Energie Cottbus – Babelsberg 03 3:0, Sa. 19.11.16

Ergebnis: 3:0
Liga: Regionalliga Nordost (4. Liga)
Stadion: Stadion der Freundschaft
Zuschauer: 5676
Datum: Sa. 19.11.16

Am heutigen 19.11.16 sollte es durch den Abstieg der Lausitzer in der letzten Saison zum ersten Ligaspiel seit 30 Jahren in Cottbus zwischen Energie und Babelsberg kommen. Aufgrund der Lage im selben Bundesland und dem politische Engagement der Babelsberger handelt es sich dennoch um ein Derby, auf das beide Fanszenen lange hin arbeiteten.

Bereits im Vorfeld des Spiels veröffentlichte die Cottbusser Fanszene unter  dem Motto „Babelsberg jagen“ ein mehr als fragwürdiges Mobilisierungsvideo, das eher an terroristische Vereinigungen als an Fußball erinnerte. Auch sonst wurde die Gesinnung von Inferno und Co durch verschiedene „Juden Babelsberg“ Graffitis und Tags im Stadtbild klargestellt, welche teilweise vorm Spieltag bereits wieder von Polizei und Stadt entfernt wurden, teilweise auch am Spieltag noch entlang des Fußwegs zum Stadion zu sehen waren.

Die Babelsberger mobilisierten dagegen unter dem Motto „Alle in schwarz“ zu zwei Zugtreffpunkten in Babelsberg und Berlin Alexanderplatz, wo sich etwa 500 Mitreisende Babelsberger und viele befreundete Gruppen erst mit weiß-blauen Webschals eindecken konnten und von wo dann die gemeinsame knapp 1,5-stündige Reise Richtung polnische Grenze angetreten werden konnte. In Königs Wusterhausen meinte dann auch die Staatsmacht mit der Besatzung eines kompletten Polizei-Busses zusteigen zu müssen, was einerseits die Ankunftszeit immer weiter verzögerte und andererseits nicht unbedingt für ein positives Gefühl bei den Nicht-Fußballfans im Zug sorgte. Bis Ankunft am Cottbusser Hbf blieb es komplett ruhig und auch dort war erstmal von Energie-Fans nicht viel zu sehen. Polizei und Stadtverwaltung hatten dankenswerterweise extra für uns den gesamten Stadtring bis zum Stadion sperren lassen und so ging es zu Fuß mit Polizeibegleitung den zwanzigminütigen Weg zum Stadion. Man munkelt, dass die anderen norddeutschen Freunde, die mit Bus vorab nach Potsdam angereist waren, sogar ihre Zivis dabei hatten. Bis zur Überführung kurz vorm Stadion blieb es bei bewölktem Himmel mal abgesehen von besagten „Juden Babelsberg“ Tags auch vollkommen unspektakulär. Auf der Überführung wurde es dann kurz hektisch, als man von Cottbus mit Leuchtspur und Böllern von unterhalb der Brücke beworfen bzw. beschossen wurde. War dann aber alles halb so wild und eigentlich waren die panischen Blicke der Ordnungshüter, die wohl mit sowas gar nicht gerechnet hatten, viel interessanter als die Cottbusser Aktion. Negativ vielen dazu noch die restlichen Cottbusser Szeneleute auf, die von unten „Arbeit macht frei, Babelsberg 03“ skandierten.

Vor dem Stadion hieß es dann erstmal noch ewig warten, da das Stadion zwar schnell öffnen sollte, von Seiten der Ordner aber versucht wurde, immer nur kleine Gruppen von Fans direkt vor den Eingang zu lassen. Klappte dann auch eher semioptimal. Positiv überrascht war ich dagegen von den Ordnern. Kennt man sonst aus Cottbus immer nur schlecht gelaunte und ziemlich brutale Ordner, so konnte man heute sogar mit den Ordnern lachen und Schuhe ausziehen beschränkte sich wohl auch nur auf einige wenige. Negativ fiel dagegen das Versorgungsangebot auf. Alkohol gab es natürlich ob des Hochrisikospiels nicht, aber Erfrischungsgetränke für 4€ sind dann doch schon Bundesligapreise. Und die Bulette schmeckte auch scheiße!

