Chemie Leipzig – Babelsberg 03 1:0, So. 06.08.17

Wenige Tage nach Lok direkt wieder Leipzig. Wieso ich nicht gleich da geblieben bin? Ganz einfach: es gab gewisse Verpflichtungen am Tag der Fans in Bremen, denen ich nachkommen musste. Entsprechend ging es auch auf der Hinfahrt alleine nach Leipzig, wo die Zeit bis zum Eintreffen der bekannten Nasen wie üblich in der Lounge verbracht wurde. Im Zug zunächst noch jede Menge Dortmunder, die wohl vom Supercup-Spiel kamen, am Bahnhof Leipzig weiterhin viel gelb-schwarz. Dabei handelte es sich aber um etwa 25 Personen der Fanszene aus Plauen, die mit Material wohl auf dem Weg nach Hoyerswerda waren (jedenfalls ging es für sie in die S-Bahn dorthin und damit nur eine S-Bahn bevor die Potsdamer per WET am selben Bahnsteig ankamen). In Polizeibegleitung ging es mit dem Potsdamer Zugfahrerhaufen kurz drauf in die S-Bahn Richtung Alfred-Kunze-Sportpark und vom dortigen Bahnhof hieß es nochmal etwa 15 Minuten Fußweg bei brütender Hitze. Die Polizei-Hundertschaft wirkte ob der Babelsberger Anwesenheit nicht ganz so begeistert, die ständigen Ermahnungen, man solle nicht auf der Gegenfahrbahn laufen, waren jedenfalls mehr als unnötig, da nur die Polizei selbst dort lief.

Vorm Stadion das typische Bild. 100 Leute wollen eine Karte, aber nur ein Kartenhäuschen hat auf, na toll. Für 6 Euro ermäßigt wechselte gefühlt 20 Minuten später aber doch noch eine Karte den Besitzer und gewährte Einlass in den schmalen, mehrstufigen Gästeblock. Ich mag ja irgendwie Stadien, die nach außen hin so offen sind, dass eigentlich nur ein Zaun Straße und Block trennt. Muss für die sonntäglichen Ausflügler mit ihren Fahrrädern sicher auch ein ungewohnter Anblick sein. Für den geneigten Fußballfan ist auch der Alfred-Kunze-Sportpark ein ungewohnter Anblick. Richtig geiles Stadion mit zweistöckiger, aber unüberdachter Heimkurve inklusive großem Banner. Der Hopperauflauf auf der überdachten Haupttribüne wird sich heute wohl in Grenzen gehalten haben (man hört da ja immer wilde Geschichten), spielte das Wochenende vorher doch Lok beim Derby dort.

Während die Heimkurve mit großer, bunter Blockfahne ins Spiel startete, gab es im Gästeblock zunächst eine kurze Ansage, welche Möglichkeiten man durch den Aufstieg von Chemie nun doch hätte, seine Spuren (akustischer Natur) im Gästeblock zu hinterlassen. Trotz vollem Stehbereich und gutem Wetter wirkten die Worte im Rückblick dann doch eher hemmend. Legte man gut und laut los, flachten die Gesänge ab Mitte der ersten Hälfte schon sehr ab. Zwischendurch konnte bei Klatscheinlagen immer mal wieder der ganze Block mit einbezogen werden, viele kämpften aber doch eher mit ihrem Hass auf die Stadiongastronomie. Das Bier war wohl einerseits alkoholfrei (wofür sich die Chemiker im Nachgang entschuldigten und mit Freibier beim nächsten Spiel dort für die Gäste aus Babelsberg warben) und andererseits wie auch die Cola einfach schlecht. Standen wohl zu lange in der Sonne oder waren noch die Reste vom Lok-Spiel. Zum Trost gab es das ein oder andere Gratiseis, natürlich genau in dem Moment, als ich im hinteren Teil des Blocks war. Zum Glück hatte ich morgens mein Kaktuseis. Ihr merkt, was in anderen Hoppingberichten das Bier, ist bei mir das Eis.

War das Spiel von Anfang an hart umkämpft und ein Unentschieden wäre wohl nur fair gewesen, gab es fünf Minuten vor Abpfiff noch den unnötigen 1:0-Siegtreffer der Hausherren zu bestaunen. Ich scheine den Potsdamern jedenfalls kein Glück zu bringen.

