Chemie Leipzig – Babelsberg 03 1:0, So. 06.08.17

Wenige Tage nach Lok direkt wieder Leipzig. Wieso ich nicht gleich da geblieben bin? Ganz einfach: es gab gewisse Verpflichtungen am Tag der Fans in Bremen, denen ich nachkommen musste. Entsprechend ging es auch auf der Hinfahrt alleine nach Leipzig, wo die Zeit bis zum Eintreffen der bekannten Nasen wie üblich in der Lounge verbracht wurde. Im Zug zunächst noch jede Menge Dortmunder, die wohl vom Supercup-Spiel kamen, am Bahnhof Leipzig weiterhin viel gelb-schwarz. Dabei handelte es sich aber um etwa 25 Personen der Fanszene aus Plauen, die mit Material wohl auf dem Weg nach Hoyerswerda waren (jedenfalls ging es für sie in die S-Bahn dorthin und damit nur eine S-Bahn bevor die Potsdamer per WET am selben Bahnsteig ankamen). In Polizeibegleitung ging es mit dem Potsdamer Zugfahrerhaufen kurz drauf in die S-Bahn Richtung Alfred-Kunze-Sportpark und vom dortigen Bahnhof hieß es nochmal etwa 15 Minuten Fußweg bei brütender Hitze. Die Polizei-Hundertschaft wirkte ob der Babelsberger Anwesenheit nicht ganz so begeistert, die ständigen Ermahnungen, man solle nicht auf der Gegenfahrbahn laufen, waren jedenfalls mehr als unnötig, da nur die Polizei selbst dort lief.

Vorm Stadion das typische Bild. 100 Leute wollen eine Karte, aber nur ein Kartenhäuschen hat auf, na toll. Für 6 Euro ermäßigt wechselte gefühlt 20 Minuten später aber doch noch eine Karte den Besitzer und gewährte Einlass in den schmalen, mehrstufigen Gästeblock. Ich mag ja irgendwie Stadien, die nach außen hin so offen sind, dass eigentlich nur ein Zaun Straße und Block trennt. Muss für die sonntäglichen Ausflügler mit ihren Fahrrädern sicher auch ein ungewohnter Anblick sein. Für den geneigten Fußballfan ist auch der Alfred-Kunze-Sportpark ein ungewohnter Anblick. Richtig geiles Stadion mit zweistöckiger, aber unüberdachter Heimkurve inklusive großem Banner. Der Hopperauflauf auf der überdachten Haupttribüne wird sich heute wohl in Grenzen gehalten haben (man hört da ja immer wilde Geschichten), spielte das Wochenende vorher doch Lok beim Derby dort.

Während die Heimkurve mit großer, bunter Blockfahne ins Spiel startete, gab es im Gästeblock zunächst eine kurze Ansage, welche Möglichkeiten man durch den Aufstieg von Chemie nun doch hätte, seine Spuren (akustischer Natur) im Gästeblock zu hinterlassen. Trotz vollem Stehbereich und gutem Wetter wirkten die Worte im Rückblick dann doch eher hemmend. Legte man gut und laut los, flachten die Gesänge ab Mitte der ersten Hälfte schon sehr ab. Zwischendurch konnte bei Klatscheinlagen immer mal wieder der ganze Block mit einbezogen werden, viele kämpften aber doch eher mit ihrem Hass auf die Stadiongastronomie. Das Bier war wohl einerseits alkoholfrei (wofür sich die Chemiker im Nachgang entschuldigten und mit Freibier beim nächsten Spiel dort für die Gäste aus Babelsberg warben) und andererseits wie auch die Cola einfach schlecht. Standen wohl zu lange in der Sonne oder waren noch die Reste vom Lok-Spiel. Zum Trost gab es das ein oder andere Gratiseis, natürlich genau in dem Moment, als ich im hinteren Teil des Blocks war. Zum Glück hatte ich morgens mein Kaktuseis. Ihr merkt, was in anderen Hoppingberichten das Bier, ist bei mir das Eis.

War das Spiel von Anfang an hart umkämpft und ein Unentschieden wäre wohl nur fair gewesen, gab es fünf Minuten vor Abpfiff noch den unnötigen 1:0-Siegtreffer der Hausherren zu bestaunen. Ich scheine den Potsdamern jedenfalls kein Glück zu bringen.

