Hertha BSC – Brøndby IF 1:0, Do. 28.07.16

Wenn dein zweitliebster Verein nur vier Stationen von deiner Wohnung spielt, kann der Tag nur gut werden. Natürlich bin ich nicht nach Charlottenburg gezogen, sondern Hertha sollte im Jahn-Sportpark, Heimspielstätte des BFC Dynamo, spielen. Grund dafür sind wohl in erster Linie die hohen Kosten eines nur halb vollen Olympiastadions. Der Jahn-Sportpark mit seinen knapp 20.000 Plätzen war dagegen schon Tage vor dem Spiel ausverkauft. Da es Gästeblockkarten nur vor Ort am Brøndby Stadion zu kaufen gab, blieb für mich nur noch ein Restticket Reihe 3 der Gegentribüne.

Nach den Gewalttaten der letzten Wochen hieß es auch im Vorfeld des heutigen Spiels verschärfte Sicherheitskontrollen. Am Ende war es dann etwa so, dass nicht mal meine Kameratasche kontrolliert wurde, also deutlich harmloser als jedes Ligaspiel. Könnte aber auch an den vielen Zuschauern bei nur 2 Eingängen gelegen haben. Vor dem Spiel meinten dann ein paar spätpubertäre Hertha Fans auch noch, die Busfahrerin der Dänen mit dummen Sprüchen beeindrucken zu müssen. Ich glaube ja, wäre sie ausgestiegen, der ein oder andere mit großer Klappe wäre schnell geflüchtet.

Etwa eine Stunde vor Anpfiff war es auf den Rängen noch gähnend leer, die Hertha Szene sammelte sich im Umlauf und auch der normale Zuschauer versorgte sich erstmal mit Bratwurst und Bier. Herthas Szene postierte sich am heutigen Abend auf der rechten Seite der überdachten Gegentribüne etwa in Block J. Die Gäste aus Brøndby bekamen den Bereich der unüberdachten Kurve rechts der Haupttribüne zugesprochen. Vor dem Spiel fand wohl auf Gästeseite ein gemeinsamer Marsch vom Alex zum Stadion statt, entsprechend blieb der Gästeblock auch bis 30 Minuten vor Anpfiff leer und wurde dann bis Anpfiff mit gelben und blauen Bändern verziert. Auch stimmungsmäßig legten die Gäste von Beginn an im dann komplett gefüllten Gästeblock gut los. Laute Gesänge, rythmisches Klatschen und insbesondere Fahneneinsatz mit jeder Menge gelb-blauer Fahnen im gesamten Gästeblock. Der Zaun wurde mit der großen Brøndbyernes IF-Zaunfahne und einzelnen Dänemark-Fahnen beflaggt. Die erwartete Pyroaktion zu Beginn entfiel und so entflammte erst in der zweiten Hälfte die erste Fackel, allerdings auf Heimseite. Hertha nach kaum Materialeinsatz in Halbzeit 2 etwas aktiver und mit etwa 10 Fackeln und „nur echt in blau weiß“ Fahne wenigstens einmal auf sich aufmerksam machend. Ansonsten war es auf Heimseite eine wirklich enttäuschende Leistung. Trotz Dach war kaum was zu hören, außer zwei mal gemeinsamem Singen und Klatschen kam da gar nichts. Schon bitter, wenn man in der eigenen Stadt vom Gegner 90 Minuten an die Wand gesungen wird. Brøndby Mitte der zweiten Hälfte dann auch noch mit großer Pyroaktion inklusive Böllern und Leuchtspur in den Himmel und in Richtung Platz. Ich halte von Leuchtspur ja nicht so viel, aber bei einem Abendspiel in einem Oldschool-Stadion mit Laufbahn und unüberdachter Kurve hat das schon was. Allein der Fans wegen hätte Brøndby jedenfalls mindestens einen Punkt in Berlin verdient. Nachdem aber Hertha nach anfänglich gutem Beginn der gelb-blauen mehr und mehr das Spiel in Halbzeit eins dominierte und folgerichtig per Fallrückzieher in Führung ging, half auch eine gute zweite Hälfte den Gästen nicht mehr zum Ausgleich. Mit einem 1:0 für Hertha ist aber für das Rückspiel in Brøndby noch alles offen, wobei wir ehrlich sein sollten: auch wenn Brøndby die letzten 15 Jahre fast jedes Jahr international gespielt hat, so geht doch Hertha als klarer Favorit ins Rückspiel, nicht nur wegen dem Hinspiel. Ich werde mir das Rückspiel wohl nur vor dem TV geben, meine üblichen Wege nach Kopenhagen werden wohl mit Herthanern überfüllt sein, dass es als Heimfan keinen Spaß machen würde.