So ging es gesenkten Hauptes nach Abpfiff raus und gemeinsam zurück zum Bahnhof, wo ich mir in der vollen S-Bahn sogar noch einen Sitzplatz sichern konnte. Aufgrund der zahlreichen Mitfahrer in der S-Bahn verzögerte sich deren Ankunft am Hauptbahnhof doch etwas, was es für uns in Richtung Hannover Weiterreisenden nochmal spannend machte, sagte die App bei Abfahrt der S-Bahn doch noch +0 beim IC. Im Hbf mit viel Rennerei noch was (zu teures) zu essen und trinken gesucht, nur um dann am Bahnsteig zu erfahren, dass die Bahn wegen Warten auf Anschlussreisende und das Bordpersonal mit 20-minütiger Verspätung abfahren solle. Wieso steht sowas 10 Minuten vorher nicht in der App? Danke Deutsche Bahn. Aus 20 Minuten wurden bis Hannover dann fast 50 Minuten, schönes Ende des Wochenendes, auch weil der IC weiter nach Bremen für meinen Mitfahrer natürlich auch weg war und es RE hieß. Immerhin kann ich nun zwei meiner bis dahin noch offenen Wunschstadien abhaken!

Lok Leipzig – Babelsberg 03 0:0, Do. 03.08.17

Ich bin ja nun echt nicht so der Hopper, wie man auch den nicht gerade zahlreichen Berichten in diesem Teil des Blogs entnehmen kann. Aber auch für mich gibt es ein paar Stadien, die ich unbedingt noch besuchen möchte. Zwei davon befinden sich in Leipzig, wo ich bisher nur im zwar schönen, aber von einem Quatschverein bespielten Zentralstadion war. Wie es der Zufall so wollte, bot sich noch vor Start der Bundesligasaison die Möglichkeit, sowohl das Bruno-Plache-Stadion als auch den Alfred-Kunze-Sportpark innerhalb weniger Tage hintereinander zu machen. Donnerstag Abend Lok-Babelsberg, drei Tage später Chemie-Babelsberg. Und auch Mal wieder die Möglichkeit, ein paar bekannte Nasen abseits von grün-weiß zu sehen. Nach kurzer Rückfrage bei der Chefin, was sie zu einem Tag Urlaub sagt, hieß es nur noch Mitreisende zu finden. Klappte dann auch recht schnell.

Donnerstag früh Feierabend gemacht und Dank IC über Braunschweig nach Dresden mussten nicht mal viele Überstunden dran glauben. Nach absolut unspektakulärer Fahrt waren wir früh in der Messestadt und so musste noch das ein oder andere Kaktuseis in der Lounge dran glauben. Um den Babelsberger Bushaufen am zugehörigen Parkplatz in Empfang zu nehmen, wurde recht früh auch die Tram geentert, wo man doch die Blicke auf sich zog. Also an mir lag es nicht… Am Busparkplatz angekommen war außer viel Staatsmacht während der gesamten Wartezeit nur ein Fuchs zu sehen, dort gab es sonst aber auch nur Schrebergärten. Wir also schön zwei Stunden vor Anpfiff am Busparkplatz gelangweilt und immer wieder vertröstet worden, nur um dann kurz vor Anpfiff darüber informiert zu werden, dass der Bus schlussendlich direkt zum Gästeblock gebracht würde. Tolle Wurst, sind ja nur 15 Minuten Fußweg bei 10 Minuten bis Anpfiff. Trotz zügigem Lauf reichte es natürlich nicht mehr zum Anpfiff, kurz nach eben diesem waren aber auch wir am Einlass und konnten die Sachen bei der Gepäckabgabe loswerden.