So ging es gesenkten Hauptes nach Abpfiff raus und gemeinsam zurück zum Bahnhof, wo ich mir in der vollen S-Bahn sogar noch einen Sitzplatz sichern konnte. Aufgrund der zahlreichen Mitfahrer in der S-Bahn verzögerte sich deren Ankunft am Hauptbahnhof doch etwas, was es für uns in Richtung Hannover Weiterreisenden nochmal spannend machte, sagte die App bei Abfahrt der S-Bahn doch noch +0 beim IC. Im Hbf mit viel Rennerei noch was (zu teures) zu essen und trinken gesucht, nur um dann am Bahnsteig zu erfahren, dass die Bahn wegen Warten auf Anschlussreisende und das Bordpersonal mit 20-minütiger Verspätung abfahren solle. Wieso steht sowas 10 Minuten vorher nicht in der App? Danke Deutsche Bahn. Aus 20 Minuten wurden bis Hannover dann fast 50 Minuten, schönes Ende des Wochenendes, auch weil der IC weiter nach Bremen für meinen Mitfahrer natürlich auch weg war und es RE hieß. Immerhin kann ich nun zwei meiner bis dahin noch offenen Wunschstadien abhaken!

Lok Leipzig – Babelsberg 03 0:0, Do. 03.08.17

Ich bin ja nun echt nicht so der Hopper, wie man auch den nicht gerade zahlreichen Berichten in diesem Teil des Blogs entnehmen kann. Aber auch für mich gibt es ein paar Stadien, die ich unbedingt noch besuchen möchte. Zwei davon befinden sich in Leipzig, wo ich bisher nur im zwar schönen, aber von einem Quatschverein bespielten Zentralstadion war. Wie es der Zufall so wollte, bot sich noch vor Start der Bundesligasaison die Möglichkeit, sowohl das Bruno-Plache-Stadion als auch den Alfred-Kunze-Sportpark innerhalb weniger Tage hintereinander zu machen. Donnerstag Abend Lok-Babelsberg, drei Tage später Chemie-Babelsberg. Und auch Mal wieder die Möglichkeit, ein paar bekannte Nasen abseits von grün-weiß zu sehen. Nach kurzer Rückfrage bei der Chefin, was sie zu einem Tag Urlaub sagt, hieß es nur noch Mitreisende zu finden. Klappte dann auch recht schnell.

Donnerstag früh Feierabend gemacht und Dank IC über Braunschweig nach Dresden mussten nicht mal viele Überstunden dran glauben. Nach absolut unspektakulärer Fahrt waren wir früh in der Messestadt und so musste noch das ein oder andere Kaktuseis in der Lounge dran glauben. Um den Babelsberger Bushaufen am zugehörigen Parkplatz in Empfang zu nehmen, wurde recht früh auch die Tram geentert, wo man doch die Blicke auf sich zog. Also an mir lag es nicht… Am Busparkplatz angekommen war außer viel Staatsmacht während der gesamten Wartezeit nur ein Fuchs zu sehen, dort gab es sonst aber auch nur Schrebergärten. Wir also schön zwei Stunden vor Anpfiff am Busparkplatz gelangweilt und immer wieder vertröstet worden, nur um dann kurz vor Anpfiff darüber informiert zu werden, dass der Bus schlussendlich direkt zum Gästeblock gebracht würde. Tolle Wurst, sind ja nur 15 Minuten Fußweg bei 10 Minuten bis Anpfiff. Trotz zügigem Lauf reichte es natürlich nicht mehr zum Anpfiff, kurz nach eben diesem waren aber auch wir am Einlass und konnten die Sachen bei der Gepäckabgabe loswerden.

Im Stadion, welches den meisten Lesern hier doch bekannt sein sollte (nette Oldschool-Bude mit überdachter Haupttribüne und zwei Kurven plus Gegengerade mit Stehplätzen inkl. Flutlichtmasten, was ja heute auch nicht mehr selbstverständlich ist), war selbst für Donnerstag Abend recht wenig los. Neben etwa 70-80 Babelsbergern vielleicht noch 20 bis 30 Freunde und Bekannte aus Hamburg, Düsseldorf, Leipzig (RSL) und eben Bremen. Stimmung war für die Anzahl eigentlich ganz okay, wirklich in Erinnerung ist aber nichts geblieben. Auch auf dem Platz ein mageres 0:0. Die Heimseite zeigt ja fast schon Bremer Verhältnisse. Jedenfalls steht der Ultrahaufen, welcher laut BFU Jahresrückblick wohl seit einiger Zeit halbwegs zusammen steht bzw. es zumindest probiert, doch sehr alleine im eigenen abgegrenzten Bereich der Kurve, während das normale Publikum die Haupttribüne und Teile der Gegentribüne bevölkert. Lok ist ja nun nicht gerade für seine Ultraszene bekannt, außer zwei Schwenkern war da auch echt nichts los. Alles in allem ein ziemlich trostloses Spiel, dem sich sogar das Wetter nach zunächst viel Sonnenschein anpasste. Ich gebe ja zu, dass ich ein wenig mehr Brisanz schon allein aufgrund der politisch teilweise sehr deutlich unterschiedlichen Auffassungen erwartet habe, aber selbst der Weg alleine zurück durch die Schrebergärten zur Tram und von dort zum Hauptbahnhof plus anschließender Fahrt mit Flixbus zurück nach Hannover war sehr entspannt. Einzig die Mücken ließen noch Tage später beim Chemie-Spiel erkennen, wer bei Lok dabei war.