Zuletzt nochmal eine Empfehlung, sich Brøndby ruhig mal auswärts zu geben!

Hader FCK!

Brøndby IF – PAOK 1:1, Do. 27.08.15

Wie schon bei der letzten Dänemark-Tour am Wochenende angekündigt, ging es unter der Woche wieder nach Dänemark, Brøndby gegen PAOK Europaleague-Quali. Die Vorzeichen auf ein gutes Spiel waren nach der 0:5-Niederlage im Hinspiel in Griechenland leider nicht so gut, dennoch war die Hoffnung auf ein wenig Support von Seiten der Sydsiden Brøndby rund um Alpha Brøndby da, schließlich ging es darum, die Mannschaft würdig aus dem internationalen Geschäft zu verabschieden.

Mittwoch abend ging es also mal wieder mit dem Fernbus für knapp 22€ für hin und zurück von Berlin über Rostock, Puttgarden und Rødby nach København. Diesmal musste ich die Reise immerhin nicht alleine auf mich nehmen, stattdessen fuhren wir zu dritt. Die Wettervorhersage war nach dem strahlenden Sonnenschein am Wochenende diesmal leider deutlich schlechter. Von der 9-stündigen Hinfahrt gibt es eigentlich nicht viel spannendes zu erzählen, die Zeit bis zur Fähre wurde so ziemlich im ganzen Bus geschlafen, nach den 45 Minuten auf der Fähre ging es dann die letzten 2 Stunden bis København. Negativ in Erinnerung bleiben allein die Busfahrer. Diese schienen die Strecke beide überhaupt zum ersten Mal zu fahren, so dass sich schon in Puttgarden einmal auf dem Weg zum Fährterminal verfahren wurde. Bei der Fahrt von der Fähre kam dann sogar die Ansage „Nächster Halt Rødby, blöd nur, dass wir nicht wissen, wo dort die Haltestelle ist“, da fällt einem wenig zu ein. In Kopenhagen selbst ein ähnliches Spielchen, erstmal falsche Abfahrt genommen und am Ende mit über 30 Minuten Verspätung am Busbahnhof angekommen, zum Glück konnte uns die Verspätung ziemlich egal sein, sollte der Anpfiff doch erst 11 Stunden später erfolgen.

Da das Wetter noch schlechter als (von deutschen Wetterwebseiten) vorhergesagt war und es in Strömen regnete, die Klamotten direkt am Bahnhof eingeschlossen. Bei 3 Leuten und einem Schließfach sind auch die über 8€ fürs Schließfach deutlich erträglicher als alleine am Wochenende. Im Bahnhof dann auch direkt die Fahrkarten organisiert. Diesmal reichte leider nicht das 4-Zonen-Ticket, da Brøndby ein Vorort von Kopenhagen ist und somit ein paar Zonen mehr entfernt. Als Alternative zur 4-Zonen-Karte bietet sich für den Dänemarkreisenden hier das 24h-City-Ticket für alle Zonen an, Kostenpunkt 130 DKK (etwa 18€).