Mit Kaffee ging es dann in den Gästeblock, in welchem der überdachte Stehbereich heute komplett gefüllt war, dürften wohl so 500 bis 600 Babelsberger gewesen sein. Wären auch die 5 bis 6 Personen im Sitzblock rüber gekommen, hätte das ganze vielleicht noch ein bisschen besser gewirkt. Die Gegentribüne war dagegen nur für Rollstuhlfahrer geöffnet. Da macht man vor dem Spiel so ein Trara in Cottbus und am Ende füllt man selbst gerade mal die eigene Hintertortribüne halbwegs (die Ecke von Ultima Raka war schon sehr leer) und einen Teil der Haupttribüne. Auch sonst fiel die Heimseite nicht gerade durch Support oder ähnliches besonders auf. Vor dem Spiel zeigte Ultima Raka zum 14. Geburtstag eine kleine Choreo mit dem Spruchband „Für Zecken sind wir Nazis, für Nazis Zecken – Seit 14 Jahren für Energie und unseren Sport“. Vielleicht sollte man sich lieber mal fragen, wieso die Cottbusser Szene von anderen als Nazis betitelt wird und was man dagegen tun kann, statt sich für solch blöde Sprüche zu feiern. Im Bereich des Collettivo Bianco Rosso gab es zudem rot-weiße Fähnchen und etwas Rauch. Insgesamt hatte ich mir von Cottbus deutlich mehr für ein Derby erwartet. Auch akustisch waren sie im Gästeblock nie wirklich zu hören, Material wurde kaum genutzt. Wenn dann selbst die mehr als peinliche Tshirt-Spruchband-Aktion „Fotzen Nulldrei“ auf der Haupttribüne (!) im Gästeblock komplett ignoriert wird, ist eigentlich alles zu Cottbus gesagt.

Die Babelsberger legten dagegen von Anfang an gut los. Die weiß-blauen Schals gaben das gewünschte geschlossene Bild ab und fanden auch im Spiel immer mal wieder Verwendung. Gesänge waren positiver Weise heute wirklich viele Pro Babelsberg statt nur Gepöbel und Antigesänge, auch wenn der ein oder andere Babelsberger das gesamte Spiel vermummt am Zaun verbrachte und mehr auf Konfrontation aus zu sein schien. Gegenüber dem Auswärtsspiel beim BAK  gestaltete sich der Gesang heute deutlich lauter und abwechslungsreicher, auch wenn es ab Mitte der zweiten Halbzeit dann doch immer mehr Durchhänger gab. Bei einem frühen Rückstand, der am Ende noch bis auf 0:3 erhöht wurde, auch nicht weiter verwunderlich. Und auch unsere gemeinsame norddeutsche Ecke wirkte sehr textsicher. Ich bin einerseits positiv überrascht, wie viele Leute Babelsberg für so ein Spiel mobilisieren kann, andererseits muss man natürlich auch kritisch hinterfragen, wenn dagegen zu einem Spiel wie bei BAK, also quasi keine 30 Minuten von Babelsberg weg, nur vielleicht 100 Leute kommen. Nach dem Spiel  ging es bei zur Stimmung passendem Regen zurück zum Bahnhof, wo sogar noch der frühe RE erreicht wurde. Unterwegs traf man noch auf 2 bis 3 Cottbusser Kleingruppen, die aber alle von der Polizei schnell abgeschirmt wurden und auch der Bahnhof war für Babelsberger komplett gesperrt, trotzdem schafften es dankenswerter Weise noch einzelne Getränkekisten in den Zug.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass das Spiel sportlich deutlich und leider auch verdient an die Lausitzer ging und man in Potsdam weiter auf den Derbysieg warten muss. Auf den Rängen war Babelsberg bis Mitte der zweiten Hälfte echt gut drauf und akustisch, auch objektiv betrachtet, wirklich schwachen Cottbussern überlegen. Cottbus hat mit seinem Auftreten rund um das Spiel einmal mehr bewiesen, wie die Leute vor Ort so ticken und dass Energie einfach scheiße ist! Auch das Jagen der Babelsberger klappte zumindest am Spieltag ja doch nur semioptimal. Vielleicht klappt es aber ja wenigstens mit einer Karriere als Filmregisseure, für RTL 2 reicht es bestimmt!