Energie Cottbus – Babelsberg 03 3:0, Sa. 19.11.16

Am heutigen 19.11.16 sollte es durch den Abstieg der Lausitzer in der letzten Saison zum ersten Ligaspiel seit 30 Jahren in Cottbus zwischen Energie und Babelsberg kommen. Aufgrund der Lage im selben Bundesland und dem politische Engagement der Babelsberger handelt es sich dennoch um ein Derby, auf das beide Fanszenen lange hin arbeiteten.

Bereits im Vorfeld des Spiels veröffentlichte die Cottbusser Fanszene unter  dem Motto „Babelsberg jagen“ ein mehr als fragwürdiges Mobilisierungsvideo, das eher an terroristische Vereinigungen als an Fußball erinnerte. Auch sonst wurde die Gesinnung von Inferno und Co durch verschiedene „Juden Babelsberg“ Graffitis und Tags im Stadtbild klargestellt, welche teilweise vorm Spieltag bereits wieder von Polizei und Stadt entfernt wurden, teilweise auch am Spieltag noch entlang des Fußwegs zum Stadion zu sehen waren.

Die Babelsberger mobilisierten dagegen unter dem Motto „Alle in schwarz“ zu zwei Zugtreffpunkten in Babelsberg und Berlin Alexanderplatz, wo sich etwa 500 Mitreisende Babelsberger und viele befreundete Gruppen erst mit weiß-blauen Webschals eindecken konnten und von wo dann die gemeinsame knapp 1,5-stündige Reise Richtung polnische Grenze angetreten werden konnte. In Königs Wusterhausen meinte dann auch die Staatsmacht mit der Besatzung eines kompletten Polizei-Busses zusteigen zu müssen, was einerseits die Ankunftszeit immer weiter verzögerte und andererseits nicht unbedingt für ein positives Gefühl bei den Nicht-Fußballfans im Zug sorgte. Bis Ankunft am Cottbusser Hbf blieb es komplett ruhig und auch dort war erstmal von Energie-Fans nicht viel zu sehen. Polizei und Stadtverwaltung hatten dankenswerterweise extra für uns den gesamten Stadtring bis zum Stadion sperren lassen und so ging es zu Fuß mit Polizeibegleitung den zwanzigminütigen Weg zum Stadion. Man munkelt, dass die anderen norddeutschen Freunde, die mit Bus vorab nach Potsdam angereist waren, sogar ihre Zivis dabei hatten. Bis zur Überführung kurz vorm Stadion blieb es bei bewölktem Himmel mal abgesehen von besagten „Juden Babelsberg“ Tags auch vollkommen unspektakulär. Auf der Überführung wurde es dann kurz hektisch, als man von Cottbus mit Leuchtspur und Böllern von unterhalb der Brücke beworfen bzw. beschossen wurde. War dann aber alles halb so wild und eigentlich waren die panischen Blicke der Ordnungshüter, die wohl mit sowas gar nicht gerechnet hatten, viel interessanter als die Cottbusser Aktion. Negativ vielen dazu noch die restlichen Cottbusser Szeneleute auf, die von unten „Arbeit macht frei, Babelsberg 03“ skandierten.

Vor dem Stadion hieß es dann erstmal noch ewig warten, da das Stadion zwar schnell öffnen sollte, von Seiten der Ordner aber versucht wurde, immer nur kleine Gruppen von Fans direkt vor den Eingang zu lassen. Klappte dann auch eher semioptimal. Positiv überrascht war ich dagegen von den Ordnern. Kennt man sonst aus Cottbus immer nur schlecht gelaunte und ziemlich brutale Ordner, so konnte man heute sogar mit den Ordnern lachen und Schuhe ausziehen beschränkte sich wohl auch nur auf einige wenige. Negativ fiel dagegen das Versorgungsangebot auf. Alkohol gab es natürlich ob des Hochrisikospiels nicht, aber Erfrischungsgetränke für 4€ sind dann doch schon Bundesligapreise. Und die Bulette schmeckte auch scheiße!