Im Stadion, welches den meisten Lesern hier doch bekannt sein sollte (nette Oldschool-Bude mit überdachter Haupttribüne und zwei Kurven plus Gegengerade mit Stehplätzen inkl. Flutlichtmasten, was ja heute auch nicht mehr selbstverständlich ist), war selbst für Donnerstag Abend recht wenig los. Neben etwa 70-80 Babelsbergern vielleicht noch 20 bis 30 Freunde und Bekannte aus Hamburg, Düsseldorf, Leipzig (RSL) und eben Bremen. Stimmung war für die Anzahl eigentlich ganz okay, wirklich in Erinnerung ist aber nichts geblieben. Auch auf dem Platz ein mageres 0:0. Die Heimseite zeigt ja fast schon Bremer Verhältnisse. Jedenfalls steht der Ultrahaufen, welcher laut BFU Jahresrückblick wohl seit einiger Zeit halbwegs zusammen steht bzw. es zumindest probiert, doch sehr alleine im eigenen abgegrenzten Bereich der Kurve, während das normale Publikum die Haupttribüne und Teile der Gegentribüne bevölkert. Lok ist ja nun nicht gerade für seine Ultraszene bekannt, außer zwei Schwenkern war da auch echt nichts los. Alles in allem ein ziemlich trostloses Spiel, dem sich sogar das Wetter nach zunächst viel Sonnenschein anpasste. Ich gebe ja zu, dass ich ein wenig mehr Brisanz schon allein aufgrund der politisch teilweise sehr deutlich unterschiedlichen Auffassungen erwartet habe, aber selbst der Weg alleine zurück durch die Schrebergärten zur Tram und von dort zum Hauptbahnhof plus anschließender Fahrt mit Flixbus zurück nach Hannover war sehr entspannt. Einzig die Mücken ließen noch Tage später beim Chemie-Spiel erkennen, wer bei Lok dabei war.

Red Bull Leipzig – SC Freiburg 1:1, Do. 24.09.15

Lange habe ich mich gesträubt, Leipzig und dem dortigen Zweitligaclub einen Besuch abzustatten. Da ich aber so langsam mal Liga zwei komplettieren möchte (nebe Leipzig fehlen noch Duisburg, Braunschweig und Sandhausen) und ja eigentlich fast nur mit Vereinen fahre, die ich mag, bot sich nun mit dem Sportclub die Möglichkeit. Natürlich wurde frühzeitig geklärt, dass das Spiel von der Fanszene in Freiburg nicht boykottiert wird und so konnte für schlappe 5 Euro hin und 8 Euro zurück der Fernbus gebucht werden. Trotz Spiel unter der Woche dank Nachtbus nach Berlin keine Probleme für mich hin und zurück zu kommen.

Nach nicht sonderlich spannender Hinfahrt dann frühzeitig mit den Freiburgern getroffen und anschließend mit Sack und Pack auf den Weg zum Stadion gemacht. So recht konnte uns rund ums Stadion aber niemand sagen, wo wir jetzt genau hin müssen und so wurde einmal ums fast komplette Stadion gelaufen. Der Weg auf der dem Heimblock abgewandten Seite komplett unbeleuchtet, alle Tore zum Stadiongelände zu und keinerlei Ordner oder Pozilei zu sehen, schon amüsant, wenn man bedenkt, wie es sonst in der Bundesliga zugeht. Am Eingang dann doch 2 oder 3 Wannen und auch die Schlange vorm Drehtor war schon etwas länger, also schnell Tasche abgegeben und eingereiht. Durch die Berichterstattung anderer Fanszenen, wie übel sie am Eingang in Leipzig behandelt worden wären, war ich eigentlich schon auf das Schlimmste gefasst. Wider Erwarten war es dann eigentlich relativ entspannt und kaum anders als in anderen Stadien. Den Blick ins Portmonnaie konnte ich mit dem Zeigen von gefühlt 20 Toilettenbons im Scheinfach schnell beenden, schön wie einfach man manche Ordner auf der Suche nach Aufklebern nur durch Toilettenbons verunsichern kann. Als er mir dann noch an den Arsch packen und mein Shirt hochziehen wollte, wurds mir dann aber doch zu blöd und ich musste ihn nachdrücklich daran hindern. Wer schon einmal in Leipzig war, weiß dass nach dem Einlass erst der harte Teil kommt. So läuft man erst einmal 3 große Treppen auf den Wall rund ums Stadion um oben erschöpft angekommen festzustellen, dass es gleich wieder runter zum Stadion geht und im Stadion dann noch einmal 2 Treppen wieder hoch in den Oberrang.