Das Organisatorische alles erledigt, dann kann’s ja weiter in die Stadt gehen. Ich durfte nach meinem Ausflug am Wochenende heute Stadtführer für die anderen beiden spielen. Zunächst ging es auf Wunsch der beiden erst einmal zum Parken, wenn schon kein Spiel dort ist, wenigstens das Stadion mal angucken. Leider gab es keine Möglichkeit ins Stadion zu kommen, so dass wir mit dem nebenan befindlichen Østerbro Stadion vorlieb nehmen mussten. Hier trägt normal B93 (genau der Verein, den ich am Wochenende auswärts gesehen habe) seine Heimspiele aus. Hübsches kleines Stadion mit Laufbahn, das eine moderne Haupttribüne (leider mit VIP-Loge) besitzt. Gegenüber grenzt ein großes Gebäude direkt an die Laufbahn, welches auch als Umkleide genutzt wird. Gefällt mir deutlich besser als die kleinen Spielertunnel unter den Tribünen in modernen Großarenen. Am vorherigen Wochenende schienen Leichtathletikveranstaltungen stattgefunden zu haben, so dass selbst die Tore abgebaut waren. Auf den Tribünen dann noch ein paar Antifa-Kleber (gefällt mir gut) und Anti 1964 Schriftzüge (gefällt mir weniger gut (1964 = Gründungsjahr von Brøndby IF)) entdeckt.

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Haupttribüne des Østerbro Stadion von B93
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nette Umkleideräume direkt am Stadion

Anschließend gab es dann noch eine etwas größere Sightseeing-Tour durch Kopenhagen, um den Kulturteil der Reise nicht zu kurz kommen zu lassen. Sowohl die Meerjungfrau, als auch Statuen, Brunnen und Schlösser waren allerdings leider von unseren asiatischen Mitbürgern überrannt, wie man den folgenden 2 Bildern entnehmen kann.

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Meerjungfrau und viele, viele Touristen
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und auch hier wieder mehr Touristen als Sehenswürdigkeiten

Auf dem Weg zurück in die Innenstadt fielen uns dann nach und nach jede Menge Sektionsaufkleber von PAOK auf, das lustige daran, es waren alles deutsche Sektionen, darunter auch solch tolle Orte wie Lüdenscheid und Reutlingen. Am Marktplatz in der Innenstadt dann schließlich auch die „Urheber“ dieser Aufkleber getroffen. Dort sammelten sich etwa 100 PAOK-Fans unter Beobachtung von 3 bis 4 Politi-Wagen schon Stunden vor dem Spiel. Als ein etwas stärkerer Wind 2 Sonnenschirme umwarf, nutzten Teile der PAOK-Fans die Situation, um auf die wirklich unnötige Polizeibegleitung aufmerksam zu machen, indem sie die Schirme wieder aufstellten und sich dafür von den umstehenden Personen feiern ließen, nichts mit Randalen liebe Polizei…

Wir machten uns anschließend relativ früh auf den Weg Richtung Brøndby, da wir uns die Umgebung rund ums Stadion nochwas angucken wollten. Die S-Bahn fährt vom Hauptbahnhof Kopenhagen knapp 15 Minuten bis Brøndbyøster und von dort der Bus weitere 10 Minuten bis Brøndby Hallen. Negativer Höhepunkt der Tour war ein Hakenkreuz auf der Abfahrttafel des Busses in Brøndbyøster und die Blicke der wartenden, als wir versuchten, das Geschmiere wegzubekommen, leider ohne Erfolg.

Am Stadion angekommen erstmal von vielen gelb-blauen Graffitis an Kassenhäuschen und Stadionwänden begrüßt worden, kein Vergleich mit dem steril wirkenden Parken. Da über 2 Stunden vor Anpfiff noch nichts los war und der Fanshop zwar viele Artikel, aber nichts für uns passendes hatte, eine Runde ums Stadion gedreht, in der Hoffnung, irgendwo Hinweise auf einen Stand o.ä. der aktiven Szene rund um Alpha Brøndby zu finden. Das einzige, was wir nach einigem Suchen aber finden konnten, waren die Räume des Brøndby Support, wo es immerhin ein nettes Shirt zu kaufen gab. Wer vor dem Spiel noch etwas trinken möchte, sollte sich ebenfalls dort hin begeben, da die Preise im Stadion einfach viel zu hoch sind (0,75l Bier 9€, 0,5er erst im 5er-Pack für erträgliche 4,50€). Besagte Räumlichkeit findet man, wenn man in der Ecke des Gästeblocks dem Weg weg vom Stadion folgt.