Mit Kaffee ging es dann in den Gästeblock, in welchem der überdachte Stehbereich heute komplett gefüllt war, dürften wohl so 500 bis 600 Babelsberger gewesen sein. Wären auch die 5 bis 6 Personen im Sitzblock rüber gekommen, hätte das ganze vielleicht noch ein bisschen besser gewirkt. Die Gegentribüne war dagegen nur für Rollstuhlfahrer geöffnet. Da macht man vor dem Spiel so ein Trara in Cottbus und am Ende füllt man selbst gerade mal die eigene Hintertortribüne halbwegs (die Ecke von Ultima Raka war schon sehr leer) und einen Teil der Haupttribüne. Auch sonst fiel die Heimseite nicht gerade durch Support oder ähnliches besonders auf. Vor dem Spiel zeigte Ultima Raka zum 14. Geburtstag eine kleine Choreo mit dem Spruchband „Für Zecken sind wir Nazis, für Nazis Zecken – Seit 14 Jahren für Energie und unseren Sport“. Vielleicht sollte man sich lieber mal fragen, wieso die Cottbusser Szene von anderen als Nazis betitelt wird und was man dagegen tun kann, statt sich für solch blöde Sprüche zu feiern. Im Bereich des Collettivo Bianco Rosso gab es zudem rot-weiße Fähnchen und etwas Rauch. Insgesamt hatte ich mir von Cottbus deutlich mehr für ein Derby erwartet. Auch akustisch waren sie im Gästeblock nie wirklich zu hören, Material wurde kaum genutzt. Wenn dann selbst die mehr als peinliche Tshirt-Spruchband-Aktion „Fotzen Nulldrei“ auf der Haupttribüne (!) im Gästeblock komplett ignoriert wird, ist eigentlich alles zu Cottbus gesagt.

Die Babelsberger legten dagegen von Anfang an gut los. Die weiß-blauen Schals gaben das gewünschte geschlossene Bild ab und fanden auch im Spiel immer mal wieder Verwendung. Gesänge waren positiver Weise heute wirklich viele Pro Babelsberg statt nur Gepöbel und Antigesänge, auch wenn der ein oder andere Babelsberger das gesamte Spiel vermummt am Zaun verbrachte und mehr auf Konfrontation aus zu sein schien. Gegenüber dem Auswärtsspiel beim BAK  gestaltete sich der Gesang heute deutlich lauter und abwechslungsreicher, auch wenn es ab Mitte der zweiten Halbzeit dann doch immer mehr Durchhänger gab. Bei einem frühen Rückstand, der am Ende noch bis auf 0:3 erhöht wurde, auch nicht weiter verwunderlich. Und auch unsere gemeinsame norddeutsche Ecke wirkte sehr textsicher. Ich bin einerseits positiv überrascht, wie viele Leute Babelsberg für so ein Spiel mobilisieren kann, andererseits muss man natürlich auch kritisch hinterfragen, wenn dagegen zu einem Spiel wie bei BAK, also quasi keine 30 Minuten von Babelsberg weg, nur vielleicht 100 Leute kommen. Nach dem Spiel  ging es bei zur Stimmung passendem Regen zurück zum Bahnhof, wo sogar noch der frühe RE erreicht wurde. Unterwegs traf man noch auf 2 bis 3 Cottbusser Kleingruppen, die aber alle von der Polizei schnell abgeschirmt wurden und auch der Bahnhof war für Babelsberger komplett gesperrt, trotzdem schafften es dankenswerter Weise noch einzelne Getränkekisten in den Zug.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass das Spiel sportlich deutlich und leider auch verdient an die Lausitzer ging und man in Potsdam weiter auf den Derbysieg warten muss. Auf den Rängen war Babelsberg bis Mitte der zweiten Hälfte echt gut drauf und akustisch, auch objektiv betrachtet, wirklich schwachen Cottbussern überlegen. Cottbus hat mit seinem Auftreten rund um das Spiel einmal mehr bewiesen, wie die Leute vor Ort so ticken und dass Energie einfach scheiße ist! Auch das Jagen der Babelsberger klappte zumindest am Spieltag ja doch nur semioptimal. Vielleicht klappt es aber ja wenigstens mit einer Karriere als Filmregisseure, für RTL 2 reicht es bestimmt!

