohl mit sowas gar nicht gerechnet hatten, viel interessanter als die Cottbusser Aktion. Negativ vielen dazu noch die restlichen Cottbusser Szeneleute auf, die von unten “Arbeit macht frei, Babelsberg 03” skandierten.

Vor dem Stadion hieß es dann erstmal noch ewig warten, da das Stadion zwar schnell öffnen sollte, von Seiten der Ordner aber versucht wurde, immer nur kleine Gruppen von Fans direkt vor den Eingang zu lassen. Klappte dann auch eher semioptimal. Positiv überrascht war ich dagegen von den Ordnern. Kennt man sonst aus Cottbus immer nur schlecht gelaunte und ziemlich brutale Ordner, so konnte man heute sogar mit den Ordnern lachen und Schuhe ausziehen beschränkte sich wohl auch nur auf einige wenige. Negativ fiel dagegen das Versorgungsangebot auf. Alkohol gab es natürlich ob des Hochrisikospiels nicht, aber Erfrischungsgetränke für 4€ sind dann doch schon Bundesligapreise. Und die Bulette schmeckte auch scheiße!

Mit Kaffee ging es dann in den Gästeblock, in welchem der überdachte Stehbereich heute komplett gefüllt war, dürften wohl so 500 bis 600 Babelsberger gewesen sein. Wären auch die 5 bis 6 Personen im Sitzblock rüber gekommen, hätte das ganze vielleicht noch ein bisschen besser gewirkt. Die Gegentribüne war dagegen nur für Rollstuhlfahrer geöffnet. Da macht man vor dem Spiel so ein Trara in Cottbus und am Ende füllt man selbst gerade mal die eigene Hintertortribüne halbwegs (die Ecke von Ultima Raka war schon sehr leer) und einen Teil der Haupttribüne. Auch sonst fiel die Heimseite nicht gerade durch Support oder ähnliches besonders auf. Vor dem Spiel zeigte Ultima Raka zum 14. Geburtstag eine kleine Choreo mit dem Spruchband “Für Zecken sind wir Nazis, für Nazis Zecken – Seit 14 Jahren für Energie und unseren Sport”. Vielleicht sollte man sich lieber mal fragen, wieso die Cottbusser Szene von anderen als Nazis betitelt wird und was man dagegen tun kann, statt sich für solch blöde Sprüche zu feiern. Im Bereich des Collettivo Bianco Rosso gab es zudem rot-weiße Fähnchen und etwas Rauch. Insgesamt hatte ich mir von Cottbus deutlich mehr für ein Derby erwartet. Auch akustisch waren sie im Gästeblock nie wirklich zu hören, Material wurde kaum genutzt. Wenn dann selbst die mehr als peinliche Tshirt-Spruchband-Aktion “Fotzen Nulldrei” auf der Haupttribüne (!) im Gästeblock komplett ignoriert wird, ist eigentlich alles zu Cottbus gesagt.

Die Babelsberger legten dagegen von Anfang an gut los. Die weiß-blauen Schals gaben das gewünschte geschlossene Bild ab und fanden auch im Spiel immer mal wieder Verwendung. Gesänge waren positiver Weise heute wirklich viele Pro Babelsberg statt nur Gepöbel und Antigesänge, auch wenn der ein oder andere Babelsberger das gesamte Spiel vermummt am Zaun verbrachte und mehr auf Konfrontation aus zu sein schien. Gegenüber dem Auswärtsspiel beim BAK  gestaltete sich der Gesang heute deutlich lauter und abwechslungsreicher, auch wenn es ab Mitte der zweiten Halbzeit dann doch immer mehr Durchhänger gab. Bei einem frühen Rückstand, der am Ende noch bis auf 0:3 erhöht wurde, auch nicht weiter verwunderlich. Und auch unsere gemeinsame norddeutsche Ecke wirkte sehr textsicher. Ich bin einerseits positiv überrascht, wie viele Leute Babelsberg für so ein Spiel mobilisieren kann, andererseits muss man natürlich auch kritisch hinterfragen, wenn dagegen zu einem Spiel wie bei BAK, also quasi keine 30 Minuten von Babelsberg weg, nur vielleicht 100 Leute kommen. Nach dem Spiel  ging es bei zur Stimmung passendem Regen zurück zum Bahnhof, wo sogar noch der frühe RE erreicht wurde. Unterwegs traf man noch auf 2 bis 3 Cottbusser Kleingruppen, die aber alle von der Polizei schnell abgeschirmt wurden und auch der Bahnhof war für Babelsberger komplett gesperrt, trotzdem schafften es dankenswerter Weise noch einzelne Getränkekisten in den Zug.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass das Spiel sportlich deutlich und leider auch verdient an die Lausitzer ging und man in Potsdam weiter auf den Derbysieg warten muss. Auf den Rängen war Babelsberg bis Mitte der zweiten Hälfte echt gut drauf und akustisch, auch objektiv betrachtet, wirklich schwachen Cottbussern überlegen. Cottbus hat mit seinem Auftreten rund um das Spiel einmal mehr bewiesen, wie die Leute vor Ort so ticken und dass Energie einfach scheiße ist! Auch das Jagen der Babelsberger klappte zumindest am Spieltag ja doch nur semioptimal. Vielleicht klappt es aber ja wenigstens mit einer Karriere als Filmregisseure, für RTL 2 reicht es bestimmt!