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Kassenhäuschen mit Gründungsjahr-Graffiti (mehr Bilder unter dem Beitrag)
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Sydsiden Brøndby Graffiti (mehr Bilder unter dem Beitrag)

Etwa 1 Stunde vor Anpfiff trafen dann auch die Fans von PAOK am Stadion ein und bei Betrachtung der Kennzeichen der Autos vorm Gästeblock bewahrheitete sich dann leider das schon in der Stadt gesehene. Außer einem Bus der Sektion Stockholm quasi nur Autos mit deutschen Kennzeichen. Im Gästeblock dann augenscheinlich das selbe Bild. Viele Zaunfahnen deutscher Sektionen und auch der Support wirkte sehr mager. Außer ein wenig Geklatsche und ein paar PAOK-Rufen war von den etwa 500 Gästefans während des Spiels wenig zu hören.

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PAOK-Fans im Gästeblock
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Zaunfahnen im Gästeblock

Die Heimkurve dagegen konnte mit durchgehendem und vor allem lauten Support aus der oberen rechten Ecke der Hintertortribüne (aufgrund der Uefa-Regularien war die gesamte Stehplatz-Tribüne hinter dem Tor gesperrt) überzeugen. Man merkte der Sydsiden an, dass sie die Mannschaft noch einmal würdig aus der Europa-League verabschieden wollten. Untermalt wurde diese Unterstützung schon zu Beginn durch eine große Pyroshow. Die gute Stimmung konnte während des gesamten Spiels gehalten werden und Klatsch- und Hüpfeinlagen wirkten sehr geschlossen (wenn das bei uns in Bremen mal so klappen würde). Das restliche Stadion war leider nach dem Hinspielergebnis gähnend leer, keine 7000 Leute fanden den Weg ins Brøndby Stadion, sehr schade.

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leerer Stehblock aufgrund Uefa-Regularien, Sydsiden im Block rechts oben
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Sydsiden in Aktion! durchgehend lauter und geschlossener Support
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Pyroshow der Sydsiden, Teil 1
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Pyroshow der Sydsiden, Teil 2

Auf dem Platz merkte man beiden Mannschaften schnell an, dass es um nichts mehr ging. Brøndby zu Beginn noch engagiert und auf die schnelle Führung aus, die dann auch früh fiel. Nach dem Ausgleich zum 1:1 war es dann aber auch mit dem wirklichen Willen dahin und einzig die Fans auf der Tribüne blieben den Rest des Spiels in Aktion.

Nach dem Spiel dann mit Bus und Bahn zurück zum Hbf in Kopenhagen, wo wir etwa 40 Minuten vor Abfahrt des Busses eintrafen. Wer etwas knapper kalkulieren muss, sollte bedenken, dass es die aus Deutschland gewohnten Shuttlebusse und Zusatzzüge in Dänemark nicht gibt. Wie beim FCK fuhr auch hier nur der normale Linienbus nach Abpfiff, der abends entsprechend der Tage ohne Spiel sehr selten fährt.

Leider ging es auch zurück nach Berlin dann wieder mit den inkompeteten Fahrern der Hinfahrt. Highlights auf der Rückfahrt waren die aufgrund unnötiger Quatscherei vor der Nase weggefahrene Fähre und die fehlende Reaktion des Busfahrers auf meinen Hinweis, dass meine Nachbarin noch nicht da ist, bei Verlassen der Fähre. Ob sie sich nur einen anderen Platz im Bus gesucht hat oder wirklich auf der Fähre vergessen wurde, kann ich allerdings nicht sagen, ich habe sie jedenfalls in Berlin nicht mehr gesehen. Vielleicht ist sie aber auch in Rostock schon ausgestiegen. So oder so hätte ich mir zumindest eine Reaktion des Fahrers gewünscht, komische Leute. Am Ende mit etwa 10 bis 15 Minuten Verspätung um kurz vor 9 am Freitag morgen wieder in Berlin gelandet und muss ich sagen: Brøndby, gerne wieder!