 

Berliner AK – Babelsberg 03 2:0, So. 16.10.16

Nach längerer Zeit mal wieder bei einem Nicht-Werder-Spiel gewesen. Babelsberg spielt beim BAK im Poststadion bei mir um die Ecke, was liegt da näher als ein Spielbesuch Sonntag Mittag? Bereits für 12 Uhr wurde zum gemeinsamen Treffen am Hauptbahnhof gerufen, allerdings waren auch 15 Minuten nach 12 erst wenige Leute am Treffpunkt, so ging es mit vllt. 30 Leuten zu Fuß die knapp 10 Minuten zum Stadion. Die Organisation beim BAK wirkte ein wenig überfordert. Zunächst gab es an zwei Kassenhäuschen, die was von Weihnachtsmarkt hatten, die gleichen Karten zu unterschiedlichen Preisen. Während sie laut Aushang etwas weniger kosteten, wurden sie an der Nachbarkasse zum aufgedruckten höheren Preis verkauft. Erst nach 5 Leuten fiel das ganze auf und das Chaos war perfekt. Auch an den Eingängen zum Gästeblock lief es nicht unbedingt besser. Nachdem die ersten drin waren und nun auch der Rest der Babelsberger am Stadion auftauchte, gab es zunächst Stress mit einem etwas komischen Ordner mit fragwürdiger Gesinnung. Gleichzeitig wurden die Trommelsticks zunächst für Pyro gehalten und erst nach eingehender Kontrolle mit reingelassen. Drinnen dann ein ähnliches Spielchen. Bis es das erste Bier mit mehr Flüssigkeit als Schaum gab, dauerte es eine halbe Ewigkeit. Andere Getränke wurden zunächst in Flaschen rausgegeben, bevor die Thekenkräfte panisch die Flaschen der Zuschauer gegen Becher tauschen wollten. Das Essen dagegen soll hier ruhig lobend Erwähnung finden. Lecker Köfte im Fladenbrot für 3€!

Im weiten Stehblock wurde sich zunächst sehr breit aufgestellt, der Ultrahaufen postierte sich hinter 2 Fahnen am Wellenbrecher und Bändern links und rechts in der Mitte des Blocks. Dafür, dass es von Potsdam nach Berlin nun wirklich weit ist, war ich ob der Anzahl an Gästen allerdings etwas enttäuscht. Klar, insgesamt waren vllt. 50% der 758 Zuschauer Gäste, für die Zeit und Entfernung wäre aber sicher mehr drin. Trotz der geringen Gästezahl war der Support zu Beginn ganz gut. Es gab immer mal abwechselnd eher textlastige als auch weniger textlastige Lieder, so dass auch ich als Gast mitsingen konnte. Mit zunehmendem Spiel und immer schlechterer Leistung der Gäste auf dem Platz wurde es auch im Block ruhiger und das Spiel bei Bier und Gesprächen einfach nur betrachtet. Die Heimmannschaft ging früh in Führung und ließ im gesamten Spiel nur 2 bis 3 gute Chancen der Babelsberger zu. Da es auf Heimseite keine Fanszene gibt, blieb es außer ein paar Anfeuerungsrufen von Kindern auf der außer dem Gästeblock nur geöffneten Haupttribüne ruhig.

Am Ende bleiben wohl nur das Chaos beim BAK und das für ein Regionalligaspiel immense Polizeiaufgebot in Erinnerung.

Hertha BSC U23 – FC Schönberg 95 3:0, Do. 21.04.16

Produktivität bei der Masterarbeit heute eher suboptimal, also spontan entschieden, sich einem Freund anzuschließen und doch noch abends zum Fußball zu gehen. Im Berliner Amateurstadion sollte das Nachholspiel der Regionalliga Nordost zwischen Hertha BSC II und dem FC Schönberg 95 stattfinden, quasi ein wahres Topspiel. Nach ein wenig Hetzerei aufgrund Verspätung der Züge nach Berlin klappte es dann doch pünktlich zum Anpfiff in den Olympiapark. Die Kontrollen finden hier sinnloserweise direkt bei Eintritt in den Olympiapark statt und nicht erst vorm Stadion, wie es zu erwarten wäre. Auf dem Weg zum Stadion dann noch 2 Herthafans mit jede Menge Schals und Fahnen getroffen. Nicht gerade meine Welt aber da der eine mir anbot, eine seiner zwei Freikarten zu bekommen, sagt man nicht nein. So ging es kostenlos wahlweise als eingefleischtrr Herthafan (DK-Inhaber) oder Kind ins Stadion (jedenfalls waren das die beiden Optionen auf der Karte, interessierte aber absolut niemanden) und dank freier Platzwahl auch erstmal schön zu zweit auf die Tribüne.