 

4 Gedanken zu „Energie Cottbus – Babelsberg 03 3:0, Sa. 19.11.16“

  1. Dieser Bericht ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten! Wenn man keine Ahnung von der Cottbuser Fanszene hat, und daher auch den Sinn hinter dem Spruch von UR nicht rafft, sollte man lieber die Klappe halten.
    Dass es leider auch Rechstextreme in der Szene gibt, und dass antisemitische Sprüche und Tags absolut zu verurteilen sind, darüber braucht man sich nicht zu unterhalten. Wenn aber sämtliche Energie Fans von den ach so toleranten 03ern über einen Kamm geschoren werden, sollte man mal die Frage stellen, wer hier nicht in der Lage ist, sachlich und objektiv zu urteilen.

    Naja, um sich mal auf das Niveau dieses Berichtes zu begeben, vielleicht liegt es auch einfach daran, dass Babelsberg nur ein kleiner Pissverein ist und es auch immer bleiben wird. Energie und 03 trennen Welten, und dass wird sich in den kommenden Jahren auch wieder ligatechnisch zeigen. Seht es ein, wir sind die Nummer 1 in Brandenburg, wir haben 1. und 2. Bundesliga gespielt, haben Bayern geschlagen und im Pokalfinale gestanden. Und ihr so? Habt euch schon immer in eurer 4000 Mann Bruchbude einen abgegurckt. Diese Saison wird die einzige bleiben, in der wir mit euch in einer Liga spielen.

    1. erstmal danke für deinen Kommentar und ein paar Anmerkungen von mir (zum Glück sind Ansichten ja verschieden):
      – wenn du mal ein bisschen die Texte im Hauptblog (den zu Werder, nicht die paar Hoppingsachen hier) gelesen hättest, wüsstest du, dass ich durchaus kritisch mit dem eigenen Support umgehe
      – meinem persönlichen Empfinden nach war der Support von Babelsberg für deren Verhältnisse (aus den paar Spielen, die ich bei Babelsberg war) echt gut, dass das u.a. daran lag, dass viele, viele Freunde dabei waren, habe ich kritisch erwähnt
      – die Beurteilung des Cottbusser Supports liegt in erster Linie mal daran, dass ICH, wenn man extra so ein schwachsinniges und gewaltverherrlichendes Video postet und sich solche Mühe mit rassistischem und antisemitischen Verhalten macht, auch im Stadion was erwarte und das war nunmal nicht der Fall (oder würdest du wirklich sagen, der Support war in Anbetracht der Handlungen die Tage zuvor gut?)
      – auf wen das „war von Cottbus nicht anders zu erwarten“ oder „ist halt Cottbus“ bezogen war, sollte dir als Cottbusser klar sein, ich persönlich sehe nicht jeden Cottbusser als Nazi, dass das bei Babelsberg teilweise anders tituliert wird, darfst du gerne kritisieren und habe ich auch Verständnis für
      – dass die UR Choreo bei mir so schlecht weg kommt liegt halt daran, dass man dann vielleicht mal gegen den rassistischen und antisemitischen Scheiß in der eigenen Szene machen sollte und das eben nicht nur intern, sondern sich klar positionieren, genau solche Szenen, die sowas machen und auch mit Konsequenzen von rechts leben, mag ich, das Choreo-Spruchband war mir da zu viel die anderen sind es schuld und eigentlich sind wir ja gar nicht so

      in diesem Sinne abwarten, was die Saison bringt und ihr dürft mich gerne supporttechnisch im Rückspiel positiv überraschen (und falls ich da sein sollte und darüber schreiben, werde ich das natürlich dann auch so „zu Papier“ bringen)

  2. Mal abgesehen davon finde ich ea doch sehr amüsant, wie so getan wird, als hätte Babelsberg die Stimmungshoheit im Stadion der Freundschaft gehabt. Selten so gelacht, ehrlich!

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