Im Block fanden sich dann nach und nach insgesamt knapp 700 Freiburger bzw Sympathisanten ein, was bei 700 km Entfernung an einem Donnerstag abend schon voll ok ist. NBU war mit einem großen Protestspruchband mit den Worten „Nai hämmer gsait!“ (auch die Nicht-Badener sollten dies verstehen können) angereist, welches vor dem Oberrang stilecht mit Anti-RB-Klebern befestigt wurde. Stimmungsmäßig war leider zu spüren, dass einerseits zu Beginn auf einen Vorsänger verzichtet wurde und andererseits viele Sympathisanten aus dem Umland zugegen waren, die wie ich auch, nicht sonderlich textsicher waren aber vor allem auch eher nicht gewillt anzufeuern. Das einzig positive hierbei ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass über 90 Minuten betrachtet die Anti-Gesänge zumindest nicht lauter waren als diejenigen für die eigenen Mannschaft, was ich bei uns in Bremen des öfteren kritisiert habe. So wurde schlussendlich von etwa 40 bis 50 Personen supportet, leider kam es aber auch immer wieder zu größeren Pausen, die Koordination und Motivation war wohl nicht sonderlich groß. Die Heimseite war von Zeit zu Zeit etwas lauter zu vernehmen und auch durch rumgehopse optisch bemerkbar, wirklich stimmungsvolle Lieder gab es aber nicht. Wenn man sich schon erst Jahre nach allen anderen Szenen gründet, könnte man wenigstens da ein wenig Kreativität zeigen. Insgesamt waren knapp 26000 Zuschauer im Stadion anwesend, klingt erstmal nicht wenig, wenn man aber bedenkt, wie riesig das Stadion ist, wirkte das schon sehr bitter.

Auf dem Platz machte in Halbzeit 1 nach anfänglichen Schwierigkeiten der Sportclub das Spiel und konnte durch unseren Nilsi in Führung gehen. Da hat sich der Besuch als Bremer doch schon gewohnt. Leider konnte ausgerechnet du weißt schon wer kurz nach dem Wechsel ausgleichen, als die Freiburger noch geistig in der Kabine zu sein schienen. Eben dieser du weißt schon wer bekam übrigens schon vor Spielbeginn einen Preis, für was auch immer er diesen verdient hat, kann ich nicht sagen und ist mir auch herzlich egal. Wer bei der Vertragsverlängerung noch groß verkündet, viel besseren Clubs abgesagt zu haben und unbedingt in Bremen bleiben zu wollen, um dann nicht mal ein halbes Jahr später ausgerechnet zu diesem Kunstprodukt zu wechseln, verdient aus Bremer Sicht eigentlich gar keine Erwähnung. Ab diesem Tor zum 1:1 spielte jedenfalls nur noch Red Bull und man muss am Ende mit dem Punkt glücklich sein, immerhin ging es gegen einen direkten Konkurrenten um den Aufstieg (der es hoffentlich verkacken und sich dann irgendwann endlich verabschieden wird).

Nach dem Spiel ging es dann wieder geschlossen über unbeleuchtete Wege ganz ohne Ordner und Co zur Straßenbahn und mit dieser zum Hauptbahnhof, wo sich die einzelnen Hostelgruppen aufteilten, um sich dann später in der Stadt nochmal zur Verpflegung zu treffen. Da mein Bus eigentlich 1:40 fahren sollte, dann relativ bald mit einem der Freiburger, der schon um 1 Uhr mit Bus über Frankfurt nach Freiburg zurück fahren wollte, abgeseilt und die Zeit bis zu seiner Abfahrt noch bei einem Bier im Irish Pub unweit des ZOB verbracht. Leider erreichte mich auch dort die Nachricht, dass mein Bus (der um 14 Uhr in Zürich gestartet war) aufgrund des Verkehrs ca. eine Stunde später eintrifft. Nachdem der Freiburger also weg war, statt knapp 30 Minuten noch 1,5 Stunden am Leipziger ZOB gewartet, welcher eigentlich nur aus einem langen Bürgersteig und einer Bushaltestellenhütte besteht, wirklich spannend nachts um 1. Am Ende war ich dann gegen 4:40 auch wieder in Berlin. Der einzige Vorteil der Verspätung war die Tatsache, dass dadurch neben der Ringbahn auch die U-Bahn schon wieder fuhr.

Leipzig also auch abgehakt, muss man nicht nochmal hin. Also bitte steigt niemals auf!

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