Zum Spiel gibt es eigentlich nicht so viel spannendes zu berichten. Hertha ziemlich überlegen und entsprechend verdient früh in Führung. Die zwei angesprochenen Kutten standen mit 2 Kindern 90 Minuten Fahne schwenkend und teilweise singend im kleinen Stehblock. Lustig anzusehen. Weiteres Highlight waren die regelmäßigen Hertha-Fans, welche an uns vorbei zu unseren Sitznachbarn gingen und sich Autogramme holten. Keine Ahnung, wer das so prominentes war. Kurz vor der Halbzeit gesellten sich noch ein paar Harlekins auf die Tribüne. Da es kurz vor der Pause war für uns Zeit, den Bierstand aufzusuchen und uns die zweite Halbzeit neben Zecke Neuendorf anzuschauen (ja, den kenne sogar ich). Außer 2 weiteren Toren fürs Heimteam und ein paar bösen Blicken eines Ordners, der nicht damit einverstanden war, dass ich direkt neben dem Spielfeld Bilder machte, gibt es dann auch nichts mehr zu berichten.

FC Carl Zeiss Jena – FSV Zwickau 0:1, So. 29.11.15

Eigentlich würde ich euch hier jetzt mit dem Bericht zum Spiel Chemie Leipzig gegen FSV Zwickau II beglücken. Per Fernbus um kurz nach zehn in Leipzig angekommen, war den anderen beiden Chemie dann doch nicht interessant genug und so wurde sich spontan entschieden, mit dem Wochenendticket für weitere 16 Euro weiter nach Jena zu fahren. Um 14:05 sollte hier das Spiel Carl Zeiss Jena gegen die erste Mannschaft des FSV Zwickau stattfinden. Da ich auch im Ernst-Abbe-Sportfeld noch nicht war, sprach von meiner Seite nichts dagegen und so wurde die Reise über Weltstädte wie Weißenfels und Großheringen gen Paradies angetreten. Klingt komisch, ist aber so! Von Jena Paradies beträgt der Fußweg nur knapp 10 Minuten und so fanden wir uns nach kurzem Kartenkauf (Steher ermäßigt für sieben Euro) schnell in der Schlange der Einlasskontrollen. Nachdem ich mich gestern in Bremen noch wunderte, wie lasch die Kontrollen nach den Ankündigungen vorab abliefen, durfte ich heute dann doch mal alle Taschen leeren und auch die Kamera noch aus ihrer Tasche holen. Den Blick des Ordners, als ich ihm anbot, die Kamera selbst zu inspizieren, war es allemal wert. Pünktlich zu unserem Eintritt ins Stadion versammelte sich die heimische Horda Azzuro nur für uns vorm eigenen Verkaufsstand zum gemeinsamen Weg in den Block. Schon lustig, wenn man plötzlich inmitten der örtlichen Ultragruppe steht, obwohl man sich doch eigentlich gekonnt unauffällig verhalten will. Da wir aber in Shoppinglaune waren, entschlossen wir uns, nicht mit unserer neuen Gruppe in den Block zu gehen sondern stattdessen noch was zu lesen und kleben zu kaufen. Dies konnte dann mit einem Bratwurstdealer (Spieltagsheft der HA), einem Legionär (280-seitiges Hoppingheft aus Jena) und insgesamt knapp 20 verschiedenen Klebermotiven aus der örtlichen Wühlkiste zur Erweiterung der Sammlung sehr erfolgreich umgesetzt werden. Jetzt weiß ich auch endlich, wozu Winterjacken so viele versteckte Taschen haben. Mit gefüllten Taschen (klingt ebenfalls komisch) wurde dann noch von den Nebenplätzen des Ernst-Abbe-Sportfeldes das Panorama des nebenan gelegenen Berges genossen, bevor uns laute Martinshörner Richtung Heimkurve zogen. Dort angekommen waren 15 bis 20 Polizisten in voller Montur vor dem Heimblock zu sehen. Gab wohl etwas Stress aufgrund des Versuchs, den Block ohne weitere Kontrollen zu stürmen. Könnte auch daran gelegen haben, dass in der Nacht von Donnerstag auf Freitag Fans des FCC die gesamte nebeneinander befindliche Heim- und Gästekurve in den Vereinsfarben blau-weiß-gelb bemalt hatten, worauf Stadt und Verein Samstag alles wieder grau gepinselt haben. Begründet wurde dies damit, dass die gelb hervorgehobenen Fluchtwege nicht mehr klar erkennbar waren und das Spiel dadurch vor einer Absage gestanden hätte. Am Spieltag war die blau-weiß-gelbe Farbgebung jedenfalls leider nur noch im Pufferblock erkennbar. Beide Seiten nutzten im Laufe des Berichts noch folgende Spruchbänder zur Thematisierung des Ganzen.

Für uns ging es wieder zurück in Richtung des Blocks direkt neben der Haupttribüne gegenüber der Heim- und Gästekurve und auf weitere Erkundung des Stadions. Das Ernst-Abbe-Sportfeld ist ein wahres Oldschool-Stadion mit Laufbahn, einer großen überdachten Haupttribüne und rundrum verlaufenden unüberdachten Stehtribünen. Die Flutlichtmasten mussten zu Zeiten des Hochwassers vor einigen Jahren aufgrund von Unterspülung entfernt werden und so stellt der Holzturm mit Uhr und Carl Zeiss Logo auf dem Vereinsheim quasi die höchste Erhebung dar.

Sowohl Heim- als auch Gästeblock waren gut beflaggt. So hing vor der Heimkurve der große „Unbeugsam und unverkäuflich“-Banner gegen den am Verein beteiligten Investor und hinter dem Block die große „Ernst-Abbe-Sportfeld“-Fahne, welche leider aufgrund des starken Windes kaum zu lesen war. Während auf Heimseite die Freunde aus München mit einem Schickeria-Lappen anwesend waren, zeigte man auf Zwickauer Seite einen Ultras Dynamo-Fetzen neben der Red Kaos Fahne. Die Gästefans positionierten sich im Block hinter den ersten Wellenbrechern, an denen die in kyrillischer Schrift gehaltene Ultra-Fahne befestigt war. Sieht zwar wirklich nett aus, von der Anzahl an Gästefans war ich aber wirklich enttäuscht. Auch sonst gab es sowohl optisch als auch akustisch nichts sonderlich dolles von den Sachsen. Ein einzelner roter Schwenker war dauerhaft im sonst eher schwarz gehaltenen Block im Einsatz. Akustisch konnte nur wirklich selten etwas vernommen werden, einzig bei Klatsch- und Hüpfeinlagen merkte man ein wenig Motivation. Auf Heimseite waren viele gelbe und blaue Schwenker und Doppelhalter dauerhaft in Aktion und auch die Gesänge kamen sehr melodisch und auch etwas textreicher rüber. Nicht ganz so textreich dafür umso lauter bleibt das schon letzte Woche in Babelsberg öfter gesungene „Jena, Jena, Jena, Jena“ in Erinnerung. Vom Spiel bleibt dagegen eher wenig in Erinnerung. Sehr umkämpfte Angelegenheit mit sichtbaren Vorteilen für den FCC. Das einzige Tor des Tages machte aber Zwickau. Jena drängte zwar ab dem Gegentor immer mehr, scheiterte aber des öfteren am Torwart der Zwickauer. Apropos Torwart: Sein Gegenüber auf Jenenser Seite schaffte es, sich auf eher negative Weise in Erinnerung zu halten. Nach Abpfiff haute er einen der Zwickauer Spieler um, was zu einigen Tumulten und einer roten Karte für ihn führte. Auf dem Weg in die Kabine wurde dann auch das Schirigespann ausgepfiffen und mit Gegenständen beworfen, wobei der Linienrichter nach einem Treffer zu Boden ging. Wenn schon zwischen den Fanlagern ncht viel los ist. Trotzdem total unnötig und wird sicher noch Folgen für den Verein haben.

Folgen verhindert wurden durch den Verein dagegen wie bereits erwähnt durch Graumalerei im Stadion. Die Wiedererkennbarkeit der markierten Fluchtwege wurde während des Spiels sowohl von Heim- als auch Gästeseite mit Spruchbändern thematisiert. Auf Heimseite folgten auf ein „Südkurve bleibt unbequem“ und ein „Ernst-Abbe-Sportfeld: Südkurve grau, kein Flutlicht, Kaninchen in der Nordkurve, ein Ort zum flüchten“ mit einem „Zum Glück gibt es Fluchtwege“ und einem roten „Verpisst euch“ sarkastische aber auch klare Statements. Letzteres wurde unter anderem von einem „Cops“ Doppelhalter umgeben und von „Alle Bullen sind Schweine“-Gesängen akustisch untermalt. Die Gästekurve zeigte zur Thematik einen „Einen Fluchtweg, einen Fluchtweg, einen Fluchtweg bauen wir“-Banner. Bereits zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es im Gästeblock einen „Geburtstagsgruß“ an den NOFV in Form eines „Wir gratulieren zu 25 Jahren Stasi-Herrschaft nach der DDR: Alles Gute Silbermöven NOFV“-Spruchbandes.

Nach Abpfiff ging es für uns dann über Jena-Paradies, Großheringen, Halle und Magdeburg zurück nach Berlin. Einzig nervig war der Schaffner im Zug nach Magdeburg, der tatsächlich die Ausweise aller drei auf unserem Ticket eingetragener Personen sehen wollte und anschließend noch rumpöbelte. Ansonsten muss man sagen: entspannte WET-Tour, neues Stadion und vor allem viele neue Städte und Dörfer im Osten der Republik 😀

 Bilder gibt es hier: nurdersvw.de

SV Babelsberg 03 – FC Carl Zeiss Jena 0:0, Fr. 20.11.15

Freitag Abendspiel und mit Carl Zeiss Jena ein interessanter Gegner mit Fanszene. Grund genug für mich, mal wieder Babelsberg 03 und dem netten Karl-Liebknecht-Stadion einen Besuch abzustatten. Rund um den Babelsberger S-Bahnhof dann auch gleich von einer Menge Polizisten begrüßt worden, man rechnete wohl mit großem Andrang oder besteht jetzt schon Terrorgefahr in Liga 4? Am Ende waren es dann leider nur knapp 3300 Zuschauer, die den Weg ins Stadion fanden. Wenn man bedenkt, dass Jena immerhin Tabellenführer ist, schon ein wenig ernüchternd. Vielleicht klingt ein Duell der beiden besten Defensivmannschaften der Liga dann doch nicht soooo verlockend.

Aber egal, vor dem Spiel hieß es auf Heimseite erstmal fleißig Spenden für die geplante Choreo sammeln. Bei dieser wurde mit Anpfiff an der vorderen zweier blau-weiß-blauer Stoffbahnen am vorderen Zaun (hier inkl. gebastelter Flutlichtmasten) und hinter dem Block ein Babelsberg 03 Logo hochgezogen und vom M-Block dazu passende blaue bzw weiße Folien hochgehalten. Nachdem die Folien weg waren, leuchtete der Block von Wunderkerzen erhellt. Nichts großes, aber sah schon ganz nett aus und kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Neben besagten Stoffbahnen hingen das schon bei vorherigen Spielen gezeigte „Keep on fighting Yuri“ Spruchband für einen israelischen Ultra und der „We love Cem!“-Banner für Trainer Cem Efe nach dessen klaren Worten bezüglich Rassismus im Anschluss an das Zwickau-Spiel, welcher schon in Halberstadt hing, vor dem N-Block. Während der ersten Halbzeit waren die Babelsberger außer bei einzelnen „Yalla SVB“ von meiner gegenüberliegenden Position eher seltener zu hören, auch optisch fiel man außer durch 2 bis 3 eher unregelmäßig aktiven Schwenkern kaum auf. Ende der ersten Hälfte erinnerte der M-Block mit einem „Antifa bleibt notwendig – In Gedenken an Silvio Meier“ Spruchband an den heute vor 23 Jahren am U-Bahnhof Samariterstraße in Berlin-Friedrichshain von einem Nazi ermordeten Silvio Meier. Die Jenenser im relativ gut beflaggten Gästeblock waren von meinem Standort im O-Block an der Ecke zur Haupttribüne deutlich öfter zu vernehmen. Hinter der Südkurven-Zaunfahne waren etwa 50 bis 60 Jungs und Mädels dauerhaft aktiv und wussten mit Schalparaden und ähnlichem zu überzeugen. Auch hier waren 2 bis 3 größere Schwenker allerdings wesentlich häufiger in Aktion. Zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es auf Babelsberger Seite eine zweite Choreo, bestehend aus einem kyrillischen Spruchband vor dem Block und mehreren an Doppelhaltern befestigten Konterfeis von Faschisten in Russland ermordeter Antifaschisten in Verbindung mit einem „Fascism kills“-Spruchband im Block (ein Infotext hierzu findet sich im Ultra Unfug zu diesem Spiel und bei amaranto). Akustisch und optisch änderte sich am Bild von Halbzeit 1 wenig, die beiden Babelsberger Vorsänger versuchten immer wieder, die Menge zu mehr Support zu animieren, was teilweise auch gelang.

Auf dem Platz war zunächst Jena spielangebend. Die Thüringer erarbeiteten sich immer wieder einzelne, wenn auch nicht zwingende, Torchancen. Babelsberg gelang mit einer seiner ersten Chancen in der 24. Minute ein Tor, welches allerdings wegen Abseits nicht gegeben wurde. Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich ein ziemlich ausgeglichenes Spiel, bei welchem Babelsberg mit zunehmender Spielzeit immer besser wurde und sich in der zweiten Halbzeit mehrere Ecken und auch Torchancen erarbeitete. Ein Tor blieb trotz allem bis zum Schluss aus, was auch daran lag, dass wie in Halbzeit eins auf Babelsberger Seite, diesmal auf Jenenser Seite ein Tor aufgrund Abseitsstellung kurz vor Ende keine Anerkennung fand. Das Duell der beiden defensivstärksten Mannschaften endete am Ende also 0:0, war bei diesen Vorzeichen vielleicht auch nicht anders zu erwarten.

 Bilder gibt es hier: nurdersvw.de